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Hollywoodstar im Gespräch : „In Europa wurde ich erwachsen“

Ich bin in Los Angeles aufgewachsen, und irgendwann hat mir nicht mehr gefallen, wie sich die Stadt verändert. Außerdem wollte ich mich lieber auf eine andere Art von Film konzentrieren, als es die Hollywood-Studios tun. Ich habe nichts gegen Hollywood. Ich wollte einfach nicht mehr in Los Angeles leben, also bin ich in die Berge gezogen.

Ihr neuer Film „Der Moment der Wahrheit“ basiert auf wahren Begebenheiten. Sie spielen den prominenten Fernsehjournalisten Dan Rather, der seinen Posten verliert, nachdem der Wahrheitsgehalt einer Enthüllungsgeschichte in seiner Sendung über den damaligen Präsidenten George W. Bush angezweifelt wird. Trauen Sie selbst den Medien?

Bis zu einem gewissen Grad. Sie sind sicher nicht perfekt, und manchmal liegen sie daneben. Und weil sie ihren Wettbewerbern voraus sein wollen, kommt es vor, dass sie sich zu weit aus dem Fenster lehnen und die Fakten nicht ausreichend prüfen. Das ist ein Problem. Andererseits ist es immer noch besser, als gar keinen Journalismus zu haben.

Die Voreingenommenheit von Medien spielt in dem Film eine große Rolle. In Amerika heißt es ja oft, Medien hätten überwiegend eine Neigung zu linksliberalen Positionen. Stimmen Sie zu, oder halten Sie das für einen Mythos?

Ich weiß es nicht, aber ich denke, Voreingenommenheit gibt es in beide Richtungen. Ich persönlich finde es jedenfalls schwer, zu akzeptieren, wenn jemand für sich reklamiert, „fair und ausgewogen“ zu sein, aber in Wahrheit eine Ideologie verkauft.

Sie spielen auf den Kabelsender Fox News an, dessen Slogan „Fair and balanced“ lautet. Ihr Film zeigt auch, wie schnell sich im Internet Wut zusammenbrauen kann und zu wie viel Bösartigkeit sich die Menschen hinreißen lassen.

Ich halte das Internet für eine zweischneidige Sache. Einerseits ist es gut, dass im Internet mehr Menschen ihrer Stimme Gehör verschaffen können. Aber viele Menschen reden Blödsinn oder sagen Dinge, die nicht von Fakten gedeckt sind. Ich frage mich, woher die Öffentlichkeit bei diesem Stimmengewirr noch akkurate Informationen bekommen kann. Als ich jünger war, hatten wir nur Dan Rather und ein paar andere im Fernsehen. Man verbrachte als Zuschauer viel Zeit mit einem einzelnen Gesicht, ohne große Ablenkung. Jetzt sieht man viele verschiedene Köpfe nebeneinander, alle reden schnell und geben Phrasen von sich. Und womöglich gibt es unten am Bildschirm ein Laufband, das etwas ganz anderes sagt. Das kann einen schizophren machen.

Stimmt es, dass Sie selbst kein Smartphone haben?

Ja, ich habe nur ein einfaches Klapphandy, und ich habe auch keinen Computer. Ich finde es unglaublich, wie fixiert die Leute auf ihre Geräte sind. Gehen Sie in New York doch einmal drei Blocks und zählen, wie viele Leute auf das Gerät in ihrer Hand starren, anstatt die Welt um sich herum anzusehen.

Im letzten Präsidentschaftswahlkampf haben Sie Obama unterstützt. Sind Sie zufrieden mit seiner Arbeit, nun, da seine Amtszeit dem Ende zugeht?

Ich denke, er hat das Bestmögliche getan. Man kann nicht perfekt sein und alles erreichen, was man sich vornimmt, weil es das System nicht erlaubt. Er hat den Fehler gemacht, zu glauben, er könnte diese parteiübergreifende Figur werden, die beide Seiten zusammenbringt. Aber das ist heute unmöglich. Auf der konservativen Seite gibt es extreme Kräfte, die alles bekämpfen.

Was sagen Sie zum laufenden Wahlkampf?

Es ist wie ein Karneval, und es ist deprimierend. Trump ist verrückt und egozentrisch. Ich muss ihm aber lassen, dass er mit seiner Art auch etwas Nützliches getan hat. Er hat die anderen Kandidaten als Leichtgewichte entblößt, die immer versuchen, das Richtige zu sagen. Das hatte einen gewissen Wert. Aber alles andere an ihm ist lächerlich.

Man kennt Sie als Strahlemann, Sie haben aber auch was Grüblerisches.

Das liegt wahrscheinlich an meinen keltischen Wurzeln. Meine Familie hatte eine eher düstere Art. Es gab einen Hang, skeptisch zu sein und anderen nicht so leicht über den Weg zu trauen.

Nicht alle Filme, die Sie in jüngster Zeit gemacht haben, sind bei Kritikern gut angekommen. Stört Sie das?

Das kümmert mich wenig. Kritiker haben oft Vorurteile. Manchmal liegen sie richtig, manchmal aber auch nicht. Mir ist nur wichtig, dass Filme veröffentlicht werden. Und dann kann das Publikum entscheiden.

Ist es noch ein Traum von Ihnen, einen Oscar als bester Schauspieler zu gewinnen?

Nein, das war es nie und wird es nie sein.

Das Gespräch führte Roland Lindner.

Zur Person: Geboren 1936 in Santa Monica, Kalifornien. Gehört zur „Hollywood royalty“ seit den frühen siebziger Jahren - obgleich er Abstand zum Film- Establishment hält. Berühmt geworden in einer Reihe von Klassikern, darunter „Zwei Banditen“, „Der Clou“, „So wie wir waren“ und „Die drei Tage des Condor“. Später festigten Filme wie „Die Unbestechlichen“, „Jenseits von Afrika“, „Der Pferdeflüsterer“ und „Ein unmoralisches Angebot“ seinen Rang als Superstar. Einen Oscar bekam er allerdings nicht als Schauspieler, sondern als Regisseur für den Film „Eine ganz normale Familie“ von 1980. Gründer des Sundance Institute, das jedes Jahr ein Filmfestival mit Independent-Produktionen veranstaltet. Aktuell im Kino: „Der Moment der Wahrheit“ startet am 2. Juni.

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