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Geburtskirche in Bethlehem : Die Engel leuchten wieder

Alessandri und die Restauratoren fanden auch heraus, weshalb die menschengroßen Engel glänzen. Die vergoldeten Mosaiksteine, die sich zum Beispiel in den Heiligenscheinen finden, sind nicht glatt gesetzt, sondern stark nach unten geneigt, so dass sie das Licht ins Kirchenschiff werfen und die Betrachter fast blenden. Für den Pflanzenschmuck verwendeten die Künstler reichlich Perlmutt und kräftigere Farben, als man sie aus italienischen Kirchen kennt. Pilger berichteten, überwältigt von dem üppigen Schmuck, der für Kirchen in der Kreuzfahrerzeit selten war. Er bedeckte das gesamte Längs- und Querschiff oberhalb der Säulen bis zur Holzdecke. Ein Mosaik, das die drei Weisen aus dem Morgenland zeigt, rettete angeblich die Kirche: Als die Perser im Heiligen Land fast alle christlichen Gebäude zerstörten, verschonten sie die Basilika in Bethlehem, weil die abgebildeten Könige persische Tracht trugen.

Die Kirche hat vielen Kriegen, Bränden und Naturkatastrophen getrotzt. Ihren Vorgängerbau hatte Kaiser Konstantin im Jahr 325 gestiftet. Er wurde zerstört und im sechsten Jahrhundert unter Kaiser Justinian wiedererbaut. Zuletzt belagerte die israelische Armee im Jahr 2002 mehr als einen Monat lang das Gebäude, in dem sich bewaffnete Palästinenser verschanzt hatten. Von den Mosaiken war schon zuvor nur ein trauriger Rest übriggeblieben. Nach dem Beginn der muslimischen Herrschaft über Palästina waren sie bald dem Verfall preisgegeben. Feuchtigkeit drang in die Wände ein, die Steine lockerten sich, ganze Mosaikflächen stürzten herab. Die Restauratoren fanden auch Bleikugeln, die wohl türkische Soldaten auf einige Engelsgesichter abgefeuert hatten; Palästina gehörte bis 1917 zum Osmanischen Reich. Danach regierten die Briten als Mandatsmacht das Heilige Land. Vergeblich machten sie einen ersten Anlauf, die Kirche zu renovieren.

Es dauerte Jahrzehnte, bis sich die drei christlichen Hausherren und die palästinensische Autonomiebehörde darauf einigten, die akut vom Verfall bedrohte Kirche zu retten, in der es in der Vergangenheit oft nicht sehr brüderlich zuging: Drei christliche Konfessionen wachen über ihre Rechte und wollen keinen Zentimeter preisgeben. Der Hauptteil und der Geburtsaltar gehören der griechisch-orthodoxen Kirche, der Dreikönigsaltar mit dem Silberstern den Katholiken und das nördliche Querschiff der armenisch-orthodoxen Kirche.

Neun Tonnen Eisennägel halten die alte Konstruktion zusammen

Seit 2013 geht die Restaurierung zügig voran. Überlebenswichtig war es zunächst, das Dach abzudichten, durch das Wasser eindrang. Nun ist die dicke Bleidecke wieder intakt, und die Holzbalken darunter sind saniert. Das Eichen- und Lärchenholz stammt aus Norditalien und aus Anatolien. Neun Tonnen Eisennägel halten die alte Konstruktion zusammen, von der die Restauratoren so viel erhielten, wie es nur ging. Beim Abdecken des Daches fand sich unter den Bleiplatten reichlich Lehm und Stroh: Die Dämmschicht verringerte im Sommer die Wärme in der Kirche unter nahöstlicher Sonne. Ein ausgefallener Mörtel und eine besondere Fugentechnik machten die Mauern nachgiebig genug, um den Erdbeben der Region standzuhalten.

Bis die Prozession der Engel wieder in voller Pracht erstrahlt, wird es nicht mehr lange dauern. Für die Restauratoren gibt es danach aber noch viel zu tun. Sie müssen Mauerrisse füllen, bevor sie dann den bemalten Säulen und den Mosaikboden in Angriff nehmen - wenn das Geld dafür reicht. Die palästinensische Autonomiebehörde, europäische Regierungen, der Vatikan, christliche Kirchen und private Spender sorgten bislang dafür, dass auf der Baustelle nicht Stillstand eintrat. Deutschland half dabei, die östliche Holztür des Kirchenschiffs wiederherzustellen, die mit Schnitzereien und Inschriften aus dem 13. Jahrhundert verziert ist. „Die Gesamtrenovierung kostet 15 Millionen Euro“, sagt Afif Tweme vom Renovierungskomitee. Aber nur für acht Millionen Euro gebe es bislang feste Zusagen.

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