https://www.faz.net/-gum-9siv9

Arnold Schwarzenegger : „Ich wusste immer, wohin ich wollte“

  • -Aktualisiert am

Leicht gealtert: Arnold Schwarzenegger spielt im sechsten Teil der „Terminator“-Reihe den Androiden Carl, der eigentlich schon im Ruhestand war. Bild: AP

In „Terminator: Dark Fate“ schlüpft Arnold Schwarzenegger zum fünften Mal in die Rolle des futuristischen Cyborg. Im Gespräch erzählt er von den Dreharbeiten, seiner Herzoperation und seinen Träumen.

          6 Min.

          Herr Schwarzenegger, wie oft wollen Sie den Terminator noch spielen?

          Ich fand es großartig, dass für diesen Film noch einmal das alte Team zusammen gekommen ist. Dazu gehören James Cameron als Drehbuchautor und Produzent, Linda Hamilton und ich. Wir fühlten uns verpflichtet, noch einmal alles zu geben. Gerade James Cameron war von Anfang an sehr enthusiastisch. Er hat Linda und mir das Konzept vorgestellt. Ich habe mich in die Idee verliebt. Und dann schrieb er mit einem Ko-Autoren ein Drehbuch, das ich phantastisch fand.

          Sie spielen eine Art großväterlichen Terminator, der eigentlich pensioniert ist. Linda Hamilton hatte die Idee, sich die Haare grauer färben zu lassen. Haben Sie es diesmal auf die „Best Ager“ als Zielgruppe abgesehen?

          Man kann es nicht gerade als geniale Idee bezeichnen, wenn man in Lindas Alter eine Rolle mit grauen Haaren spielt. Sie ist jetzt 62 Jahre alt und hat nicht mehr dieselbe Haarfarbe wie früher. Aber wie auch immer. Ich wurde auch schon gefragt, warum der Terminator überhaupt altert. Aber wer alle Filme der Reihe gesehen hat, sollte wissen, dass sein Innenleben aus einem Metall-Skelett besteht. Das altert natürlich nicht, liefert dieselbe Performance. Deswegen ist er so stark wie immer. Aber seine Hülle ist aus menschlichem Fleisch gemacht, und das altert. Oder, wie es im ersten „Terminator“ an einer Stelle heißt: Er schwitzt, und er hat Mundgeruch.

          Was gibt es noch Neues zu erzählen?

          Ich garantiere Ihnen, es gibt einige Twists und Wendungen in der Geschichte, die die Zuschauer schockieren werden. Und ich glaube, der Terminator ist immer noch ein Thema. Ich trainiere jeden Morgen im „Gold Gym“. Und jeden Tag sprechen mich Leute an, die etwas über die Geschichte und ihre zeitliche Kontinuität wissen wollen. Ich habe den Eindruck, dass sie neugierig sind.

          Sollte man sich die ersten beiden Teile noch einmal ansehen, um diesen Film zu verstehen?

          Ich habe selbst eine Weile gebraucht, um alle Zusammenhänge zu verstehen. Obwohl ich das Drehbuch hatte, in dem alles erklärt wird. Es kann also nicht schaden. Und am Ende hat alles Sinn. Genau das ist James Camerons Stärke. Niemand kennt den Terminator besser als er. Und er hat aus diesem Film wieder ein Erlebnis für intelligente Zuschauer gemacht.

          Sind Sie genervt, wenn Sie auf den Terminator angesprochen werden?

          Nein. Außerdem habe ich genaue Instruktionen, was ich sagen darf und was nicht. So funktioniert das mit der Publicity heute. Früher war es viel einfacher, die Pressearbeit für Filme zu machen.

          Warum?

          Weil ich in Interviews sagen konnte, was ich wollte. Pressearbeit ist heute derartig anspruchsvoll geworden. Man versucht, jedes noch so kleine Detail vorauszusehen. Aber sehr oft liegt man eben falsch, wenn man einen Film und die Kampagne dazu so plant. Man kann nicht alles voraussehen. Die Filmstudios haben enorme Angst vor Spoilern. Mit jedem Satz, den ich von mir gebe, könnte ich etwas verraten. Das ist Camerons große Sorge. Zu Recht. Das Publikum will ja nicht vorher um die Überraschungen gebracht werden. Da hat das Studio bei „Terminator 5“ tatsächlich einen großen Fehler gemacht.

          Welcher Fehler war das?

          Sie haben schon vorher verraten, dass John Connor der Schurke wird. 80 Prozent der Fans haben in den sozialen Netzwerken geschrieben, sie hassen es, mit dieser Information ins Kino zu gehen.

          Kurz bevor Sie mit der Vorbereitung für die Rolle begonnen haben, sind Sie am Herzen operiert worden. Trotzdem standen Sie bald wieder im Gym. Hat Sie dieser Eingriff nicht beeindruckt?

          Die Operation hat für mich gar nichts verändert. Die einzige Sorge, die ich hatte, war, dass ich das Arbeitspensum, das ich mir vorgenommen hatte, nicht erfüllen kann. Aber das war nicht der Fall. Glücklicherweise fand die Operation im März statt, und der Job fing erst Anfang Juli an. Also hatte ich genug Zeit, mich zu erholen und wieder ins Training einzusteigen. Auch wenn der Eingriff unglücklicherweise größer war als geplant. Ich dachte, es sei Routine. Doch dann bin ich 18 Stunden später wieder aufgewacht, und ein Arzt sagte mir, mein Brustkasten musste geöffnet werden.

          Wenn Sie das erzählen, klingt das trotzdem sehr lässig.

          So etwas kann halt passieren. Und es besteht für mich kein Grund, mich länger als nötig damit zu beschäftigen. Ich wollte so schnell wie möglich wieder auf die Beine kommen und wieder fit werden. Am Ende hat es sogar irgendwie Spaß gemacht.

          Was macht Spaß an einem komplizierten Eingriff am Herzen?

          Es macht Spaß, wenn ich mir nach so einem Eingriff ein Ziel setze. Ich habe versucht, mich gedanklich nicht auf das Problem mit dem Herzen oder eine schwierigen Reha zu konzentrieren. Ich hatte keine Zeit, um die Reha langsam anzugehen. Deswegen musste ich mir ein Trainingsprogramm zusammenstellen, als ob ich für den „Mister Olympic“-Titel trainiere.

          Und da haben Sie sich schon Hanteln ins Krankenhaus bestellt?

          Natürlich nicht. Aber ich habe mit gleich etwas vorgenommen. Am ersten Tag bin ich drei Runden durch den Krankenhausflur gelaufen, am nächsten Tag vier, dann fünf und so weiter. Es bestand die Gefahr, dass ich sonst eine Lungenentzündung bekomme, die mich erledigt hätte. Deswegen wollte ich so schnell wie möglich aufstehen. Aber ich habe tatsächlich auch relativ schnell wieder mit Hanteln gearbeitet. Das war Teil meines Programms, das ich bis zum ersten Drehtag durchgeplant hatte. Und dann musste ich auch noch die verschiedenen Stunts üben. Ich war glücklich, dass meine Herzoperation nicht thematisiert wurde. Keiner machte sich Sorgen, ich könnte nicht rechtzeitig einsatzbereit sein.

          Für die Zukunft: Sarah Connor (Linda Hamilton) und Android Carl (Arnold Schwarzenegger) kämpfen Seite an Seite.
          Für die Zukunft: Sarah Connor (Linda Hamilton) und Android Carl (Arnold Schwarzenegger) kämpfen Seite an Seite. : Bild: AP

          Alle waren so optimistisch wie Sie?

          Ich habe mit James Cameron und unserem Regisseur Tim Miller telefoniert. Sie wollten natürlich wissen, wie es mir geht, auf einer Skala von null bis zehn. Ich habe geantwortet, ich fühle mich wie eine fünf. Da hörte ich, wie Cameron zu Miller sagte: ,Das bedeutet eine acht.‘ Er weiß, wie selbstkritisch ich bin. Das hat sie scheinbar beruhigt. Als die Dreharbeiten losgingen, konnte ich alles, was von mir verlangt wurde. Ich hatte keine Probleme.

          Ein guter Science-Fiction-Film kommentiert auch immer den aktuellen Zustand unserer Welt. Wie fügt sich „Terminator: Dark Fate“ da ein?

          Vieles, was wir früher in Filmen dieses Genres gesehen haben, ist längst Realität geworden. Das ist auch das Faszinierende an James Camerons Arbeit in den achtziger Jahren. Er hatte die Vision, wie sich alles entwickeln könnte. Das einzige, was noch fehlt, sind Computer mit eigenem Bewusstsein, die miteinander kommunizieren können und den Menschen einen Schritt voraus sind. Wir befinden uns kurz vor dem Durchbruch.

          Was halten Sie von dieser Entwicklung?

          Ich halte sie für gefährlich. Wie bei jeder Art von technischem Fortschritt besteht immer die Möglichkeit, ihn mit bösen oder guten Absichten einzusetzen. Wir müssen aufpassen, dass er nicht zu unserem Nachteil verwendet wird.

          Hat der Film auch eine politische Aussage, was die Beziehung zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko angeht?

          Ich glaube nicht, dass der Film ein politisches Statement ist. Und ich denke, das ist bewusst so. Niemand wollte einen Film mit irgendeiner Art von Botschaft in diese Richtung, weder aus dem rechten noch aus dem linken Lager. Ein Film wie „Terminator“ soll für alle attraktiv sein, egal welche politische Einstellung man hat. Aber natürlich setzt er sich mit der Realität auseinander. Verschiedene Handlungsstränge spielen sich auf beiden Seiten der Grenze ab, und irgendwann muss sie überquert werden. Aber wir kommentieren das nicht.

          Wenn Sie auf Ihr Leben zurückblicken: Kommt Ihnen Ihr Weg aus dem österreichischen Thal bis zum heutigen Tag nicht selbst etwas surreal vor?

          Ich hatte das große Glück, meine Träume leben zu können.

          An der Umsetzung von großen Träumen scheitern die meisten. Was haben Sie anders gemacht?

          Ich hatte immer eine klare und starke Vorstellung von dem, was ich und wohin ich wollte. Mit 15 wollte ich der Weltmeister im Bodybuilding werden. Aber nicht nur das. Ich wollte der größte Champion aller Zeiten sein. Mein Vorbild war Reg Park, der dreimal „Mister Universum“ war und dann eine Filmkarriere als Herkules machte. Nachdem ich im Bodybuilding alles erreicht hatte, wollte ich Hauptdarsteller in Hollywood werden. Auch dafür habe ich wieder alles gegeben, und es hat noch einmal funktioniert. Nachdem ich das abgehakt hatte, interessierten mich Projekte, mit denen ich die Gesellschaft verbessern konnte, Programme für Jugendliche nach der Schule oder für Gesundheit und Fitness. Das führte mich in die Politik. Das nächste Ziel war das Amt des Gouverneurs von Kalifornien.

          So betrachtet, scheint es eigentlich ganz einfach zu sein.

          Jede der vorherigen Karrieren hat mir bei der folgenden geholfen. Jetzt nutze ich all diese Erfahrungen, um gegen Umweltverschmutzung zu kämpfen. Mein nächstes Ziel ist eine Zukunft mit grüner und sauberer Energie. Außerdem sollte jedes Kind in den Vereinigten Staaten die Möglichkeit haben, nach der Schule betreut zu werden. Die Eltern sind nicht mehr so präsent wie früher. Die Kinder brauchen einen Ort, wo sie ihre Hausaufgaben machen können und nicht auf der Straße landen, wo sie mit Gangs und Kriminalität in Kontakt kommen. Außerdem setze ich mich gegen das „Gerrymandering“ ein, die Manipulation von Wahlkreisen in unserem Mehrheitswahlrecht. Ich will das Leben in unseren Gemeinden, unserem Land und hoffentlich auf der ganzen Welt verbessern.

          Das klingt nach einer sehr ausschweifenden neuen Vision.

          Das ist noch nicht alles. Ich will weiter Filme machen. Und um meine Geschäfte muss ich mich auch noch kümmern. Darüber hinaus bin ich gerade sehr engagiert, um das „Arnold Classics Sport and Fitness Festival“ auf fünf verschiedenen Kontinenten zu organisieren. Und dann ist da noch das Schwarzenegger Institute, wo man Politik studieren kann.

          Bleibt die Frage, wie Sie ihre Zeit organisieren, um alle Projekte zu realisieren?

          Ich habe ein gutes Team. Und wir schlafen einfach schneller.

          Präsident der Vereinigten Staaten wollen Sie nicht mehr werden?

          Das steht nicht an. Wie Sie sehen, bin ich auch so genug beschäftigt.

          Weitere Themen

          „So schwierig es war, so schön ist es jetzt“

          Mavi Phoenix : „So schwierig es war, so schön ist es jetzt“

          Musiker Mavi Phoenix hat sich vor einem Jahr als trans geoutet und eine öffentliche Transition durchlebt. Im Interview spricht er über die Rap- und Musikbranche, den Umgang seiner Künstlerkollegen mit seiner Transition – und darüber, wie ihn seine Fans bestärken.

          Topmeldungen

          Friedrich Merz und die Frauen

          Kampf um den CDU-Vorsitz : Wie Frauen über Friedrich Merz denken

          Sich über Friedrich Merz zu empören, ist leicht. Er ähnelt einem SUV zwischen lauter Volkswagen Golfs – und ist die Anti-Greta, der Inbegriff des alten weißen Mannes. Alles Vorurteile? Wir haben alte Weggefährtinnen gefragt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.