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Sonsee Neu : „Ich bin wie meine Figur: Ich mache was mit, aber wenn’s reicht, dann reicht’s“

Feuer fürs Theater fing sie als 10-jährige Waldorfschülerin: „Dort hatte ich die Hauptrolle und beim Spielen ständig Gänsehaut.“ Sonsee Neu Mitte Dezember in Berlin. Bild: Andreas Pein

In Kürze läuft die neue Staffel von „Pastewka“ an. Da steht meistens der Titelheld im Mittelpunkt, weshalb wir zur Abwechslung mal mit Filmfreundin „Anne“ gesprochen haben. Sonsee Neu spricht über Dödel, Lachflashs und große Schnitte im Leben.

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          Frau Neu, ohne Sie würde der Zuschauer bei „Pastewka“ verrückt werden. Sie stellen „Bastians“ langjährige Freundin, die Ärztin „Anne“, dar und sind die Einzige, die recht normal und nicht völlig übergeschnappt ist. Wie machen Sie das?

          Ich habe auch privat etwas Ausgleichendes. Mein Sohn hat sich letztens beschwert: „Du verstehst immer alle.“ Dann habe ich gemeint, dass das vielleicht berufsbedingt ist.

          Was meint er damit?

          Wenn er über irgendeinen lästert oder sich beschwert, dann sage ich: „Aber vielleicht ist es ja auch so und so...“ und versetze mich in den anderen Menschen hinein, was ich als Schauspielerin ja muss. Ich bin aber auch harmoniebedürftig, so wie Anne.

          Sind Sie zu Hause auch ein bisschen wie Anne?

          Ja, schon. Anne sagt ja auch ihre Meinung, wenn sie etwas stört. Ich bin, glaube ich, sogar noch geduldiger als Anne. Ich mache mal was mit, aber wenn’s mir reicht, reicht’s mir. Die Rolle hat auch eine Entwicklung durchgemacht. Anne ist schon strenger geworden über die Zeit und mehr bei sich angekommen, je älter sie wurde. Sie will ihr Leben weiterleben und nicht immer auf so einen Dödel warten und darauf, ob er die Kurve kriegt oder nicht.

          Gab es in der Serie mal einen Moment, wo es auch Anne zu viel war?

          Es braucht ganz schön viel, um Anne an den Punkt zu bringen, dass sie wirklich körperlich wird und Ohrfeigen verteilt. In der kommenden Staffel überreizt es Bastian. Da mussten wir auch im Spiel entscheiden: Ist Anne wirklich so sauer? – Ja, die ist wirklich so sauer. Jetzt hat er es wirklich, wirklich übertrieben. – Der Höhepunkt der Frechheit kommt also noch.

          Sonsee Neu und die „Pastewka“-Filmfamilie im Januar 2019 bei der Premiere der neuen Staffel

          Wie ist das Zusammenspiel mit Bastian Pastewka?

          Bastian hat sich lange nicht als Schauspieler definiert. Er hat oft gesagt: Ich bin kein Schauspieler. Dann habe ich gefragt: Was bist du denn dann? Und er: Ich bin Komödiant und habe euch alle als Ensemble geholt, damit hier richtiges Schauspiel mit ans Set kommt. Das hat keiner wirklich verstanden.

          Was war da die Schwierigkeit?

          Dass er sich wirklich nicht als Schauspieler gesehen hat. Er, aber wirklich nur er, dachte, er kann sein Spiel nicht so fein justieren und immer nur auf den Witz hin spielen.

          Die schauspielerischen Nuancen waren nicht da?

          Er hat das immer gedacht, aber wir fanden das nie. Dieses Konzept, dass sich jemand nur als Komödiant sieht und nicht als Darsteller, das war mir fremd.

          Was hat sich verändert? Wie war es früher zwischen Ihnen im Vergleich zu heute?

          Man hatte ja immer die Struktur und ist auf die Pointe zugegangen. Das hat auch funktioniert, weil es so unglaublich gut geschrieben ist. Jetzt konnte man innerhalb der Struktur noch mehr Nuancen einbauen und hat sich mehr fallen lassen. Man wusste, wo der andere jeweils ist. Es ist ein bisschen wie beim Squashspielen. Manchmal habe ich bei Kollegen das Gefühl, ich spiele allein gegen eine Wand. Das ist hier gar nicht der Fall. Hier spielt man auch mal mit mehreren Bällen, und dann jongliert man, und dann merkt man, am Ende kommt dann doch alles zusammen.

          Sonsee Neu am Set von „Der letzte Bulle“

          Müssen Sie sich beim Dreh auch mal vor Lachen wegschmeißen?

          Andauernd. Zum Beispiel wenn Dietrich Hollinderbäumer, der Pastewkas Vater spielt, richtig brüllt „Ich flippe aus hier“ oder auch nur, wenn Matthias Matschke als Hagen vor die Kamera läuft. Wenn ich den laufen sehe, könnte ich schon lachen. Beim Spiel mit Bastian passiert es schon, dass es zu Lachflashs kommt. Zwölf Takes lang finden die Kollegen das noch lustig, aber dann kippt’s. Und dann kommt man nicht über den Punkt. Für solche Situationen haben Bastian und ich eine Verabredung. Wir spielen uns zwar an, aber schauen uns nicht in die Augen. So kommen wir durch den Take.

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