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Besser, lauter, älter : WG-Treffen auf großer Bühne

  • Aktualisiert am

Jetzt machen Udo Lindenberg und Marius Müller Westernhagen (r.) wieder nachts Musik. Allerdings nicht mehr in ihrer alten WG in der „Villa Kunterbunt“, sondern auf der Bühne in der Gelsenkirchener Veltins-.Arena. Bild: dpa

Gemeinsam mit seinen früheren Mitbewohnern Westernhagen und Waalkes startet Udo Lindenberg „auf“ Schalke seine Stadiontournee. Zehntausende Fans jubeln dem Panikrocker zu – und bekommen noch mehr Stargäste zu sehen.

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          Am Schluss lässt Udo es nochmal so richtig krachen: Er steigt in einen Raumanzug, lässt sich einen Helm aufsetzen und schwebt auf einem Podest an feinen Seilzügen in die Höhe, ins Dunkle hinter die Bühne - und kommt tatsächlich nicht wieder. Auf der Leinwand startet wenig später eine Mondrakete mit viel echtem Feuer, Höllenlärm und dickem Qualm. Was für ein Abgang nach zweieinhalb Stunden Panik-Vollgasshow. Die fast zehn Zugaben nach einem leisen und völlig unglaubhaften „Auf Wiedersehen“ hatte er da schon lange hinter sich.

          Udo Lindenberg tourt wieder durch Deutschland. Am Freitagabend startete er seine dritte Stadiontournee vor rund 38.000 Fans in der Veltins-Arena in Gelsenkirchen. Erst am Dienstag hatte Lindenberg seinen 70. Geburtstag gefeiert.

          Udo sieht aus wie immer

          Udo schwebt nicht nur aus der Show heraus, sondern auch herein - ohne Raumanzug. Nachdem Sänger Daniel Wirtz das Publikum überzeugend auf Betriebstemperatur gebracht hat, gleitet die „Paniknachtigall“ auf einem schmalen Podest ganz easy von hinten über den Innenraum hinein, sein Stück „Odyssee“ auf den Lippen. Die Leinwand öffnet sich, ein Schiffsbug wird sichtbar, „Rock Liner“ heißt es. Udo sieht aus wie immer: Hut, Sonnenbrille, Nietengürtel, feine Hose und ein Sakko, später ein anderes und auch mal ein Frack. Und dann die Umarmung des Publikums.

          „Das war ein fantastischer Empfang, eine große Liebeserklärung. Hier im Pott ist es charmant-direkt. So wie ich das liebe“, sagt Lindenberg und stellt fest: „Die ganze Panikfamilie ist am Start.“

          Und ganze Panikfamilien. Zum Beispiel eine aus Stadtlohn im Münsterland. Der 35 Jahre alte Familienvater mit Lindenberg-Shirt und Udo-Hut auf dem Kopf ist schwer begeistert von dem aus dem münsterländischen Gronau stammenden Musiker. „Seine Texte sind zeitgemäß. Er hat nie vergessen, was die Welt bewegt. Er hat die Nase im Wind.“ Sein Schwiegervater (64) pflichtet ihm bei. „Er steht voll im Leben, hat aber ja auch Durchhänger gehabt.“ Und dann kommt die achtjährige Sophie: „Der hat eine Wahnsinnsstimme. Der kann alles rocken.“ Stolz erzählen die Eltern, Sophie habe bei ihrer Hochzeit im vergangenen Jahr sogar einen Lindenberg-Song zum Besten gegeben.

          Kernzielgruppe 50 bis 70

          Ansonsten besteht die große Panikfamilie an diesem Abend aus vielen älteren Semestern mit der 50 im Rückspiegel. Die 70 allerdings überschreiten augenscheinlich nur wenige. Unter den Fans sind zahlreiche „Gronauten“, also Udo-Fans aus Gronau, seiner Heimatstadt. Und mindestens einen erkennt er sogar: „Da ist Sonja, die Bürgermeisterin. Ich sehe Dich.“

          Udo beim Abrocken - Auch ohne Sonnenbrille bekommen ihn die 38.000 Fans „auf“ Schalke kurz zu sehen. Bilderstrecke
          Udo beim Abrocken - Auch ohne Sonnenbrille bekommen ihn die 38.000 Fans „auf“ Schalke kurz zu sehen. :

          Keine Panik! Lindenberg-Fans kommen voll auf ihre Kosten. Udo singt Stücke von seinem neuen Album wie „Plan B“ oder „Einer muss den Job ja machen“ und Klassiker wie „Hinterm Horizont“ und „Sonderzug nach Pankow“. Am Ende sind 34 Stücke auf die Bühne gekommen.

          Ex-Mitbewohner Marius und Otto

          Udo und sein Panikorchester haben viele Gäste. Marius Müller-Westernhagen singt mit Lindenberg „Sexy“ und das Stadion tobt, Otto Waalkes gibt Gas bei „Auf dem Heimweg wirds hell“, eine Parodie auf „Highway to hell“. Mit den beiden hatte Lindenberg mal in einer WG zusammengelebt. Jazz-Legende Klaus Doldinger ist auch mit einem Solo dabei. Dass er gerade 80 Jahre geworden ist, sieht man ihm sowenig an wie Udo die 70.

          Und sonst? Noch mehr, was schwebt: Beim Lied „Gösebrecht“ ein Ufo zum Beispiel, dem vier Tänzerinnen entsteigen. Und dann auch noch Herr Gösebrecht als Mars-Alien. Große Leinwände hinter dem Orchester zeigen jede Menge Videos passend zum Stück. Bei „Bodo Ballermann“ sehen die Zuschauer etwa einen jüngeren Udo Lindenberg beim Fußballtraining - wie überhaupt viele Fotos aus Udos bewegtem Leben zu sehen sind.

          Am Ende der runden Show sind die Zuschauer begeistert. Eine jüngere Frau sagt tatsächlich den Satz „Udo rockt echt ab“. „Grandios“ fand ein 47 Jahre alter Konzertbesucher die Show. „Ich bin eigentlich gar kein Lindenberg-Fan“, sagte er. „Hut ab vor seinen 70 Jahren.“

          „Wird es so nicht mehr geben“

          Bis zum 26. Juni sind 14 Konzerte unter dem Titel „Keine Panik! Tour 2016“ geplant. Einen „pompösen Abschlussball“ hatte Lindenberg die Tournee im Vorfeld genannt. „In dieser Form wird es die Shows nicht mehr geben.“ Die Tour ist für ihn das Ende einer Trilogie, die 2014 mit der ersten Stadion-Tour seiner Karriere begonnen hatte.

          Lindenberg und sein Panikorchester betreiben für die Konzertreise großen Aufwand: 31 Trucks transportieren unter anderem 200 Lautsprecher, 31 Kilometer Kabel und 300 Spezialscheinwerfer.

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