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Im Weltkrieg bis 1974 : Japans ewiger Soldat

Im März 1974 händigt Hiroo Onoda (mitte) nach fast 30 Jahren im Dschungel sein Schwert aus Bild: REUTERS

Die Geschichte des Hiroo Onoda klingt wie aus einem Film: Nach der Kapitulation Japans wollte der Soldat nicht glauben, dass der Zweite Weltkrieg beendet war - und kämpfte im Dschungel bis 1974 weiter. Nun ist er gestorben.

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          Selbst der japanische Kabinetts-Staatsminister Yoshihide Suga gestattete sich jetzt einen Scherz: „Ich erinnere mich noch genau, wie beruhigt ich war, dass der Krieg tatsächlich zu Ende ist, als Herr Onoda nach Japan zurückkehrte.“ Hiroo Onoda, ein früherer Geheimdienstoffizier der Kaiserlichen Armee, hatte bis in den März 1974 im Dschungel der philippinischen Insel Lubong die Stellung gehalten, weil er nicht wusste und nicht glauben wollte, dass der Zweite Weltkrieg zu Ende ist. Am Donnerstag starb Japans letzter Weltkriegs-Kämpfer in einem Krankenhaus in Tokio an einem Herzinfarkt, wie seine Familie am Freitag mitteilte. Er wurde 91 Jahre alt.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Onoda war von 1944 an auf der Insel Lubang stationiert. Als 1945 amerikanische Truppen das Gebiet einnahmen, versteckte er sich im Dschungel. Bald darauf, im August 1945, kapitulierte Japan. Den Flugblättern, die das Kriegsende verkündeten, misstraute Onoda. Stattdessen führte er jahrelang eine Art privaten Guerillakrieg, dem etwa 30 Menschen zum Opfer fielen. Erst als die philippinischen Behörden Onodas ehemaligen japanischen Vorgesetzten ausfindig gemacht hatten und dieser seinem früheren Untergebenen 1974 den Befehl zur Kapitulation erteilte, ergab er sich.

          Am 11. März 1974 verließ Hiroo Onoda den Dschungel auf Lubang. Bilderstrecke

          Zu dem Zeitpunkt trug Onoda immer noch seine Uniform, sein Schwert und sein Gewehr samt Munition bei sich. Im März 1974 kehrte er nach Japan zurück, erst da endete für ihn der Zweite Weltkrieg. Ein Jahr später wanderte er nach Brasilien aus, wo er einen Bauernhof bewirtschaftete und Viehzüchter wurde.

          Obwohl der japanische Soldat während seines Privatkrieges viele Menschen auf der Insel getötet und Dutzende verwundet hatte, wurde er vom damaligen philippinischen Präsidenten Ferdinand Marcos begnadigt. Nach einigen Jahren als Viehzüchter kehrte Onoda zurück nach Japan. Anlass waren Berichte über die wachsende Gewalt an den Schulen in der, wie er sie nannte, „Überflussgesellschaft Japan“.

          Er gründete eine Naturschule, um mit einer naturorientierten Erziehung gegen den Werteverfall in Japans Gesellschaft anzugehen. Erst 1996 kehrte er für einen Besuch auf die Insel Lubang zurück. Die Erlebnisse des Soldaten, der den Zweiten Weltkrieg bis fast 30 Jahre nach der Kapitulation Japans weiterführte, war Stoff für Filme und Bücher. So blickte er in einer Dokumentation unter dem Titel „The Last Surrender“ aus dem Jahr 2001 auf sein Leben zurück.

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