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Wieland Backes im Gespräch : „Meine Frau sagt, ich sei oft peinlich“

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Ruhige Stimme, hartnäckiges Kommando: Wenn Wieland Backes fragt, antworten seine Gäste. Seine Methode: „In Sachen harmlos wirken bin ich ziemlich perfekt.“ Bild: Kaufhold, Marcus

Moderator Wieland Backes hört mit seinem „Nachtcafé“ auf – nach mehr als 27 Jahren. Vieles hat sich in dieser Zeit verändert, seine Talkshow jedoch kaum. Ein Gespräch über gute Gespräche.

          Auf dem langen Esstisch liegt ein dicker Packen bunter Karteikarten, gebündelt mit einem Gummi. Hier bei dem Italiener in Ludwigsburg bereitet sich Wieland Backes wie jede Woche auf die Aufzeichnung seiner Talkrunde „Nachtcafé“ am Abend vor. Gerade hat er noch mal mit seiner Redaktion die Moderation durchgesprochen. Er bestellt sich einen Espresso.

          Backes hat etwas von einem gemütlichen Dinosaurier: Er ist der dienstälteste Talkshow-Moderator der Republik, „Grand Seigneur“, „Gentleman“, „Niveau-Talker“ wurde er genannt. Seit 1987 führt er freitagabends im SWR mit ruhiger Stimme und hartnäckigem Kommando Gäste durch seine Diskussionsrunden mit Themen wie „Worauf es im Leben ankommt“, „Wie gelingt Trennung?“, „Leben mit der Ungewissheit“. Am 12. Dezember tritt er nun zum letzten Mal auf; am 9. Januar fängt schon der Neue an, mit Ex-ZDF-Sportmann Michael Steinbrecher zieht die Sendung nach Baden-Baden.

          Backes hat schon vor einem Jahr angekündigt, dass er mit dem „Nachtcafé“ aufhört, dennoch: Später bei der Probe wird die Abschiedsstimmung spürbar sein, alte Mitarbeiter werden kommen, um noch mal dabei zu sein. Das Setting dort ist seit 27 Jahren unverändert: blaue Art-déco-Neonschrift, schwarze Ledersessel für die Gäste, späte Achtziger eben – dazwischen Backes mit seinem grauen Schnauzer. Das Thema seiner letzten Sendung ist für ihn programmatisch: „Happy End“.

          Herr Backes, wir sitzen in einem Restaurant am Tisch, wie viele jetzt im Dezember anlässlich Firmenfeiern oder Familienessen. Wie kommt man da gut ins Gespräch?

          Hm, wie würde ich ein Gespräch mit Ihnen eröffnen? Vielleicht würde ich sagen: „Sie sehen aus wie eine Frau, die in den überwiegenden Teilen ihres Lebens glücklich gewesen ist.“

          Soso, sofort mittenrein – Suggestivfrage plus harmloser Blick.

          Genau – und dann können Sie sich dazu positionieren. Eine kleine Provokation. Dann kommt entweder: „Sie wissen nicht, wie schwer ich es gehabt habe!“ Oder: „Stimmt – und zwar deswegen und deswegen.“

          Ist Ihr Harmlos-Tun eine Methode, um nicht aggressiv rüberzukommen?

          In Sachen harmlos wirken bin ich ziemlich perfekt. Manche halten mich für einen Träumer. Auf jeden Fall bin ich ein Romantiker.

          Das ist mit Blick auf die Themenliste Ihrer Sendung kaum zu übersehen.

          Sie kennen doch den Satz von Monika Maron: „Man kann im Leben nichts versäumen als die Liebe.“ Aber wenn Sie mich deswegen für einen Womanizer halten, muss ich Sie enttäuschen.

          Als Moderator der SWR-Talkrunde „Nachtcafé“ fragten Sie nun über 27 Jahre lang – die anderen antworteten. Wie oft passiert es Ihnen privat, dass Unterhaltungen einseitig bleiben?

          Zu einem guten Gespräch gehören Balance und beidseitige Offenheit. Gerade wenn es um schwierige Themen geht. Nehmen Sie das typische Beispiel Beziehungsfragen: Da werden Sie von Ihrem Gegenüber nur etwas Authentisches erfahren, wenn Sie auch selbst etwas von sich preisgeben. Vielleicht sogar in Vorlage gehen und etwa signalisieren, dass Sie aus eigener Erfahrung wissen, was eine Krise ist.

          Wann ist ein Gespräch ein gutes Gespräch?

          Ein gutes Gespräch setzt die Bereitschaft zum Zuhören voraus. Das ist die Grundbedingung. Und man muss gewillt sein, den Gesprächsfaden weiterzuspinnen. Die Ohren sind dafür wichtiger als der Mund. Momentan bin ich wegen Überlastung bei manchen privaten Runden zwar eher ein Ausfall. Aber wenn ich mich mit jemandem treffe, versuche ich die Argumente des Gesprächpartners aufzugreifen und dabei nicht dogmatisch zu sein. Gerne provoziere ich auch ein bisschen.

          Die Aufzeichnung der letzten Folge: Wieland Backes mit Harald Schmidt und Designerin Ute Patel-Mißfeldt

          Was meinen Sie damit?

          Wenn etwa ein Politiker Teil einer heterogenen Gästerunde ist, gelten politische Themen oft als Tabu. Ich sage dann aber gerne mal: „Ihnen ist schon klar, dass Sie nächstes Jahr nicht mehr gewählt werden!“ Einfach, um das Eis zu brechen. Natürlich ist es etwas anders, mit einem Freund über seine Beziehungsprobleme zu reden als in einer großen Gästeschar über Gott und die Welt und die Euro-Krise.

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