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Javier Bardem im Gespräch : „Die Natur hat mich umgehauen“

  • -Aktualisiert am

Bekommt es angesichts des schnell fortschreitenden Klimawandels mit der Angst zu tun: Javier Bardem engagiert sich. Bild: Markian Lozowchuk/Redux/laif

Oscar-Preisträger Javier Bardem kämpft dafür, dass in der Antarktis das weltgrößte Meeresschutzgebiet entsteht. Ein Treffen in Berlin.

          7 Min.

          Ein Berliner Innenhof unweit des Bahnhofs Friedrichstraße und der Spree. Unspektakulär, hier steht nichts als ein paar Fahrräder und Mülltonnen. Im Treppenhaus riecht es leicht muffig. Das Tiger-Poster an der Wand weist darauf hin, dass sich hier im zweiten Stock die Politische Vertretung von Greenpeace befindet. Die Tür steht offen. Sachliche Büroräume, Rauhfasertapete, Holztische. Niemand würde vermuten, dass sich hier gerade ein echter Hollywood-Star aufhält.

          Doch Javier Bardem will sich jenseits des Glamours für ein Herzensprojekt starkmachen: die Einrichtung eines Meeresschutzgebietes in der Antarktis. Zusammen mit Greenpeace kämpft er dafür, dass ein Gebiet, welches fünfmal so groß ist wie Deutschland, mitsamt seinem sensiblen Ökosystem vor den Eingriffen der Menschen bewahrt wird. Um sich selbst ein Bild der Lage zu machen, war er eine Woche lang an Bord des Greenpeace-Expeditionsschiffes „Arctic Sunrise“ im Weddell-Meer südlich von Argentinien unterwegs, mit Meeresbiologen und Antarktis-Experten. Die dort erhobenen Daten beweisen laut Greenpeace, dass dort noch mehr empfindliche, schützenswerte Ökosysteme vorhanden sind als erwartet, die ihrerseits Lebensraum, Artenvielfalt und Schutz für zahlreiche Fische garantieren. Damit im Oktober die Antarktis-Kommission CCAMLR das Gebiet zum weltgrößten Meeresschutzgebiet erklärt, benötigt der Spanier besonders die Hilfe der Deutschen. Denn Deutschland hat den Antrag eingereicht – nun muss die Bundesregierung ihrem eigenen Antrag zu Erfolg verhelfen, indem sie alle 24 Vollmitglieder, darunter China, die Vereinigten Staaten und Russland, davon überzeugt, mit Ja zu stimmen. Daher soll eine Petition mit Unterschriften möglichst vieler Bürger dem Vorhaben Nachdruck verleihen.

          Entourage? Fehlanzeige. Limousine, Bodyguard und Roter Teppich auch. Für seine Mission traf sich Javier Bardem erst mit der mittlerweile aus dem Amt geschiedenen Umweltministerin Barbara Hendricks und anderen Abgeordneten zu einem parlamentarischen Frühstück im Bundestag. Danach ging es filmreif im Schlauchboot auf der Spree an den Schiffbauerdamm zu einer Pressekonferenz und einem Fototermin. Der schneidende Berliner Wind konnte Bardem in seinem dünnen Wollmäntelchen nichts anhaben – er war wohl noch die antarktische Kälte gewöhnt. Vor einer Woche erst sei er zurückgekommen, erzählt Bardem dann nachmittags, als er im Greenpeace-Büro an einem rustikalen Holzküchentisch sitzt.

          Bardem macht sich, gemeinsam mit Greenpeace-Mitarbeitern, im Schlauchboot  auf dem Weg zu einem Pressetermin.
          Bardem macht sich, gemeinsam mit Greenpeace-Mitarbeitern, im Schlauchboot auf dem Weg zu einem Pressetermin. : Bild: dpa

          Herr Bardem, was bringt einen Oscar-Preisträger dazu, auf einem Eisbrecher in die Antarktis zu fahren?

          Ich bin gerade 49 Jahre alt geworden, ich habe zwei Kinder, und ich finde, wir können diese wunderschöne Welt nicht sterben lassen. Wenn wir nicht anfangen, endlich die Ozeane zu schützen, angefangen beim antarktischen Ozean, wird der Planet in allernächster Zukunft größten Schaden nehmen. Uns ist nur diese einzige Welt gegeben, und wir tragen Verantwortung für unsere Kinder und Enkelkinder. Sie werden uns irgendwann mal anschauen und fragen: „Warum habt ihr damals nichts getan?“

          Wie kam Ihre Verbindung zu Greenpeace zustande?

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