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Inobhutnahme durch Jugendämter : Im Zweifel lieber wegnehmen?

„Jede Entscheidung über eine Inobhutnahme ist ein Balanceakt“, so Anke Siebert, die bei der Kinder- und Jugendhilfe in Frankfurt arbeitet. Bild: Illustration Isabel Klett

Alle 15 Minuten nehmen Mitarbeiter von Jugendämtern ein Kind in Obhut – so oft wie nie zuvor. Das hat zum Teil plausible Gründe, doch manchmal scheint es auch nicht mit rechten Dingen zuzugehen.

          13 Min.

          Es ist ein Samstagvormittag im April letzten Jahres in Koblenz, als der kleine Max vom Wickeltisch fällt, während seine Mutter sich zum Windeleimer hinunterbeugt. Die Mutter und die zufällig anwesende Großmutter bringen ihn sofort ins Krankenhaus. Die Ärzte sagen, Max (der eigentlich anders heißt) sei unverletzt, müsse aber 24 Stunden zur Beobachtung bleiben. Danach darf der Junge wieder nach Hause.

          Katrin Hummel
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Am Mittwoch darauf entdeckt die Mutter eine Beule am Kopf ihres Sohnes und bringt ihn abermals ins Krankenhaus. Dort wird auf ihren Wunsch hin ein Ultraschall angefertigt – was zuvor nicht geschehen ist – und ein Schädelbruch festgestellt. Die Klinik informiert nach Rücksprache mit der Abteilung für Rechtsmedizin an der Uniklinik Mainz das Koblenzer Jugendamt, weil die Mainzer Ärzte davon ausgehen, dass nicht der Sturz vom Wickeltisch, sondern ein zweiter Vorfall, der sich erst danach ereignet hat, zu dem Bruch geführt haben müsse.

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