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James McAvoy im Gespräch : „Ich bin der, der das Essen mitbringt“

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Hm, ich weiß nicht, aber jeder Mensch hat seine Geschichte, oder? Dieser Bruce war toll zu spielen, auch wenn ich ihn nicht leiden kann und ihn nicht in meiner Nähe haben wollte. Vielleicht müssen manche Schauspieler ihre Figuren sympathisch finden, weil sie nicht so viel Phantasie haben und ihren Spaß haben wollen. Aber meine Vorstellungskraft arbeitet sehr gut, wenn ich versuche herauszufinden, was jemanden von mir unterscheidet, jemand, den ich nicht mag. Ich bin gerne „in“ Bruce gewesen. Das klingt vielleicht seltsam; es fühlte sich sehr natürlich an, er zu sein. Genauso war es, Mr. Tumnus in „Die Chroniken von Narnia“ zu sein oder den Typ in „Abbitte“. Diese drei Charaktere fielen mir am leichtesten. Nicht wegen der Art, wie ich aussehe, da hätte ich nirgends ganz oben auf der Besetzungsliste gestanden; aber diese drei erforderten am wenigsten Vorbereitung, als es darum ging zu erspüren, wer sie wirklich sind.

James McAvoy (rechts) und Eddie Marsan im Film „Drecksau“ in Hamburg

In „Abbitte“ wie in „Geliebte Jane“ scheint das Glück zum Greifen nah, und dann schreitet das Leben ein, und es kommt anders. Was zieht Sie an solchen Rollen an?

Es kommt auch ein wenig darauf an, was mir angeboten wird. „Geliebte Jane“ kam zu einem Zeitpunkt meiner Karriere, als ich nicht so viel Auswahl hatte.

Hätten Sie den Tom Lefroy – in der semi-fiktiven Handlung des Films der Mann, in den Jane Austen sich verliebt, auf den sie aber am Ende verzichtet – sonst denn nicht gespielt?

Wenn ich stattdessen eine Hauptrolle in meinem eigenen Film hätte spielen können statt einer Nebenrolle? Klar, vielleicht hätte ich mich dafür entschieden. Aber sie haben echt gut bezahlt. Und man wird normalerweise nicht so gut bezahlt, wenn das Budget so klein ist, wie es damals war. Aber solche Rollen kommen einfach zu mir. Und das ist doch auch etwas, von dem wir alle fasziniert sind: das Ungewisse, die Wie-wäre-sie-wohl-gewesen-Liebe und die, die irgendwie hätte sein sollen. Das sind Tragödien. Sie handeln davon, dass es soviel besser hätte sein können. Ich liebe Tragödien!

Weil sie interessanter sind als einfach Glück?

Vermutlich. (zögert) Härter, aber interessanter. Ja, Irvine ...

Irvine Welsh, von dem die Romanvorlagen von „Trainspotting“ und jetzt „Drecksau“ stammen.

Irvine ist fasziniert von Versagen, Scheitern. Er sagt, wir sind am besten, wenn wir scheitern. Weil wir nur dann etwas lernen über uns selbst. Sind wir hingegen immer nur erfolgreich, stagnieren wir in unserer Entwicklung als Mensch.

Wie viel Erfahrung haben Sie persönlich mit tragischen Situationen gemacht?

Das Leben war sehr freundlich zu mir. Ich hab auch harte Dinge erlebt, und ich hatte einen schwierigen Start, aber ich habe bisher auch echt Schwein gehabt. Dafür bin ich sehr dankbar, auch für meinen Job. Ich bin so dankbar für meinen Job! Wenn mir jemand gesagt hätte, dass ich diese Karriere machen würde – es ist für mich selbst unglaublich.

Wenn Sie von den harten Umständen sprechen, meinen Sie zum Beispiel die Scheidung Ihrer Eltern, als Sie sieben Jahre alt waren?

Ja, das, von meinen Großeltern und meiner Mum habe ich zwar sehr viel Liebe erfahren, aber es war ein übles Viertel, in dem wir gewohnt haben – solche Dinge.

Ihre Zukunft hätte auch anders aussehen können?

Ich denke schon. Aber ich war immer sehr sensibel; mir war es immer wichtig, in Ordnung zu sein. Nicht unbedingt erfolgreich, aber doch so zu leben, dass es mir gut geht und ich glücklich bin, zufrieden mit dem, was ich habe. Schon als Kind war mir das sehr wichtig. Das war mein Ehrgeiz, zusammen mit dem einzigen anderen echten Ehrgeiz, den ich immer hatte: mein eigenes Haus zu besitzen. Das hab’ ich inzwischen, und es ist großartig.

Was ist Ihr nächstes Ziel?

Das weiß ich nicht so richtig. Ich würde gerne Regie führen. Aber ich bin eigentlich keiner, der Ehrgeiz entwickelt, sich Ziele setzt und sie dann verfolgt.

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