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Iris Berben : „Eine Sehnsucht, die du nicht benennen kannst“

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Ihr gefällt die Bezeichnung „Fräulein“: Die jung gebliebene Schauspielerin Iris Berben. Bild: Julia Zimmermann

Die schöne starke Grande Dame des deutschen Fernsehens wirkt im Interview quecksilbrig wie ein junges Mädchen: Iris Berben über Widersprüche und Kontrolle, das Alter und Vormittage im Bett.

          11 Min.

          Frau Berben, wir haben Ihr Buch gelesen, das nächste Woche erscheint, und blicken, ehrlich gesagt, immer noch nicht durch: Sind Sie jetzt ein Kontrollfreak oder ein besonders emotionaler Mensch? Nervenbündel oder starke Frau?

          Ich würde mich selbst gar nicht einordnen können. Mit Widersprüchen ist es doch so: Man ist oft beides – oder sogar drei oder fünf Sachen. Sicherlich bin ich ein sehr intensiv empfindender und sehr emotionaler Mensch. Jegliche Kontrolle ist da auch ein Schutzschild, um mich nicht rauschhaft zu verlieren. Ich sage immer: Es ist ganz gut, wenn ich zwischendrin von der Straße bin. Drehen. Um fünf Uhr aufstehen. Du wirst abgeholt. Du wirst angezogen. Du wirst angemalt. Du wirst frisiert. Und du hast einen Zettel, auf dem steht, was du heute reden musst.

          Die Arbeit bewahrt Sie vor dem Strudel der eigenen Gefühle?

          Der Kampf beim Drehen ist ein anderer, weil er innerhalb der Rolle stattfindet. Das ist eine gute Ordnung, in der das Chaos der Fragen - wie ist die Figur richtig, wie nuanciert muss sie sein? - einen festen Rahmen hat.

          Dann gewährt Ihnen die Schauspielerei eine Art Auszeit von Ihnen selbst?

          Ich glaube ja. Es ist ganz schön, wenn der Kopf mal ein paar Minuten aufhört zu denken. Ich möchte manchmal einfach nur blöd glotzen können, einfach irgendwo nur so hingucken in mentaler Erschöpfung. Das mache ich auch. Aber irgendwann fängt’s wieder an …

          Um eine wiederkehrende Frage aus dem Buch aufzugreifen, für das Sie sich ein Jahr lang immer wieder zu Gesprächen mit Ihrem Ko-Autor getroffen haben: Wo stehen Sie gerade?

          Ich bin neugierig, aber auch ein bisschen verunsichert, was durch die Veröffentlichung auf mich zukommt, weil ich mich doch wieder sehr nackt gemacht habe. Beim Filmen ist das Teil meiner Arbeit. Aber hier habe ich es freiwillig getan.

          Warum? Sie sind 62, Präsidentin der Filmakademie, eine der erfolgreichsten und beliebtesten Schauspielerinnen Deutschlands: Geht es um Selbstanalyse? Um Eitelkeit?

          Da suche ich noch eine Antwort. Ich stelle mir selbst ständig Fragen und mache meine Analysen. Aber es ist nicht schlecht, wenn du jemanden hast, der dir die Vorlagen dazu liefert. Das hat mir gutgetan. Es war eine Form, durch die ich mich selbst in eine Form bringen musste. Als das Buch fertig war, habe ich richtig gemerkt, wie mir das fehlt. Aber mit Sicherheit ist auch eine dicke Portion Eitelkeit dabei. Warum präsentiert man sich sonst nach draußen? Ich mache meinen Beruf jetzt über vierzig Jahre und denke häufig, wenn ich es mir hätte aussuchen können, hätte ich es am liebsten gehabt, dass nur meine Arbeit beurteilt, zertrampelt oder gestreichelt wird.

          Dafür hätten Sie einen anderen Job wählen müssen.

          Weiß ich gar nicht. Die Branche hat dieses Marktschreierische - als würde der Inhalt nicht reichen, um ein Produkt zu verkaufen, weshalb die Verpackung Aufmerksamkeit erregen soll. Aber es gibt Kollegen wie Götz George und Corinna Harfouch, die sich dem konsequent verweigern. Das geht schon. Nur habe ich den Zeitpunkt für diese Entscheidung damals gar nicht wahrgenommen. Die Frage hat sich mir erst Jahre später gestellt.

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