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James Taylor im Interview : „Ich weiß jetzt, wofür ich da bin“

„Ich hatte nur eine Möglichkeit, und das war die Musik“: Der fünffache Grammy-Gewinner James Taylor Bild: AP

James Taylor, 67, ist eine Ikone der Singer-Songwriter. Nach 13 Jahren hat er nun wieder eine Platte mit neuen Songs aufgenommen. Mit uns sprach er über Musik und Trost, das Geheimnis der Inspiration und das tragische Schicksal seines Vaters.

          Gerade wer als Musiker schon lange im Geschäft ist, bekommt häufig den Vorwurf zu hören, er habe seine künstlerische Weiterentwicklung eingestellt und gebe nur noch das immer Gleiche zum Besten. Im Falle von James Taylor, dem amerikanischen Singer-Songwriter, fünffachen Grammy-Gewinner, Mitglied der Rock’n’Roll Hall of Fame, der seine erste Platte 1968 veröffentlichte, ist die Lage anders: Von Taylor erwartet man nichts anderes als Taylor-Variationen, nur milde neu schattierte Versionen von Klassikern wie „You’ve Got a Friend“, „Carolina in My Mind“, „Something in the Way She Moves“, „Fire and Rain“ oder „Copperline“.

          Bertram Eisenhauer

          Verantwortlich für das Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Als der Sänger 2002 in Frankfurt gastierte, notierte der Kritiker der Frankfurter Allgemeinen, Taylor habe ein Lied seiner aktuellen Platte mit den Worten angekündigt: „Another new song - sounds like the old songs.“ Und dann, so der Kritiker weiter, „fängt er an zu singen, und es klingt wie immer. Es klingt großartig.“

          Sitzt man dem Musiker gegenüber, mag man kaum glauben, dass dieser schlaksige, zurückhaltende, eine zenhafte Ruhe ausstrahlende 67-Jährige in seiner Jugend so eine gequälte Seele war, die dann bis in die achtziger Jahre hinein mit der Drogensucht kämpfte. Aber vielleicht ist das auch einer der Gründe dafür, dass Taylor uns mit dem Schmerz versöhnt, der im Leben unvermeidlich ist, und es so gut wie nur ganz wenige andere tut.

          Mr. Taylor, den englischen Ausdruck „national treasure“ habe ich irgendwann mal gelernt, weil Sie im Fernsehen oder in einer Zeitung so genannt wurden. Und da stellt sich die Frage: Wie lebt man als „nationales Kulturgut“?

          Na ja, auch wenn unsere Kultur mit ihrer Betonung der „Prominenz“ diese Unterscheidung oft verwischt: Es gibt einen Unterschied zwischen jemandem, der ein Talent besitzt und ein Handwerk ausübt, und jemandem, der vor allem in der Öffentlichkeit existiert. Mir ist es immer gelungen, mich hinter meinem Handwerk zu verstecken; ich arbeite als Musiker, als Songwriter, ich mache Platten, ich trete auf. Das ist meine Arbeit. Obwohl ich sehr autobiographisch arbeite und meine Songs von meiner persönlichen Erfahrung her schreibe, konzentriere ich mich darauf, was ich tue - nicht darauf, wer ich bin. Der Ausdruck des „lebenden nationalen Kulturguts“ kommt aus Japan und beschreibt eine bestimmte Art, die eigene Arbeit zu sehen. Dort gibt es Kunstfertigkeiten, die seit Tausenden von Jahren existieren - Töpfern, Dichten, eine bestimmte Art der Malerei und dergleichen - und deren Vervollkommnung sich Menschen verschreiben, oft ihr Leben lang. Sie fügen einer sehr alten Tradition ihr eigenes kleines Teil hinzu. Das ist für mich eine nützliche Auffassung meiner eigenen Arbeit.

          Haben Sie die Vorstellung, mit Ihrer Musik in einer langen Reihe von Musikern zu stehen?

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