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Interview mit Anas Modamani : „Frau Merkel ist eine Heldin für mich“

Ein Bild, das um die Welt ging: Anas Modamani macht ein Selfie mit Angela Merkel. Bild: Reuters

Fünf Jahre ist es her, da machte der Syrer Anas Modamani ein Selfie mit Angela Merkel – und wurde schlagartig berühmt. Wie ist es ihm seither in Deutschland ergangen? Im Interview spricht er über Heimat, Politik und seine Leidenschaft für Fotos.

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          Herr Modamani, fünf Jahre ist es jetzt her, dass Sie ein Selfie mit Angela Merkel machen durften, als diese Ihre damalige Unterkunft besuchte. Denken Sie noch manchmal daran?

          Johanna Dürrholz
          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Ja, klar. Es war eine besondere Zeit für mich, die ich nie wieder vergessen werde. Ich denke häufig daran, wie es damals war, als ich in meinem Zimmer angekommen bin. Wie es da ausgesehen hat. Die Leute, die ich kennengelernt habe. Die sprachen alle verschiedene Sprachen. Ich kam aus Syrien. In der Unterkunft, in der Frau Merkel uns besucht hat, war ich damals erst seit kurzem.

          Wie haben Sie sich damals gefühlt?

          Das war schwierig. Ich hatte da gerade erst vier Tage gewohnt. Es war eigentlich schrecklich in dem Flüchtlingsheim. An einem Tag aber war es wirklich schön, dort zu leben – der Tag, an dem Frau Merkel kam. Da wurde natürlich extra saubergemacht. Ich war an dem Tag richtig überrascht, es war so schön, und es gab so gutes Essen. Und dann habe ich die Autos gesehen und wusste, dass jemand Wichtiges kommt. Ich hab dann die ganze Zeit versucht, Bilder zu machen – ich mache sehr gerne Fotos. Erst wollten die Sicherheitsleute mich nicht zu ihr lassen. Ist ja auch klar, es gab zu dieser Zeit viele Leute, die Frau Merkel schaden wollten.

          Aber dann durften Sie doch?

          Ja, Frau Merkel hat auf mich gezeigt, und ich durfte das Bild mit ihr machen. Alles ging so schnell. Das war eine Sache von Sekunden. Mein Bild wurde dann ja noch von einem Journalisten fotografiert – ich hatte einfach Glück.

          Wie war denn Ihre Verbindung zur Kanzlerin?

          Ich wusste in dem Moment nicht, dass es Frau Merkel ist. Ich hab‘ es erst nach dem Foto erfahren. Ich hatte damals noch keine Ahnung von der Politik in Deutschland oder von der Politik von Frau Merkel. Ich war auf dem Weg hierher, ich hatte nach Sicherheit gesucht. Die Zeit vorher in meiner Heimat war schwierig, ich sollte mit 17 zum Militär. Es war Krieg. Ich hatte nur ein älteres Handy dabei auf dem Weg hierher, damit konnte ich nicht im Internet recherchieren. Und vorher hatte ich keine Zeit, über Deutschland viel nachzulesen – die Leute hatten mir empfohlen, nach Deutschland zu gehen, weil ich da vielleicht studieren könnte.

          „Deutschland ist meine Heimat“, sagt Anas Modamani heute. Hier ist er bei einem Ausflug an die Ostsee zu sehen.
          „Deutschland ist meine Heimat“, sagt Anas Modamani heute. Hier ist er bei einem Ausflug an die Ostsee zu sehen. : Bild: privat

          Und wie stehen Sie heute zu Angela Merkel?

          Frau Merkel ist eine Heldin für mich. Ohne sie wäre ich vielleicht noch in Syrien, wo immer noch Krieg herrscht. Vielleicht wäre ich nicht mehr am Leben. Dank Frau Merkel bin ich es noch. Ich bin sehr dankbar. Wenn ich Frau Merkel noch mal treffen würde, würde ich ihr gerne persönlich Danke sagen. Dass sie 2015 die richtige Entscheidung getroffen hat. Ohne Frau Merkel wären viele von uns heute nicht hier. Wir brauchten damals Sicherheit – und es hat geklappt. Natürlich ist nicht alles perfekt gelaufen.

          In der Zeit, als Sie Ihr Selfie machten, war die Stimmung in Deutschland noch sehr euphorisch. In den Monaten nach Ihrer Ankunft gab es auch viele Anfeindungen gegen geflüchtete Menschen. Von Ihnen kursierten unter anderem Fake-Bilder im Internet, die Sie mit Verbrechen in Zusammenhang brachten. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

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