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Til Schweiger im Gespräch : „Ich glaube, dass Seelen unterwegs sind“

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Regisseur und Schauspieler Til Schweiger: „ Ich bin kein Workaholic; mir fallen nur zu viele Sachen ein, die ich machen will.“ Bild: © Stephan Pick /ROBA Images

Til Schweiger hat einen Film gedreht – über Demenz. Im Interview spricht der Schauspieler und Regisseur über Gotteszweifel, seinen Vater und das Vergessen.

          8 Min.

          Als Til Schweiger seinen ersten eigenen Film machen wollte, hielten ihn alle für verrückt oder naiv oder beides auf einmal. Erst recht, als er darauf bestand, dass Drehbuchautor Thomas Jahn, damals noch hauptberuflich Taxifahrer, auch Regie führen sollte. „Knockin’ on Heaven’s Door“ wurde ein Millionen-Erfolg. Der Rest ist deutsche Filmgeschichte. Von nun an führte Schweiger selbst Regie, seit „Keinohrhasen“ so erfolgreich wie kaum ein anderer. Gleichzeitig polarisiert der 51-Jährige wie wenige seiner Kollegen. Je mehr sich die Kritiker an ihm reiben, desto kompromissloser zieht er Projekte durch. In seiner neuen „Dramödie“ mit dem Titel „Honig im Kopf“ (ab 25. Dezember im Kino) muss eine Familie lernen, mit der Alzheimer-Erkrankung des Großvaters umzugehen. Treffpunkt für unser Gespräch ist eine zum Hotel umgebaute ehemalige Fabrik auf einem historischen Industriegelände im bodenständigen Hamburger Arbeiterviertel Bahrenfeld.

          Haben Sie über Ihr Interesse als Filmemacher hinaus einen persönlichen Bezug zum Thema Alzheimer?

          Der Vater einer Bekannten von mir ist an Demenz gestorben. Und die hatte ursprünglich die Idee zu diesem Film. Ich kenne mehrere Menschen im näheren Umfeld, die demente Angehörige in der Familie haben. Und mein Großvater ist auch an Demenz gestorben. Ich war damals im vorletzten Jahr der Schauspielschule. Und ich habe ihn mit meiner damaligen Freundin in den Sommerferien gepflegt. Damals redete man noch nicht von Alzheimer. Da hieß es einfach nur, der ist verrückt.

          Wie haben Sie das erlebt?

          Ich erinnere mich, dass wir vor allem sehr viel mit ihm gelacht haben, weil er wahnsinnig viele lustige Sachen gemacht hat. Eigentlich war es trotz der Krankheit eine schöne Zeit. Einige dieser Geschichten sind auch im Film gelandet.

          Wie kam es dazu, dass Sie ihn gepflegt haben?

          Weil meine Eltern mich gefragt haben, ob ich das machen würde, und ich war einverstanden. Meine Freundin ist dann halt mitgekommen. Wir waren die ganze Zeit zu dritt. Ein dreiviertel Jahr später ist er dann mit neunundachtzig Jahren gestorben.

          Die Anlage zu dieser Krankheit ist erblich. Welche Rolle spielt diese Tatsache für Sie?

          Im Zuge des Drehbuchschreibens und des Recherchierens habe ich schließlich auch einen Test gemacht. Das war ein sogenannter Alzheimer-Früherkennungs-Test. Und der war nicht auffällig. Insofern bin ich jetzt erst einmal beruhigt. Aber das heißt ja jetzt nicht, dass ich es nicht trotzdem kriegen kann. Umgekehrt heißt es auch nicht, dass jemand, der nicht erblich vorbelastet ist, nicht dement werden kann. Es kann jeden erwischen.

          Der Film ist unter anderem auch eine Vater-Sohn-Geschichte. Was für ein Verhältnis haben Sie zu Ihrem Vater?

          Ich liebe meinen Vater. Und er war für mich immer eine Respektsperson. Er konnte relativ streng sein, obwohl er gleichzeitig sehr großzügig war. Aber im Alter ist er immer weicher geworden, weicher, als er es früher war. Es gibt im Film eine Szene, in der der Sohn am Bett des Vaters sitzt, und der sagt ihm: Ich liebe dich. Und diese Szene habe ich geschrieben, weil mir mein Vater das vor zwei Jahren zum ersten Mal überhaupt gesagt hat.

          Wie haben Sie darauf reagiert?

          Ich habe ihm gesagt: Ich bin jetzt achtundvierzig Jahre alt, und dusagst mir das zum ersten Mal. Das ist jetzt keine Kritik, denn ich freue mich ja darüber. Und ich habe es ja auch gespürt. Ich habe mich nie ungeliebt gefühlt oder darunter gelitten. Ich kannte es ja nicht anders. Aber es ist nun einmal etwas ganz anderes, wenn man es dann auch ausspricht. Es hat lange gedauert, aber immerhin. Ich habe mich darüber gefreut. Viele Menschen meiner Generation hören das gar nicht von ihren Vätern. Denn es war einfach eine andere Zeit. Ich habe meinen Kindern pausenlos gesagt, dass ich sie liebe.

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