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Ken Duken im Gespräch : Mann mit unbegrenzten Möglichkeiten

„Ich bin heute viel zu komplex“: Ken Duken, der Nachdenkliche, beim Fotoshooting in Berlin. Aber wenn er Witze erzählt, wird es lustig. Bild: Jens Gyarmaty

Mit fünf Jahren sagte Ken Duken: Ich bin Schauspieler. Dreißig Jahre und neunzig Filme später ist er groß im Geschäft, doch noch längst nicht zufrieden.

          Fünf Minuten hat Ken Duken wie ein Wasserfall geredet, dann sagt er: „Was ich für mich richtig finde, hat mit Instinkt zu tun.“ Fünf Minuten - und schon bringt dieser freundliche junge Mann mit der Samtstimme sowohl sein Wesen als auch den Antrieb seiner Schauspielkunst ganz beiläufig auf den Punkt.

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Kein Geplänkel zum Einstieg, keinerlei freundliches Blabla. Auf eine banale Frage hin ist Duken sofort grundsätzlich geworden. Von Helikoptereltern und Kindererziehung ist er weiter zu gesellschaftlichen Rollenerwartungen gesprungen, zu überzogenen Ansprüchen an Paarbeziehungen und einem generellen Perfektionismus, der laut Duken dazu führt, dass man sich ständig selbst belügt. Dabei gelte es doch, die eigenen Ideale anzupassen an das, was realistisch möglich sei, und Kompromisse zu akzeptieren. „Ich habe das Gefühl, dass viele Leute gar nicht mehr bereit sind, über bestimmte Reibungsflächen hinwegzugehen“, sagt Duken.

          Und das alles in fünf Minuten. Unmöglich, mit diesem Mann ein normales Interview zu führen. Viel zu tiefgründig.

          ***

          Ist das die Sorte Gespräch, die Sie nach der Arbeit daheim, am Küchentisch führen?

          Nicht so. Ich kann auch blöde Witze erzählen.

          Los! Machen Sie!

          Versaut oder nicht versaut

          ***

          Ken Duken lacht, ein ungestümes, heiseres Lachen, das wie der Dampf aus dem Schornstein einer Lokomotive direkt aus seinem Bauch zu kommen scheint.

          Das also ist der Mann, der so herrlich Helden spielen kann. Der dem U-Boot-Kommandanten, welcher im Zweiten Weltkrieg die britische „Laconia“ versenkte, eine aufrechte Menschlichkeit gab, für die ganz England diesen Deutschen liebte. Der in „Das Wunder von Kärnten“ als Herzchirurg selbst unter Mundschutz und Haube überzeugend um das Leben eines Mädchens kämpfte und einen großen Anteil daran hatte, dass der Film mit einem Internationalen Emmy ausgezeichnet wurde.

          Duken ist mit Brad Pitt verglichen worden, er hat zwei Grimme-Preise eingesackt und mit 35 Jahren mehr als neunzig Filme gedreht. Zuletzt hat er sich langbärtig und zottelmähnig durch ein Wikingerepos gerauft („Northmen“) und gleich im Anschluss als schwuler Geschäftsmann mit Kostja Ullmann geknutscht („Coming In“). Seit Donnerstag nun ist er als nur möchtegern-lässiger Vater Teil einer Elterngruppe im Kino, die meint, für den Schulerfolg ihrer Kinder die Grundschullehrerin absägen zu müssen („Frau Müller muss weg“).

          „Versatility“ nennt Duken das, und dass ihm nur der englische Begriff für etwas einfällt, das sich mit Vielseitigkeit oder Wandlungsfähigkeit übersetzen lässt, ist kein Zufall: Wann immer hierzulande in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten gerätselt wurde, wo denn der vielversprechende Jungstar geblieben sei und wann man Duken endlich in seiner nächsten großen Rolle sehen würde, drehte dieser wahrscheinlich gerade im Ausland.

          Monatelang, sagt Duken, habe er lukrative Großprojekte ausgeschlagen, ohne zu wissen, wovon er die Miete zahlen solle, um sich im Zweifelsfall für eine spannendere Rolle in einem unscheinbaren Film zu entscheiden. „Ich habe jahrelang gedacht, meine Banker müssen Kiffer sein, dass die das alles mitgemacht haben“, sagt er und lacht wieder, impulsiv, vergnügt.

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