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James-Bond-Erlebniswelt : Im Geheimdienst Ihrer Bonität

  • -Aktualisiert am

In den Permafrost gebaut: Die James-Bond-Erlebniswelt in Sölden Bild: Kristopher Grunert

Der österreichische Ort Sölden setzt dem Film-Agenten James Bond nun ein bleibendes Denkmal – und das auf 3050 Meter Höhe.

          Die Actionszene hat Spuren hinterlassen. Das Flugzeug verlor seine Tragflächen, als James Bond die Schurken damit jagte, genauso wie Heck und Fahrgestell. Übrig geblieben ist nur der Rumpf der „BN-2 Islander“. Der rast nun den verschneiten Berghang hinab, in eine Scheune hinein. Der Soundtrack verstummt. Mit einem lauten Knall schießt das lädierte Stück auf der anderen Seite wieder heraus, direkt auf die Kamera zu.

          Gelandet ist das Flugzeug-Wrack aus dem letzten James-Bond-Film „Spectre“ am Ende auf dem Gaislachkogl bei Sölden. Szenengetreu dekoriert mit Holzresten der zerstörten Scheune. Als Ausstellungsstück über dem Gletscher auf 3050 Metern Höhe friert es eine Schlüsselszene des 24.James-Bond-Abenteuers ein, vor eben jenem Ötztaler Bergpanorama, das 2015 bei den Dreharbeiten als Kulisse gedient hatte.

          „007 Elements“ heißt die James-Bond-Erlebniswelt auf dem Berggipfel über dem österreichischen Ort Sölden, die am 12. Juli eröffnet wird. Sie ist die erste dauerhafte 007-Ausstellung, die in einem maßgeschneiderten Gebäude untergebracht ist. Entworfen hat es der Architekt Johann Obermoser, der auch das Restaurant „IceQ“ direkt daneben gestaltet hat. Von dem futuristischen Bau dieses Glas-Kubus waren die Bond-Macher in Zusammenspiel mit dem Bergpanorama so nachhaltig beeindruckt gewesen, dass er maßgeblichen Anteil daran hatte, dass der Bergort Sölden in Tirol überhaupt zum Schauplatz des Agentenfilms wurde.

          Die Erinnerungen an den Besuch von 007 alias Daniel Craig im „Ice Q“ und an die Verfolgungsjagd über die Söldener Gletscherstraße werden hier seit Jahren wachgehalten. Der 007-Dreh versetzte den Ort mit seinen rund 4000 Einwohnern in ein Bond-Fieber, das so manchen Touristiker seither nicht mehr verlassen hat. Warum auch: „Allein wegen James Bond kommen mehr Leute“, sagt Jakob Falkner, Chef der Söldener Bergbahnen.

          Mal rund, mal zylindrisch, mal kubisch

          007-Drehorte gibt es viele auf der Welt, aber nur in Sölden entstand nun im Nachgang etwas Bleibendes. Das ist Falkner zu verdanken, der die Partner der Bond-Produktionsfirma Eon Productions von der Idee einer Erlebniswelt überzeugte. Falkner will das 007-Fieber in die nächste Runde verlängern, er will die Welle weiter reiten, von der Sölden seit den Filmaufnahmen profitiert.

          Wer das Gebäude durch das „Kanonenrohr“, eine Art Tunnel, betritt, wird vom „Spectre“-Trailer begrüßt. Rampen leiten den Besucher durch neun Räume in den Berg hinein. Mal rund, mal zylindrisch, mal kubisch: Es dominiert der minimalistische Industrial-Chic aus rohem Beton und schwarzem Stahl – eine Hommage an Sir Ken Adam, den visionären James-Bond-Set-Designer. Wandgroße Bildschirme sowie Licht- und Klanginstallationen mit Knalleffekten sorgen für bondeske Effekte, 007-Gadgets wie die Walther PPK/S mit Handabdruck-Scanner und die Omega Seamaster Laser-Uhr dürfen selbstverständlich nicht fehlen. Scanner und Monitore sind als Einladung zum Experimentieren zu verstehen. „007 Elements‘ ist eine begehbare Choreografie“, sagt Neal Callow, der als Kreativdirektor die Daniel-Craig-Ära geprägt hat.

          Der Architekt Obermoser hat es passend zum Anlass krachen lassen auf dem Gaislachkogl. Der Gipfelbereich des Dreitausenders wurde für den Bau zum Teil abgetragen und anschließend wieder aufgeschüttet. So verschwindet das Gros der 1300 bebauten Quadratmeter im Berg. „Ein bisschen Platz findet sich immer“, sagt Falkner – selbst auf einem Dreitausender. Doch die Höhe hat ihre Tücken: Der Permafrost zum Beispiel erlaubt keine Heizung. Die sieben „Labs“ im Berginneren strahlen archaische Kälte und Finsternis aus. Nur zwei Räume mit Fensterfronten und Panoramablick nehmen sich herzerwärmend aus. Die ortsbedingte Kälte setzt der Kreativität Grenzen: Die leistungsstarke Technologie und die Server sind an eine Temperatur von minus 30Grad angepasst. Zusätzliche Spielereien mit Virtual oder Augmented Reality hat man vorerst nicht gewagt – das Ganze soll ja zuverlässig funktionieren.

          „007 Elements“ kommt dem Wunsch entgegen, den Wintersportort Sölden zu einer Ganzjahresdestination zu entwickeln. 120.000 Besucher wünscht sich Jakob Falkner über das Jahr verteilt in der 007-Installation. Er setze auf den Filmtourismus, der noch mehr Gäste aus Asien in die Ötztaler Alpen locken werde. „Dazu braucht man eine starke Marke.“ Eine wie Bond, James Bond.

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