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In Amerika : Studie zeigt Misstrauen durch MeToo

  • -Aktualisiert am

Alltagssexismus, Übergriffe und Machtmissbrauch: Unter dem Hashtag MeToo geben sich Betroffene zu erkennen. Bild: dpa

Das Hashtag #MeToo löste eine weltweite Debatte über Sexismus, Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen aus. Wissenschaftlerinnen wollen jetzt herausgefunden haben, dass die Bewegung auch zu Nachteilen für Frauen führte.

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          Die MeToo-Bewegung hat in den Vereinigten Staaten Misstrauen am Arbeitsplatz geschürt. Laut einer Studie der Wirtschaftswissenschaftlerinnen Leanne Atwater und Rachel Sturm gab einer von fünf männlichen Befragten an, eher ungern attraktive Frauen anzustellen. Jeder vierte männliche Teilnehmer der Untersuchung gab an, Treffen unter vier Augen mit weiblichen Kollegen zu meiden.

          Aus Angst vor Missverständnissen zögen es viele zudem vor, auf Händeschütteln und gemeinsame Dienstreisen zu verzichten. „Wenn Männer sagen, dass sie Frauen nicht mehr anstellen, nicht mehr auf Dienstreisen schicken und von gemeinsamen Aktivitäten ausschließen, ist das ein Rückschritt“, sagte Sturm, die an der Wright State University in Ohio forscht, der „Harvard Business Review“.

          Die Wissenschaftlerinnen machten zudem einen Trend aus. In den Monaten nach den Anfängen von #MeToo im Herbst 2017 registrierten sie eine größere Zurückhaltung männlicher Arbeitnehmer gegenüber weiblichen Kollegen als zuvor. Die Daten, die sie Anfang 2019 für die Studie „The #MeToo Backlash“ sammelten, stellten eine weitere Verschärfung dar.

          Die für die September-Ausgabe der Fachzeitschrift „Organizational Dynamics“ angekündigte Studie zeigte aber auch, dass Frauen und Männer sexuelle Belästigung ähnlich definieren. So werteten beide Geschlechter wiederholte Einladungen eines Vorgesetzten an eine ihm unterstellte Mitarbeiterin als Übergriff, wenn sie bereits frühere Angebote ablehnte.

          Auch sexuell anzügliche Witze gegenüber Untergebenen wurden von Frauen und Männern als Belästigung interpretiert. „Die meisten Männer und Frauen wissen genau, was sexuelle Belästigung ausmacht“, sagte Atwater. „Die Vorstellung, dass Männer nicht wissen, wie schlecht sie sich benehmen, und dass Frauen aus einer Mücke einen Elefanten machen, ist falsch.“

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