https://www.faz.net/-gum-a3shq

Iranische Frauenrechtlerin : Sotudeh beendet nach 45 Tagen Hungerstreik im Gefängnis

  • Aktualisiert am

Nasrin Sotudeh im Dezember 2010 Bild: dpa

Weil die iranische Regierung fast 90.000 Gefangene wegen der Gefahr des Coronavirus freigelassen, politische Häftlinge von der Maßnahme aber ausgenommen hatte, war die Frauenrechtlerin in den Hungerstreik getreten.

          1 Min.

          Die inhaftierte iranische Frauenrechtlerin und Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotudeh hat nach mehr als 45 Tagen ihren Hungerstreik beendet. „Ihr Körper war nicht mehr in der Lage, den Streik fortzusetzen“, sagte Sotudehs Ehemann Resa Chandan am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. Sie habe Angst gehabt, dass sich ihre Herzkrankheit verschlimmern könnte.

          Die Anwältin hatte mit dem Hungerstreik gegen den mangelnden Schutz für politische Häftlinge vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus protestiert. Wegen der Ansteckungsgefahr hatte die iranische Führung fast 90.000 Gefangene vorläufig freigelassen. Politische Häftlinge waren von der Maßnahme aber ausgeschlossen.

          Vergangene Woche war die 57-jährige Sotudeh in ein Teheraner Krankenhaus eingeliefert worden, weil sie nach Angaben ihres Ehemannes sehr viel Gewicht verloren habe und „ernsthaft geschwächt“ sei. Am Mittwoch sei sie dann „ohne jeglichen medizinischen Eingriff“ wieder zurück ins Gefängnis gebracht worden. „Wegen ihrer Herzprobleme hatte ich erwartet, dass man sie zumindest in die Gefängnisklinik verlegen würde“, sagte Chandan.

          Sotudeh war vergangenes Jahr wegen angeblicher Beleidigung des Revolutionsführers und Spionage zu 33 Jahren Haft und 148 Stockschlägen verurteilt worden. Die Anwältin hat unter anderem Frauen vertreten, die gegen die Kopftuchpflicht im Iran protestierten. Sie war auch für Journalisten, Oppositionelle und Dissidenten wie Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi tätig. 2012 wurde Sotudeh mit dem Sacharow-Preis des Europaparlaments ausgezeichnet.

          Weitere Themen

          Warum der Norden einen Sonderweg geht

          Corona-Beschlüsse : Warum der Norden einen Sonderweg geht

          Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern machen nicht bei allen neuen Corona-Beschlüssen mit. In einem Punkt geht Kiel sogar bundesweit einen Sonderweg. Wie begründet Ministerpräsident Günther die Entscheidung?

          Topmeldungen

          Zwischen Angst und Wut: Unter den Demonstranten in Thailand sind viele junge Frauen, die sich von den Traditionen ihrer Eltern abwenden.

          Proteste gegen Rama X. : Thailands König entzweit Familien

          Die junge Thailänderin Nan demonstriert in Bangkok für eine Einschränkung der königlichen Rechte. Sie will nicht vom reichsten Monarchen der Erde regiert werden. Ihre Eltern aber wollen nicht an den Traditionen rütteln.
          Lange Schlangen vor den Supermärkten sind auch vor Weihnachten wieder zu erwarten.

          So reagiert der Handel : Lange Schlangen und gähnende Leere befürchtet

          Wenige Wochen vor dem Weihnachtsfest hat die Bundesregierung die Corona-Maßnahmen noch einmal verschärft – sehr zum Ärger des hiesigen Handels. Gerade Supermärkte haben für die Regeln nur wenig Verständnis.
          Schwierige Partner: Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen

          Polens Außenminister : Die EU-Verträge sind heilig

          In Europa gilt das Einstimmigkeitsprinzip. In den Regelungen für die Corona-Hilfe soll das nun rechtswidrig umgangen werden. Polen muss mit einem Veto drohen, um einen drohenden Vertragsbruch abzuwenden. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.