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Jan Böhmermann und Olli Schulz : „Ernst nehmen soll man andere“

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Mit Worten jonglieren können Jan Böhmermann (links) und Olli Schulz vortrefflich, mit Äpfeln und Zitronen anscheinend auch. Ihre Radiosendung könnte daher „Süß&Sauer“ heißen. Heißt sie aber nicht, sondern „Sanft&Sorgfältig“. Bild: rbb/Jens Oellermann

Seit drei Jahren machen Jan Böhmermann und Olli Schulz eine Radioshow, für die sie verehrt und gehasst werden. Bald kommt ein Fernseh-Talk hinzu. Ein Gespräch über Moral, Freundschaft und Hass im Internet.

          Ein Spätsommersonntag in Berlin. Auf einem Fest von Radio Eins haben Jan Böhmermann und Olli Schulz gerade zwei Stunden lang live auf der Bühne ihre Sendung „Sanft & Sorgfältig“ präsentiert. Vor mehreren hundert Fans haben sie über die Flüchtlingspolitik debattiert, einen Rap improvisiert und einem Zuhörer seine Jacke abgeschwatzt. Seit drei Jahren machen sie das jeden Sonntag so, und doch ist es immer wieder anders.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die beiden sind ein unwahrscheinliches Gespann. Böhmermann gilt seit Jahren als größtes Talent des deutschen Fernsehens, mit seinem „Neo Magazin Royale“ gibt er mit Verve und Intellekt den Unruhestifter in einer saturierten Branche. Der eigenwillige Liedermacher Schulz hat einen späten Quereinstieg ins Medium vollzogen und Shows wie „Circus Halligalli“ oder „Schulz in the Box“ mit sympathischem Anarchismus geprägt. Beim Interview im Zelt neben der Bühne fläzt sich Schulz entspannt aufs Sofa. Böhmermann, wie stets im Anzug, sitzt aufrecht wie ein Konfirmand daneben und nestelt mit einer Hand am Gurt seiner Tasche.

          Herr Schulz, Herr Böhmermann, Sie haben gerade Radio auf der Bühne gemacht und zwei Stunden fast pausenlos geredet. Wie anstrengend ist das?

          Schulz: Mich strengt das mehr an als im Studio, weil ich denke, die Leute haben bei so etwas eine bestimmte Erwartungshaltung. Und im Studio kann man – dadurch, dass wir nicht mehr live senden – immer ein bisschen schneiden. Obwohl erstaunlich wenig herausgeschnitten wird, immer nur die ganz krassen Sachen.

          Böhmermann: Der Performance-Zwang auf der Bühne ist größer. Es ist anstrengender als sonst, aber immer noch nicht vergleichbar mit einer 40-Stunden-Woche am Hochofen.

          Sie, Herr Böhmermann, haben schon mit siebzehn Ihre ersten Artikel für die Lokalpresse geschrieben. Nun, mit Mitte dreißig, haben Sie ein knappes Dutzend Fernsehsendungen moderiert oder produziert. Ihre Medienkarriere, Herr Schulz, hat erst mit Ende dreißig richtig begonnen.

          Böhmermann: Olli ist durch mehrere unglückliche Umstände ins Fernsehgeschäft reingeraten, und er kann sich nicht so richtig davon trennen, weil er weiß ...

          Schulz: ... es gibt Geld.

          Böhmermann: Es gibt einfach verdientes Geld für wenig Arbeit. Ollis Traumjob.

          Bis zum Alter von 35, haben Sie mal gesagt, sei Ihnen alles egal gewesen.

          Schulz: Ja, ich verfalle aber auch gern in die Pose des Slackers. Hand aufs Herz: Ich war schon mit 18 Musiker und wollte erfolgreich werden, habe mich aber nicht berufen oder talentiert genug gefühlt. Aber ich habe immer sehr viel darum gekämpft, Geld zu verdienen.

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          Auf jeden Fall scheinen Sie sehr unterschiedliche Temperamente zu sein.

          Böhmermann: Total. Ich bin eher ein Kopf-Typ und denke viel nach. Olli denkt auch viel nach, aber er ist der Impulsivere und Emotionalere von uns beiden. Ich bin eher jemand, der gerne allein ist. Ich habe einfach keinen Bock auf Leute. Das hat Olli auch nicht, aber er ist trotzdem ständig von Leuten umgeben. Olli ist überall, und ich bin nirgends.

          Schulz: Dadurch, dass Jan jede Woche eine Fernsehsendung macht, setzt er sich mit allem auseinander. Manchmal bin ich genervt davon, dass ich nicht hinterherkomme, weil Jan so schnell ist. Mit 34 war ich eigentlich auch so schnell, aber da wollte keiner, dass ich so etwas mache. Andererseits finde ich es ganz gut, dass ich dann manchmal die Meinung des Volkes vertrete ...

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