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Interview zur Spaßreligion : „Das Nudelsieb ist doch nur ein Symbol“

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Der Österreicher Niko Alm mit ungewöhnlicher Kopfbedeckung Bild: dpa

Der Österreicher Niko Alm, ein Anhänger der Spaßreligion „Kirche des fliegenden Spaghettimonsters“, hat es im katholischen Österreich mit Nudelsieb auf dem Kopf auf sein Führerscheinfoto geschafft.

          Guten Tag, Herr Alm, kann man jetzt endlich zum Führerschein gratulieren?

          Ja, danke. Am Dienstag habe ich den Schein im Verkehrsamt der Bundespolizeidirektion Wien ausgehändigt bekommen, zweieinhalb Jahre nach meinem Antrag.

          Kein Wunder, dass Sie so lange auf Ihren Führerschein warten mussten. Schließlich sind Sie auf dem Bild mit einem Nudelsieb auf dem Kopf zu sehen.

          Aber warum sollte eine besondere Kopfbedeckung nur bestimmten religiösen Gemeinschaften zustehen? Ich bin bekennender Religionsfreier, agnostischer Atheist: Warum sollte nicht auch ich dieses Sonderrecht bekommen?

          Ein Symbol seiner religiösen Überzeugung: Der bekennende agnostische Atheist Niko Alm aus Österreich mit Ikeasieb auf dem Kopf

          Hat denn das Nudelsieb in Ihrer atheistischen Religionsgemeinschaft eine rituelle Bedeutung?

          Nein, das war doch nur ein Symbol. Es ist ein handelsübliches Ikea-Modell. Ich wollte einen Präzedenzfall schaffen.

          Und, ist Ihnen das gelungen?

          Ja, sogar die Boulevardmedien verstehen mein Anliegen.

          Nun teilt das Verkehrsamt mit, da das Gesicht auf dem Foto frei erkennbar sei, habe man es nicht ablehnen können. Wie begann denn Ihr Rendezvous mit dem Verkehrsamt?

          Ende 2008 habe ich dort meinen Antrag auf den neuen Scheckkarten-Ausweis gestellt. Ich hatte das Nudelsieb damals auch auf dem Kopf, damit mein Antrag schlüssig war. Der Beamte nahm die Papiere wortlos an. Kurz darauf bekam ich einen Anruf, das mit dem Foto sei nicht möglich. Und ich bekam für Anfang 2009 eine Einladung zum Amtsarzt, der feststellte, dass ich „psychisch befähigt“ bin, ein Auto zu führen. Nach langer Verzögerung ging es dann. Aber ich wurde nicht benachrichtigt, sondern erfuhr durch Zufall, dass der Führerschein schon auf dem Amt lag. Aus den Angaben auf dem Ausweis ergibt sich, dass er schon am 12. Oktober 2009 ausgestellt wurde.

          Das Nudelsieb verweist natürlich symbolisch auf die Religionsparodie „Kirche des fliegenden Spaghettimonsters“, der sie angehören. Und jetzt wollen Sie den im Jahr 2005 von dem amerikanischen Physiker Bobby Henderson begründeten „Pastafarianismus“ in Österreich als Religionsgemeinschaft anerkennen lassen.

          So ist es.

          Nun schreitet die Säkularisierung der Gesellschaft, auch in Österreich, ohnehin rasant fort. Warum wollen Sie da noch mit solchen Aktionen nachhelfen?

          Uns geht das nicht schnell genug. Wir wollen aktiv gegen Privilegien aufbegehren. Der Staat gibt allzu viel Geld für die Kirche aus, zum Beispiel über Steuererleichterungen oder die Finanzierung von Religionslehrern und Theologischen Fakultäten.

          Haben Sie selbst ein religiöses Trauma erlitten?

          Nein, ich bin römisch-katholisch getauft, das war alles normal. Ich habe mich aus freien Stücken für den Atheismus entschieden.

          Die Fragen stellte Alfons Kaiser

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