https://www.faz.net/-gum-8hzr3

Einwanderung nach Amerika : Jetzt kommen die Chinesen

  • -Aktualisiert am

Auf dem Weg in ein neues Leben: Immer mehr Chinesen zieht es in die Vereinigten Staaten. Bild: AFP

Da hilft keine Mauer: Immer mehr Chinesen verlassen ihre Heimat und wandern in die Vereinigten Staaten ein – sowohl legal als auch illegal. Dabei überholen sie mittlerweile sogar die Mexikaner.

          2 Min.

          An der Grenze zwischen Mexiko und Kalifornien wandern immer mehr Chinesen illegal nach Amerika ein. Wie die Zoll- und Grenzschutzbehörde der Vereinigten Staaten (CBP) am Dienstag mitteilte, nahm die Polizei in den vergangenen acht Monaten mehr als 650 Chinesen fest, die versuchten, die Grenze ohne Visum zu passieren.

          Im Vorjahr hatten die CBP-Beamten in der Region um San Diego dagegen nur etwa 50 illegale Einwanderer aus China aufgegriffen. „Die Zahl hochqualifizierter Kräfte, die China verlassen, nimmt aber rasch zu. Die Elite und die wachsende Mittelklasse des Landes suchen immer öfter Arbeit im Ausland“, fasste das Washingtoner Institut für Migration den Trend zusammen.

          Mehr Chinesen, weniger Mexikaner

          Weil vor allem wohlhabende Chinesen versuchen, ohne Visum nach Kalifornien zu kommen, sollen sich viele Schlepperbanden inzwischen auf die Asiaten spezialisiert haben. Wie die Zoll- und Grenzschutzbehörde herausfand, verlangen die Schlepper bis zu 70.000 Dollar, um die Einreise eines Chinesen über die mexikanische Grenze zu organisieren. „Bei großen Entfernungen müssen die kriminellen Organisationen mehr planen. Das ist in der Regel teuer“, sagte die CBP-Sprecherin Wendi Lee der „Los Angeles Times“.

          Nach Schätzungen leben schon mehr als 300.000 Chinesen ohne Aufenthaltserlaubnis in den Vereinigten Staaten. Sie zählen zu den größten Gruppen der „illegales“. Die kalifornischen Behörden registrieren aber auch immer mehr legale Einwanderer aus China. Im Jahr 2014 zählten sie fast 33.000 Chinesen, fast dreimal so viel wie im Jahr 2005. Die Zahl der Mexikaner sank dagegen um etwa zwei Drittel. Während im Jahr 2005 noch fast 100.000 Einwanderer aus Mexiko die Grenze von Süden nach Norden passierten, waren es nach Angaben des kalifornischen Instituts für Öffentliche Politik im Jahr 2014 nur noch etwa 30.000.

          Nach Jahrzehnten löste China damit Mexiko als Herkunftsland der meisten kalifornischen Einwanderer ab. Amerikanische Demographen erwarten, dass auch Indien in den nächsten Monaten Mexiko überholen wird. Im Jahr 2014 waren schon fast 29.500 Menschen aus dem südasiatischen Staat in den Golden State gekommen. Wie hochqualifizierte Chinesen werden auch Inder häufig in der Technologiebranche des Silicon Valley beschäftigt. Da in den vergangenen Jahren in der kalifornischen Land- und Bauwirtschaft viele Stellen wegfielen, zog es gleichzeitig weniger Mexikaner nach Kalifornien.

          Kalifornier fürchten Zunahme des Gebärtourismus

          Der Pazifikstaat gehört traditionell zu den Regionen der Vereinigten Staaten, die illegale Einwanderer bevorzugt als neue Heimat wählen. Laut einer Studie des Migration Policy Institute lebt fast ein Viertel aller etwa elf Millionen „illegales“ in Kalifornien. Fast jeder Sechste ließ sich im Süden des Bundesstaates in der Nähe der Grenze zu Mexiko nieder.

          Während Technologieunternehmen den Influx hochqualifizierter Chinesen mit Arbeitsvisa unterstützen, befürchten viele Kalifornier die Zunahme des sogenannten Gebärtourismus. Jedes Jahr reisen Tausende schwangere Chinesinnen in den Golden State, um dem Nachwuchs durch die Geburt in den Vereinigten Staaten einen amerikanischen Pass zu sichern. Da die wohlhabenden Asiatinnen während der Monate vor der Entbindung nicht auf Annehmlichkeiten verzichten möchten, richten Unternehmen, die auf Gebärtourismus spezialisiert sind, in ruhigen Wohnvierteln immer wieder Entbindungshotels her.

          In den vergangenen Jahren wurden in Chino Hills, Hacienda Heights und dem asiatisch geprägten Rowland Heights daher Bürgerinitiativen gebildet, um gegen „Maternity Hotels“ vorzugehen. Sie fordern, die illegal betriebenen Unterkünfte mit baurechtlichen Vorgaben zu verhindern und ihre Betreiber mit Steuern zu belegen. Republikanische Kongressabgeordnete erwägen zudem, den 14. Zusatzartikel der Verfassung zu ändern, um nicht jedem Kind, das in den Vereinigten Staaten zur Welt kommt, einen Pass ausstellen zu müssen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Er gibt weiter die Richtung vor: Markus Söder am Donnerstag mit Melanie Huml.

          Test-Panne in Bayern : Söders Grenzen

          Der CSU-Ministerpräsident schüttelt sich kurz. Dann ist Bayern wieder spitze. War etwas? Zum ersten Mal in seiner Amtszeit könnte Markus Söder Bayern als Heimat tatsächlich groß genug sein.
          „Das Eis ist gebrochen“: Trump erhält im Weißen Haus Applaus von Mitarbeitern zu dem Abkommen.

          Israel und Arabische Emirate : Es geht um eine Allianz gegen Iran

          Ein doppelter Gewinn für Netanjahu: Israel nimmt diplomatische Beziehungen zu den Vereinigten Arabischen Emiraten auf und setzt dafür eine Annexion aus, die ohnehin heikel war. Doch auch andere profitieren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.