https://www.faz.net/-gum-9h62m

Folgenreiches Häppchen : Blutwurst auf der Islamkonferenz

  • Aktualisiert am

Blutwurst besteht meist aus Schweineblut, Speck, Schwarte, Schweinefleisch und Gewürzen. Bild: dpa

Das Bundesinnenministerium steht in der Kritik: Ein fragwürdiges Häppchen wirft die Frage auf, wie viel Respekt das Ministerium vor den Gewohnheiten von Muslimen hat.

          1 Min.

          Man muss kein Islamexperte sein, um zu wissen, dass viele Muslime weder Schweinefleisch noch blutige Speisen verzehren. Und wenn das Bundesinnenministerium eine Veranstaltung ausrichtet, deren Ziel die bessere Integration der muslimischen Bevölkerung ist, sollte man dort erst recht darüber informiert sein. Dennoch wurde auf der 12. Islamkonferenz, die Mitte der Woche in Berlin stattfand, unter vielem anderen ausgerechnet Blutwurst als Häppchen gereicht. Das berichtete der WDR-Journalist Tuncay Özdamar am Donnerstag auf Twitter.

          „Auf der #Islamkonferenz gestern in Berlin gab es wieder Schweinefleisch auf dem Buffet. Es wurde Blutwurst serviert. İnşallah halal. Welches Zeichen will Seehofers Innenministerium damit setzen? Ein wenig Respekt vor Muslimen, die kein Schweinefleisch essen, wäre angebracht“, schreibt Özdamar. Bei den Twitter-Usern trifft die Blutwurst auf gemischte Reaktionen: Viele pflichten Özdamar bei, darunter auch Grünen Politiker Volker Beck. „Vielfalt wahrnehmen heißt auch unterschiedliche Gewohnheiten berücksichtigen“, schreibt er.

          Andere entgegnen, es habe doch noch genug andere Speisen gegeben, die übrigen Besucher müssten deshalb nicht verzichten. Tatsächlich hatten die Teilnehmer der Konferenz laut Bundesinnenministerium ein „ausgewogenes Angebot“ aus 13 verschiedenen Häppchen zur Auswahl, zusammengestellt „mit Blick auf die religiös-plurale Zusammensetzung“ der Konferenz.

          Das nächste Problem: Wie der NRW-Landtagsabgeordnete der Grünen, Ali Baş dem Online-Magazin „Watson“ erzählte, waren die Blutwursthäppchen nicht gekennzeichnet. Einige Teilnehmer hätten deshalb aus Unkenntnis schon bei der Blutwurst zugreifen wollen. Erst auf Nachfrage beim Personal das Caterers habe Baş erfahren, worum es sich bei der Speise handelte. Manche Twitter-Nutzer vermuten deswegen gar eine hinterlistige Aktion von Bundesinnenminister Horst Seehofer, der zuletzt eher versöhnliche Töne angeschlagen hatte.

          „Sollten sich einzelne Personen dennoch in ihren religiösen Gefühlen gekränkt gesehen haben, bedauern wir dies“, teilt das Innenministerium auf Anfrage sowie auf Twitter mit.

          Wie der „Spiegel“ berichtet, war es wohl nicht das erste Mal, dass unter den Häppchen eines mit Schweinefleisch war: Das soll schon 2006, bei der ersten Islamkonferenz, der Fall gewesen sein. Damals habe es Schinkenschnittchen gegeben. Das Innenministerium äußerte sich auf Anfrage dazu nicht.

          Weitere Themen

          Lehrer baute und zündete Rohrbomben

          Fast vier Jahre Gefängnis : Lehrer baute und zündete Rohrbomben

          Ein Lehrer hatte in Berlin acht selbst gebaute Sprengsätze entzündet. Dem Mann, der im Prozess von Freude an Pyrotechnik gesprochen habe, sei klar gewesen, dass sein Handeln gefährlich war, sagte der Vorsitzende Richter bei der Urteilsverkündung.

          UK-Aufkleber für britische Autos

          Nach Brexit : UK-Aufkleber für britische Autos

          Nach dem Brexit brauchen britische Autofahrer im Ausland jetzt neue Nummernschilder – oder zumindest einen Aufkleber. Das „GB“ soll durch „UK“ ersetzt werden, offenbar um Nordirland in den Begriff zu inkludieren.

          Topmeldungen

          Kompatibel oder zu verschieden? Grünen- und FDP-Wahlplakate werden in Köln abgehängt.

          Koalitions-Vorsondierungen : So können Grüne und FDP regieren

          Die FDP ist für freie Fahrt auf Autobahnen, gegen Steuererhöhungen und für eine Beibehaltung des Krankenversicherungssystems. Die Grünen vertreten das Gegenteil. Was steckt hinter der Phantasie für ein „progressives Bündnis“?
          Rot, Gelb und Grün in Berlin – die Ampel scheint die beliebteste Koalition zu sein.

          Liveblog Bundestagswahl : Mehrheit laut Umfrage für Ampelkoalition

          Erste Rücktrittsforderungen an Laschet +++ Union bereit für Jamaika +++ Habeck und Baerbock wollen Verhandlungen gemeinsam führen +++ CDU-Generalsekretär verspricht „brutal offene“ Wahlanalyse +++ Alle Entwicklungen zur Bundestagswahl im Liveblog.
          Armin Laschet und CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak am Montag in Berlin

          Laschet und die Union : Der Kandidat, der enttäuschte

          Nach dem enttäuschenden Wahlergebnis muss der CDU-Vorsitzende Armin Laschet die Parteifreunde besänftigen. Vom zweiten Platz aus versucht die Union, eine Regierungsperspektive zu behalten.
          Jörg Meuthen, Tino Chrupalla und Alice Weidel am Montag in Berlin

          AfD in Ostdeutschland : Blau blüht das Kernland

          Die AfD wird in Sachsen und Thüringen stärkste Kraft, obwohl sie im Vergleich zur Wahl von 2017 teilweise Stimmenanteile verliert. Was folgt daraus für die Partei? In Berlin zofft sich die Führung auf offener Bühne.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.