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James McAvoy im Gespräch : „Ich bin der, der das Essen mitbringt“

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Könnte man es damit vergleichen, dass etwas entsteht und man erst irgendwann merkt, dass es genau das ist, was man immer wollte?

Genau. Mein ganzes Leben bisher war so. Man merkt, das wäre mein Ehrgeiz gewesen – und nun bin ich schon da. Das ist wunderbar. In seinen besten Phasen ist mein Leben wirklich so gewesen. Die Schauspielerei passierte mir sozusagen auch.

Sie haben auch einen Superhelden in einem „X-Men“-Film gespielt. Die Rolle wirkt nicht so facettenreich wie viele Ihrer anderen. Ist es trotzdem eine Herausforderung?

Mehr als die anderen! Je weniger Facetten ein Charakter hat, desto unechter wird er. Vor Jahren habe ich in einer Science-Fiction-Serie mitgespielt, und mein Kollege Alec Newman sagte zu mir: „Du musst diese Sachen noch viel ernster nehmen als die ,guten‘ oder sogar auch die ,normalen‘ Rollen. Du musst hier fast noch mehr geben, weil es im Grunde so lächerlich ist. Man muss sich noch mehr anstrengen.“

Um es überzeugender darstellen zu können?

Ja, es ist doch eigentlich völlig blöd. Wie schafft man es, bei Zuschauern Emotionen zu wecken, wenn das ganze Szenario so absurd ist? Die Schauspieler müssen selbst mehr als sonst daran glauben.

Bruce, Ihre Figur in „Drecksau“, geht zu einem Psychiater. Käme für Sie jemals eine Therapie in Frage?

Für mich? Nein, das wäre keine gute Idee. Vielleicht wenn ich Probleme hätte. Im Moment geht es mir ziemlich gut. Aber wenn ich nackt die Straße runterrennen und mich für einen zweiten Jesus halten würde, dann vermutlich. Ich hab immer sehr auf mich selbst geachtet, vor allem auch auf meine mentale Gesundheit. Ich war immer schon ein Menschenbeobachter und habe Dinge wahrgenommen, die Kinder normalerweise nicht wahrnehmen. Und ich habe mich selbst erforscht, meinen Denkprozess. Das klingt vielleicht nach Nonsens.

Andere Leute besuchen Kurse, um das zu lernen.

Tatsächlich? Ich hab mich schon als Kind leicht in Gedankenspiralen verloren, und mir war es wichtig, das nicht zu oft geschehen zu lassen. Das tue ich immer noch, ich beobachte meine Gedanken und ob sie mir zuträglich sind. Leute zu beobachten, von anderen fasziniert zu sein ist für einen Schauspieler sehr wichtig, man lernt so viel vom Zuschauen. Und mehr über sich selbst zu erfahren ist mindestens genauso, wenn nicht noch wichtiger. Man spielt niemals wirklich jemand anderen, man spielt immer nur sich selbst.

Ihre Filmfiguren leben alle in verschiedenen Zeiten. Im 19. Jahrhundert, im Zweiten Weltkrieg, in der Gegenwart, in der Zukunft, in Fantasy-Geschichten. Welche Epoche wäre Ihnen am liebsten?

Vielleicht, hm, keine Ahnung, vielleicht die Siebziger?

Warum?

Ja, vielleicht. Ich mag die Klamotten, die Musik, die Filme. Ich bin in den Siebzigern geboren, allerdings an ihrem Ende, 1979, und ich war immer sehr traurig, nicht ein wirkliches Kind der Siebziger zu sein. In meiner Vorstellung, und die mag falsch sein, wirken die Siebziger irgendwie unschuldig. Das ist wahrscheinlich Quatsch, aber mein Bild ist eben so. Ich habe eine Art Nostalgie für diese Zeit. Ich weiß nicht, warum. Deswegen habe ich auch den letzten „X-Men“-Film geliebt: weil er in den Siebzigern spielt. Michael Fassbender hat es gehasst, weil er findet, dass die Mode ihm nicht steht. Er freut sich auf den nächsten, der wahrscheinlich in den Achtzigern spielt, weil er in der Mode dieser Zeit gut aussieht. Ich nicht. Aber in den Siebzigern konnte man sich verlieren. Die Leute waren mehr auf der Suche, sie wollten rausfinden, was und wer sie sind. Das gefällt mir.

Und als was definieren Sie sich, wer sind Sie?

Oh, wer weiß das schon? (lacht) Ich zum Beispiel definiere mich, indem ich Leute versorge, oft auch mit Essen. Ich bin der, der das Essen mitbringt. Das ist einer der wichtigsten Wege, über die ich mich definiere und mich als wertvoll erlebe – und meine Freunde wissen das. Wenn wir wandern gehen oder campen, bring ich das ganze Essen mit und koche. Und ich kann das verdammt gut.

Was gibt’s dann?

Ich habe da ein Rezept für eine schöne, scharfe Guacamole, die zu einem gegrillten Hühnchen-Ciabatta-Sandwich mit etwas Rucola passt. Wir steigen auf einen Berg, meine vier Kumpel und ich, wir zelten, trinken Whiskey und Bier, und ich fühle mich gut.

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