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Kardinal Meisner im Gespräch : „Im Nikolauskostüm begann meine Bischofskarriere“

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Gerne auch mal allein: Kardinal Meisner genießt einen echt Kölner Ausblick. Bild: Wohlfahrt, Rainer

Kardinal Meisner spricht im Interview über seine Kindheit in Schlesien, Heilige Messen ohne Publikum, die Bedeutung des Festes der Familie und seinen Geburtstag am ersten Weihnachtstag.

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          Herr Kardinal, Sie sind dieses Jahr emeritiert worden. Es ist also das erste Mal seit langem, dass Sie an Weihnachten nicht mehr an vorderster Front stehen. Was wird Ihnen fehlen? Was werden Sie womöglich zurückgewinnen?

          Zunächst einmal sollte man die Emeritierung nicht als eine so große Veränderung im Leben eines Bischofs vermerken. So wie ein Ingenieur nach der Pensionierung Mensch bleibt, so bleibe auch ich Mensch. Aber ich bleibe eben auch Priester, Bischof und Kardinal, bis dass der Tod uns scheidet. Viele wissen das nicht. Wenn ich morgens auf die Straße gehe, dann sagen die Leute: „Guten Morgen, Herr Meisner!“ Dann sage ich: „Meinen Sie den Schornsteinfeger Meisner oder den Kardinal?“ Die Leute erwidern dann: „Aber Sie sind doch nicht mehr Kardinal.“ Dann sage ich: „Doch! Ich bin als Erzbischof emeritiert, Kardinal bleibe ich bis an mein Lebensende.“

          Es hat sich also nichts geändert?

          Doch! Ich habe weniger Zeit als früher. Das liegt daran, dass es viele gut mit mir meinen und glauben, der Kardinal habe jetzt nichts mehr zu tun. Und damit er nicht trübsinnig wird, laden wir ihn ein. Vor allem in der Advents- und Weihnachtszeit kann ich mich vor Einladungen kaum retten. Was möglich ist, mache ich gerne. Zum Beispiel bin ich am zweiten Weihnachtsfeiertag immer in Köln-Junkersdorf bei Klosterschwestern aus meiner Heimat Schlesien zu Gast. Zwei von ihnen haben mir mehr als 20 Jahre lang den Haushalt geführt, die rechnen zu Recht fest mit mir. Aber manchmal bin ich eben auch froh, wenn ich allein sein kann.

          Also keine Entlastung durch die Emeritierung?

          Doch, weil ich nicht mehr die großen Festpredigten halten muss. Ich habe das nie aus dem Ärmel geschüttelt, sondern mich immer gewissenhaft vorbereitet. Schließlich geht es darum, die Faszination des Evangeliums sozusagen an den Mann zu bringen.

          Und nun?

          In der Heiligen Nacht werde ich zwar im Kölner Dom die Messe mitfeiern, aber nur als Zweiter konzelebrieren, am ersten Weihnachtsfeiertag genauso. Ich brauche mir also nicht mehr zu sagen: Hoffentlich geht es mit der Predigt gut, sondern ich kann in den Dom hinübergehen und mich einfach nur auf die Messe freuen.

          Hatten Sie bei Predigten je Angst, etwas zu sagen, worüber sich die Leute aufregen könnten? Sie sind da ja, erlauben Sie mir den Ausdruck: ein gebranntes Kind.

          Nein! Zu meiner Emeritierung haben mir viele geschrieben: „An Ihnen konnte man sich immer orientieren, was katholisch ist und was nicht.“ Das ist doch das Schönste, was man einem Bischof sagen kann.

          Aus Ihrer Zeit in der DDR kennen Sie die Diaspora-Kirche. Sie wissen, wie es ist, vor einer Handvoll Leuten eine Messe zu feiern. Was ist anders, wenn Sie an Weihnachten einen vollen Dom vor sich haben?

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