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Geburtenrate in Italien : Kleine Anregungen zur Zeugung

  • -Aktualisiert am

Junge Demonstranten protestieren in Rom gegen den „Fruchtbarkeitstag“. Bild: dpa

Mit einem „Tag der Fruchtbarkeit“ wollte Italiens Gesundheitsministerin die Geburtenrate des Landes steigern. Für ihre Kampagne erntet sie scharfe Kritik – die sich nicht nur auf Missgriffe bei Plakaten beschränkt.

          Es sollte ein nationaler Tag der Sensibilisierung werden und Italiens junge Eheleute dazu bringen, mehr Kinder in die Welt zu setzen. Stattdessen wurde die Kampagne zum „Tag der Fruchtbarkeit“ am Donnerstag abgesagt und damit zum Reinfall für die Gesundheitsministerin Beatrice Lorenzin, die nach zwei fehlgeschlagenen Plakatkampagnen Hohn und Spott über sich ergehen lassen muss und kurzerhand ihre Pressechefin Danielia Rodorigo in die Wüste schickte. Selbst Ministerpräsident Matteo Renzi distanzierte sich: „Ich wüsste nicht, dass eines meiner befreundeten Paare je Kinder bekommen hat, nachdem es ein Plakat gesehen hat.“

          Erst hatten die Kritiker Lorenzins Ministerium Sexismus vorgeworfen, als das Haus zum Beispiel das Plakat einer jungen Frau mit ablaufender Eieruhr veröffentlichte, darunter der Text: „Schönheit kennt kein Alter – Fruchtbarkeit schon.“ Auf Häme stieß das Plakat mit tropfendem Wasserhahn, unter dem in Erinnerung an das Referendum gegen die Privatisierung der Wasserversorgung zu lesen war: „Fruchtbarkeit ist ein Gemeingut.“ Auch die zweite Kampagne gelang Frau Lorenzin nicht. Ihr wurde Rassismus vorgeworfen, wurde doch das Titelbild der Broschüre zum Fruchtbarkeitstag „Die guten alten Gewohnheiten“ mit dem Foto zweier weißer Pärchen am Meer unterlegt, während „die schlechten“ durch Dunkelhäutige mit Rastalocken und Rauschgift dargestellt wurden.

          „Nicht die Frauen sind daran schuld, dass es so wenig Kinder gibt“

          Die Kritik an der Kampagne beschränkt sich aber nicht auf Missgriffe bei Plakaten und Broschüren. Frau Lorenzin wird vielmehr vorgeworfen, die wahren Probleme für die in Europa mit 1,37 Kindern niedrigste Geburtenrate zu übersehen. „Nicht die Frauen sind daran schuld, dass es so wenig Kinder gibt“, stellt Franca Maino vom Lehrstuhl für Sozialpolitik an der Universität Mailand fest, „sondern ein gegenüber anderen EU-Ländern unzureichendes Sozialsystem.“ Italien investiere weniger als vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts in seine jungen Familien – erheblich weniger als Frankreich oder skandinavische Länder. In Frankreich gebe es Gutscheine für sozial benachteiligte junge Familien, in Deutschland ein gut abgesichertes System für den Vaterschaftsurlaub.

          Längst überholt ist das Klischee der kinderreichen italienischen Familie, bei der unter einem Dach mindestens drei Generationen leben. Wegen des Mangels an Arbeitsplätzen mussten viele junge Familien ihre Eltern im Süden verlassen und nach Norden ziehen. Da dort das Leben teurer ist, brauchen in der Regel beide Ehepartner Arbeit. Die Grundgehälter sind gering, so beginnt zum Beispiel ein Anwalt mit 2000 Euro netto im Monat seine Karriere. Selbst Staatsangestellte wie Lehrer müssen oft weiterhin mit kurzfristigen Prekariats-Verträgen für je ein Schuljahr auskommen.

          Im Mai 2015 hatte Lorenzin das Projekt „Fruchtbarkeitstag“ mit der Notwendigkeit begründet, wegen der zunehmenden Alterung der Gesellschaft gerate das Sozialsystem aus den Fugen, in dem die Jüngeren mit ihren Steuern zu den Renten der Älteren beitragen sollten. Außerdem sei es wichtig, Frauen darauf hinzuweisen, dass ein spät erfüllter Kinderwunsch Gesundheitsrisiken für Mutter und Kind berge. Diese Vorgaben waren seinerzeit kaum kritisiert worden.

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