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Interview mit Jake Gyllenhaal : „Es ist besser gut als nett zu sein“

  • -Aktualisiert am

Jake Gyllenhaal ist der Sohn des Regisseurs Stephen Gyllenhaal und der Produzentin Naomi Foner. Bekannt ist er aus Filmen wie „Donnie Darko“ (2001) und „Prince of Persia“ (2010). Bild: Getty

Jake Gyllenhaal war ein Hollywood-Kind, allerdings kein typisches. Im Interview spricht er über den Film „Nocturnal Animals“, seinen Widerstand gegen Heldenrollen und das Studium des Buddhismus.

          Herr Gyllenhaal, haben Sie vor Ihrem ersten Treffen mit Tom Ford lange überlegt, was Sie anziehen?

          Das war mir vollkommen egal. Ich möchte als Schauspieler gar nicht erst Teil dieser Art von Diskussion sein.

          Welcher Art von Diskussion?

          Ich will nicht über Mode sprechen. Ich glaube an Eleganz und Grazie. Und natürlich kann man in der Mode Schönheit finden. Sie ist ein Teil dessen, wie wir uns kulturell im Lauf der Jahrhunderte definiert haben. Das finde ich interessant. Wenn Ästhetik allerdings zur Obsession wird, habe ich ein Problem. Sich darüber Sorgen zu machen, was Menschen von mir auf Basis meiner Kleidung denken könnten und mich deswegen einer bestimmten Mode anzupassen, das ist mein ultimativer Albtraum.

          Sie leben aber auch nicht gerade einen uneleganten Protest gegen das Diktat der Mode ...

          Ich bin da nicht ganz autonom, das gebe ich zu. Ich kann mich nicht ganz frei davon machen. Und trotzdem gehe ich permanent dagegen an. Ich frage mich: Was bin ich, was macht mir Freude? Wenn ich Freude empfinde, kann ich anderen Menschen Freude machen. Am meisten respektiere ich diejenigen, die dazu stehen, wer sie sind. Dazu muss man heutzutage mutig sein. Eigentlich traurig. Wir sollten in einer Welt leben, in der es einfach ist, sein eigentliches Wesen zu leben.

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          Laut Regisseur Tom Ford geht es in Ihrem neuen Film „Nocturnal Animals“ darum, wie wir, unabhängig von Erwartungen anderer, werden, wer wir sind. Woher nehmen Sie das Selbstbewusstsein, Ihren eigenen Weg zu gehen?

          Das schöpfe ich immer wieder aus dem Bewusstsein, irgendwann zu sterben. Alles was wir tun, gut oder böse, hat Konsequenzen. Es gibt da dieses Zitat aus der Bibel, sinngemäß lautet es: Manchmal ist Eigeninteresse das Selbstloseste, was man tun kann.

          Nächtliche Tiere? Jake Gyllenhaal (Mitte) und Michael Shannon (rechts) in „Nocturnal Animals“.

          Wie interpretieren Sie das?

          Wenn man sich selbst kennt, kann man der Welt helfen. Letztlich ist es das Einzige, was wir tun können. Wir müssen Verantwortung für uns übernehmen, mehr über uns lernen. Wenn ich mich mit jemandem streite, mache ich auch immer gern den anderen dafür verantwortlich. Wenn ich aber genauer darüber nachdenke, wird mir klar, dass ich den anderen nicht verändern kann. Ich kann nur Verantwortung für mein Leben übernehmen. Das ist in der Regel der schwierigere Weg, sich mit mir auseinanderzusetzen. Aber das ist für mich der einzige Weg, um glücklich zu sein.

          Sind Sie glücklich?

          Ich habe mir vorgenommen, auf diese Weise zu leben. Und ehrlich gesagt gelingt es mir nicht immer besonders gut. Das heißt nicht, dass ich aufhöre zu suchen. Manchmal bin ich glücklich. Aber das ist ja kein konstanter Zustand. Ich muss das Glück immer wieder in mir finden. Wenn ich es von anderen Menschen oder Dingen erwarte, wird es nichts.

          Ist die permanente Suche einfacher, weil sie Teil Ihrer Arbeit als Schauspieler ist?

          Genau deswegen liebe ich diesen Beruf so sehr. Er erlaubt mir, auch die dunkelsten Seiten in mir zu suchen und zu durchleben. Ich wünsche mir zum Beispiel nichts weniger, als der Mann zu sein, den ich in „Nocturnal Animals“ spiele.

          Welche Ihrer Rollen wären Sie denn lieber?

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