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Werner Schneyder gestorben : Immer vielfarbig

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Werner Schneyder, geboren am 25. Januar 1937 in Graz, gestorben am 2. März 2019 in Wien Bild: dpa

„Was ich tue, muss mir maximalen Spaß machen“, hat er einmal gesagt – und ist nicht allein als Kabarettist, sondern auch als Boxkritiker, Autor und Regisseur bekannt geworden. Jetzt ist Werner Schneyder im Alter von 82 Jahren gestorben.

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          Er kokettierte gerne damit, ein „Universaldilettant“ zu sein. Dabei war Werner Schneyder ein versiertes Schwergewicht auf allen Bühnen, die er bespielte: als Kabarettist, Autor, Theaterregisseur, Feuilletonist, Drehbuchautor, Schauspieler – und auch als unbestechlicher Kommentator am Boxring. Auf allen Feldern gesegnet mit einer ansteckenden Lust und Freude am Widerspruch, die ihn zum kongenialen Partner von Kabarett-Legende Dieter Hildebrandt machten. Der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen, für den sich sein Landsmann Schneyder im Präsidentschaftswahlkampf 2016 stark gemacht hatte, würdigte den Grazer am Sonntag als einen der „vielfältigsten und beliebtesten Künstler“ seines Landes.

          Groß von Statur, prinzipienfest in seinen Ansichten, konziliant, verstand er sich auch auf Wiener Schmäh – sogar wenn es um so eine bierernste Angelegenheit wie den Sport ging. Von 1992 bis 1999 begrüßte er die RTL-Zuschauer an Fernseh-Boxabenden in der Ära mit Henry Maske und Axel Schulz mit den einleitenden Worten „Boxfreunde, Boxskeptiker und Boxgegner“. Er selbst hatte Boxlektionen am eigenen Leib hinter sich, besaß die Lizenz als Ringrichter und war in seinem Urteil so schonungslos und freimütig, dass mancher Boxer Schneyders Biss nicht nur mit gequältem Blick quittierte. Vergleichbar war das mit den Reaktionen ostdeutscher Politfunktionäre, die das Gastspiel der Münchner Lach-und Schießgesellschaft im selbsternannten Arbeiter-und Bauernstaat mit dem Duo Hildebrandt/Schneyder in Höchstform als schwer verdaulich empfanden.

          Für den Boxkritiker, als er noch am Ring saß, hat sich der Blick in die Zukunft bestätigt: „Zur Zeit hat die Branche wieder Konjunktur. Aber die Krise kommt naturgegeben wieder. Ein Mensch, der auf der Höhe seiner Karriere mit dem Kabarett aufgehört hat, der kann mit dem Boxen aufhören.“ Als Kabarettist, Autor, Theaterregisseur, Drehbuchautor, Theaterschauspieler und Kolumnist ist er in die Verlängerung gegangen.

          Werner Schneyder begann seine Karriere als freier Lokal-und Sportreporter, er erwarb einen Doktortitel in Publizistik, passte aber nie so recht in eine Genre-Schublade. Scharfzüngig und süffisant sah er sich als immer politisch vielfarbig: „Ich bin in einigen Punkten erzkonservativ, in anderen tief grün, flächendeckend liberal und sozialpolitisch sehr links“, so Schneyder über Schneyder. „Was ich tue, muss mir maximalen Spaß machen“, hat der gebürtige Grazer einmal gesagt. „Mein Weg ist ausgeschritten“, formulierte er vor Jahren, „ich hatte gesagt, was zu sagen war, besser konnte ich es nicht mehr, und in Variationen sehe ich keinen Sinn.“ Am Sonntag ist Werner Schneyder im Alter von 82 Jahren in Wien gestorben.

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