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Im Visier der Behörden : Chaplin war Chaplin

Er war kein anderer: Charlie Chaplin, aufgenommen im Jahr 1914 Bild: dapd

Als radikal, aber nicht als kommunistisch stufte der MI5 Charlie Chaplin in den Fünfziger Jahren ein. Die Hysterie der Amerikaner teilten britische Geheimdienste damit nicht.

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          Charlie Chaplin war in den fünfziger Jahren wegen angeblicher Sympathien für den Kommunismus nicht nur im Visier der amerikanischen Sicherheitsbehörden, sondern wurde auch vom britischen Inlandsgeheimdienst MI5 beobachtet. Nach einem jetzt enthüllten Dossier erbaten die amerikanischen Geheimdienste die Mithilfe der britischen Kollegen im Jahr 1952 - damals wurde Chaplin offenkundig auf Betreiben des FBI-Chefs Edgar Hoover die Rückkehr nach Amerika verweigert. Die Agenten von MI5 sollten vor allem herausfinden, ob Chaplin, der auch in seinen amerikanischen Jahren seinen britischen Pass behalten hatte, womöglich eine andere Identität hatte, die er verschwieg.

          Kein Sicherheitsrisiko

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Der Inlandsgeheimdienst ihrer Majestät scheiterte offenbar an dieser Aufgabe - es gelang den Agenten nicht, eine Geburtsurkunde oder andere Dokumente zu beschaffen, die Chaplins Herkunft aus Walworth im Süden Londons zweifelsfrei belegen konnten. Die Akten stellen fest, Chaplin sei entweder nicht in England geboren, oder er habe einen anderen Geburtsnamen als den später geführten. Amerikanische Mutmaßungen, dass Chaplins eigentlicher Name „Israel Thornstein“ sei, konnten die britischen Geheimdienste nicht bestätigen; sie fanden auch keine Belege für Gerüchte, wonach Charles Spencer Chaplin Jr. in Frankreich geboren worden sei.

          Im Jahr 1972 schließlich kehrte er nach Amerika zurück, um einen Oscar für sein Lebenswerk in Empfang zu nehmen

          Außerdem teilten die britischen Sicherheitsbehörden offenbar auch nicht die antikommunistische Hysterie der amerikanischen McCarthy-Ära: sie stuften Chaplins Ansichten als radikal, nicht aber als kommunistisch ein und sahen kein Sicherheitsrisiko in seinem Aufenthalt im Vereinigten Königreich. Nachdem Chaplin die Rückkehr nach Amerika 1952 verwehrt worden war, ließ er sich in der Schweiz nieder. Seine letzten Filme drehte er in London, unter anderem die bittere Komödie „Ein König in New York“, in der er sich über die amerikanische Kommunistenfurcht der fünfziger Jahre lustig zu machen versuchte. Chaplin kehrte schließlich im Jahr 1972 nach Hollywood zurück, um einen Oscar für sein Lebenswerk in Empfang zu nehmen; in Großbritannien wurde er drei Jahre später zum Ritter geschlagen.

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