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Gespräch über Schiffsknoten : „Sicher ist der Knoten nicht“

Das Logo des diesjährigen G20-Gipfels in Hamburg zeigt einen Kreuzknoten. Bild: dpa

Jochen Garrn ist Segeltrainer. Mit Schiffsknoten kennt er sich bestens aus. Hier spricht er über das Logo des diesjährigen G-20-Gipfels.

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          Herr Garrn, Sie sind Seemann und haben das „Handbuch für Decksleute auf Traditionsseglern“ geschrieben. Am 7. und 8. Juli findet in Hamburg der G-20-Gipfel statt. Das Gipfellogo zeigt einen Schiffsknoten.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Es ist ein Kreuz- oder Reffknoten, den man schon in der Antike kannte. Inzwischen gilt er als der unsicherste Knoten, den es gibt. Heute haben wir vor allem Kunststofftauwerk. Das wird schnell glitschig. Entweder arbeitet sich der Knoten bei wechselnder Belastung leicht auf. Oder er ist nicht mehr zu lösen, wenn er scharf angezogen wird.

          Wozu benutzt man den Kreuzknoten?

          Auf Segelschiffen wurde er beim Reffen der Segel genutzt, wenn also ein Teil des Segels an der Rahe festgebunden wurde. Heute dient er schlicht dazu, zwei Leinen zu verbinden. Bei großen oder wechselnden Lasten sollte man ihn nicht verwenden. Allerdings wird er ohnehin zumeist anders genutzt, als es das G-20-Logo zeigt. Wir sagen, er wird auf Slip gelegt. Das ist wie bei einer Schuhschleife, die man schnell wieder aufkriegt. Das lose Ende wird nicht ganz durchgezogen, sondern als Schlinge durchgesteckt. So kann der Knoten an dem herausragenden Ende leicht geöffnet werden, wenn man dran zieht.

          Segeltrainer Jochen Garrn
          Segeltrainer Jochen Garrn : Bild: Privat

          Wie viele Schiffsknoten gibt es?

          Es gibt drei, vier Basisknoten. Alle anderen sind Variationen. Manche Knoten sind unter verschiedenen Namen bekannt. Der Schotstek beim Segeln ist beim Technischen Hilfswerk der Hinterstich und bei den Pfadfindern der Weberkreuzknoten. In jedem Fall gilt eine Dreierregel: Er muss sicher sein, leicht zu machen und schnell zu lösen.

          Haben unterschiedliche Knoten auch unterschiedliche Funktionen?

          Ja. Seit bekannt ist, dass der Kreuzknoten nicht sehr sicher ist, wird vor allem der Schotstek verwendet, am besten als doppelter Schotstek. Den Schotstek braucht man, wenn ein Seil gleichmäßig einer hohen Belastung ausgesetzt ist. Wechselbelastung hält er auch aus, wenn er sorgfältig geknotet ist. Ansonsten nimmt man bei wechselnden Belastungen, etwa wenn das Schiff geschleppt wird, den Trossenstek. Eine Variation des Schotsteks ist der Palstek. Den knüpft man buchstäblich im Handumdrehen. Mit dem Palstek wird eine feste Schlaufe geknotet. Knoten und Schlaufe werden zum Festmachen der Schiffe benötigt. Der Palstek heißt auch Rettungsknoten, weil er gebraucht wird, wenn ein Mann über Bord geht und per Seil aus dem Wasser gezogen wird.

          Wozu gibt es so viele Variationen?

          Im Zweifelsfall kommt man mit wenigen Knoten aus. Aber entsprechend der Anwendung muss auch variiert werden. Und auf einem Schiff gibt es viele verschiedene Anwendungen. Wenn man etwa auf der Rah steht, steht man auf einem Tau. Damit man da nicht wegrutscht, werden in gewissen Abständen Knoten draufgesetzt. Oder der Handlauf aus Tauen am Steg zwischen Schiff und Land: Das Tau wird durch die Stützen geführt und jeweils mit einem Knoten gesichert. Solche Knoten wurden früher besonders hübsch gemacht. Da sind wir bei den Zierknoten.

          Zierknoten?

          Das sind hübsch gemachte Gebrauchsknoten. Die Tradition ist bei der englischen Marine entstanden. Damit konnten Seeleute zeigen, dass sie ihr Handwerk verstehen. Die Griffe an den Seekisten etwa waren aus Tauwerk und mussten besonders schön geknotet sein, weil jeder sie sehen konnte.

          Was macht einen Knoten schön?

          Symmetrie. Wenn das Muster gefällig ist, ob nun als Kreuz oder als besonders runder oder flacher Knoten. Mitunter erkannte man an den Zierknoten, wer auf welchem Schiff fuhr. Solche Knoten wurden als Ring am Arm oder an den Fußfesseln getragen. Viele Schiffe hatten eigene Zierknoten.

          Ist es heute noch von Bedeutung, sich mit solchen Knoten auszukennen?

          Beim Segeln unbedingt. In den Segelschulen lernt man die wichtigsten Knoten, aber erst auf Reisen erfährt man etwas über die nicht so gängigen. Wir haben ja noch viele Traditionssegler. Wer da mitsegelt, lernt je nach Schiffstyp viele Gebrauchsknoten kennen.

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