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In El Salvador : Wegen Totgeburt angeklagte Frau freigesprochen

  • Aktualisiert am

Bild: AFP

Drei Jahre lang saß eine heute 21 Jahre alte Frau in El Salvador in Haft, nachdem sie ein totes Kind zur Welt gebracht hatte. Jetzt wurde die Frau vom Vorwurf der vorsätzlichen Tötung freigesprochen. Ihr Schicksal ist kein Einzelfall.

          Evelyn Hernández drohten 40 Jahre Haft. Die Salvadorianerin hatte vor drei Jahren im achten Schwangerschaftsmonat in einer Toilette ein totes Kind zur Welt gebracht, wie sie beteuert. Doch die Staatsanwaltschaft glaubte ihr nicht und warf ihr zunächst Mord und später vorsätzliche Tötung vor. Drei Jahre saß die heute 21 Jahre alte Hernández in Haft. Am Montag wurde sie schließlich vom zuständigen Richter wegen Mangels an Beweisen freigesprochen. Frauen- und Menschenrechtler feierten das Urteil. Die Staatsanwaltschaft hat zehn Tage Zeit, um in Berufung zu gehen.

          Der Fall von Evelyn Hernández hat in El Salvador eine Debatte um das Tabuthema Schwangerschaftsabbruch ausgelöst. Die Abtreibungsgesetze im katholischen und zusehends auch von wertkonservativen evangelikalen Freikirchen beeinflussten Lateinamerika sind bis auf wenige Ausnahmen sehr streng. El Salvador gehört zu den Ländern Lateinamerikas mit den rigorosesten Gesetzen. Ein Schwangerschaftsabbruch ist dort unter keinen Umständen erlaubt, also auch nicht, wenn die Gesundheit der Mutter gefährdet oder die Schwangerschaft die Folge einer Vergewaltigung ist. Wer dennoch abtreibt, muss mit zwei bis acht Jahren Haft rechnen.

          Fälle, in denen Kinder tot zur Welt kommen oder kurz nach der Geburt sterben, werden oft als vorsätzliche Tötung eingestuft. Auch Hernández war ein Vergewaltigungsopfer. Dies wurde im Prozessverlauf jedoch nicht mehr thematisiert, aus Furcht des Opfers vor der Repression durch Banden in ihrem Wohnort. Hernández’ Schicksal ist kein Einzelfall. Sechzehn Frauen sitzen in El Salvador wegen Abtreibungen oder Totgeburten im Gefängnis. Menschenrechtsorganisationen kritisieren die Kriminalisierung dieser Frauen. El Salvadors neuer Präsident Nayib Bukele hat eine Verbesserung der Menschenrechtslage im Land versprochen. Ob er sich auch an das Tabuthema Abtreibung heranwagt, bleibt abzuwarten.

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