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Smudo und sein größter Fan : „Es ist eine Sucht, aber ich hab’ sie im Griff“

Der Frontmann der Fantastischen Vier und sein Hardcore-Fan: In seinem Berliner Hotel trifft Smudo auf Andreas Sartorius, dessen T-Shirt auf den Fanta-4-Hit „Troy“ anspielt. Bild: Andreas Pein

Rapper Smudo steht seit 26 Jahren mit den Fantastischen Vier auf der Bühne, Andreas Sartorius fast ebenso lang immer in der ersten Reihe. Wie nah kann ein Fan seinen Idolen wirklich kommen? Wir haben beide zum Gespräch gebeten.

          8 Min.

          Soeben haben die Fantastischen Vier ihre neue Fanbox herausgebracht: CDs, DVD, Vinylplatten und ein Fotobuch für schlappe 211 Euro. Sie, Herr Sartorius, haben von der Band eine geschenkt bekommen. Hätten Sie sich sonst selbst eine gekauft?

          Jörg Thomann
          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sartorius: Ohne Zweifel. Die Fantas hatten so ein fettes Sammelding ja auch noch nie.

          Smudo (steht auf): Dieses lapidare „schlappe 211 Euro“ lass’ ich so nicht stehen. Wo ist die Kiste?

          Sartorius: Das würde ich so aber auch nicht stehenlassen.

          Smudo (kommt mit der Box wieder): Es ist sehr gefährlich, solche Boxen zu machen, weil man sich dem Abzockverdacht aussetzt. Wir haben uns aber ganz viel Mühe gegeben: Das ist Echtholz (klopft drauf). Humidor. In der Sammelboxwelt ist das normalerweise bestenfalls Kunststoff. Hier ist ein Bandana (holt das Tuch heraus), übersät mit kleinen, feinen Fanta-4-Symbolen, man kann es als Einstecktuch benutzen, als Aushängetuch oder um sich seinen Schrein zu bauen. Die gemeine Best-of ist für den Massenmarkt: Wenn jemand 15 ist, in „The Voice“ zwei von den Fantas sieht und sich denkt, das ist eine lustige Band, dann kauft er sich die. Nicht der Herr Sartorius, der ist kein Best-of-Konsument. In der Box gibt es alle Titel als Seven-Inch-Pressung. Man kann sie abspielen, aber es ist ebenfalls eher schreinartig gedacht. In dem Fotobuch gibt es garantiert bisher unveröffentlichte Bilder aus dem Privatfundus. Von Herrn Sartorius ist auch eins dabei. Ich finde, das ist sein Geld wert. Also nicht für schlappe, sondern nur für 211 Euro.

          Sartorius: Abgesehen vom Buch und vielleicht dem Film, bietet es für mich nichts Neues. Ich hätte sie mir trotzdem gekauft - der Vollständigkeit halber.

          Die Fantastischen Vier gibt es unter diesem Namen seit 26 Jahren. Sie sind seit 22 Jahren als Fan mit dabei.

          Sartorius: Fast 23!

          Was genau fasziniert Sie an gerade dieser Band?

          Sartorius: Eigentlich haben sie mich schon beim allerersten Konzert aber so was von abgeholt. Sie kamen mit so einer Pyro-Monster-Explosion auf die Bühne, und ich war sofort geflasht. Das hat bis heute gehalten, weil sie sich immer noch steigern.

          Abgeholt wurden Sie im Wortsinn - denn Sie kamen nur dank eines Gästepasses hinein. Was war damals los?

          Sartorius: Ich hatte kein Ticket. Ich hatte mich morgens spontan entschlossen, zum Konzert zu fahren: Berufsschule ist blöd, die Fantas sind besser. Ich hatte gedacht, man geht da einfach hin wie ins Kino, aber es war ausverkauft. Dann kam ein Reisebus, die Fantas stiegen aus und quatschten mit den vielleicht 20 Fans, die da rumstanden, fast nur Mädchen - und ich. Einige hatten ebenfalls keine Karten, und Smudo persönlich hat Tickets verkauft.

          Smudo: Verkauft? Daran erinnere ich mich gar nicht mehr.

          Sartorius: Du hattest so ein hübsches Täschchen, das man sich umschnallt...

          Smudo: Ein Hip-Bag!

          Sartorius: Und daraus hast du die Tickets für 10 Mark verkauft: Hier, Mädel, da, Mädel...

          Smudo: Eine Frechheit von mir.

          Sartorius: Ich habe mich schön hinten angestellt, doch als ich dran war, hattest du keine Tickets mehr. Ich dachte mir, okay, jetzt fährst du wieder heim. Ich war ja zu dem Zeitpunkt kein Fan, es war nur ’ne Alternative zur Berufsschule. Dann haben mich aber die Mädels ausgelacht, und du hast gesagt: Bleib mal hier, ich komm’ gleich wieder. Und er kam wieder mit dem Gästepass.

          Smudo: Jetzt weiß ich wieder, warum ich so drauf war. Das war die „Sonne rein“-Tour, und zu der Zeit sind wir eine richtige Teenie-Band gewesen - und haben darunter echt gelitten. Und mit Sartorius stand da endlich mal ein Kerl als Fan. Ich versuche immer gern, den ganzen Tamtam rund um die Fantas zu versachlichen und so normal wie möglich zu sein. Ich glaube nicht, dass man arrogant wird, wenn man populär ist, sondern dass man schon jemand ist, der zur Arroganz neigt, und das sieht man halt, wenn man populär ist. Ich hab eine Bäckerin bei mir nebenan, die ist arrogant.

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