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Suchtbericht 2019 : Jugendliche kiffen mehr

  • -Aktualisiert am

Bei Jugendlichen steigt der illegale Konsum von Cannabis seit Jahren wieder leicht an. Bild: dpa

Die neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung kritisiert, dass der Gebrauch von E-Zigaretten in Deutschland verharmlost wird und fordert ein Werbeverbot. Auch Cannabis sei nicht nur „irgendein Kraut“.

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          Ihr Auftritt ist freundlich und gewinnend, in der Sache wirkt sie kompetent. Vor allem aber lässt Daniela Ludwig keinen Zweifel daran, dass sie eine Freundin klarer Worte ist und eine eigene Agenda verfolgt. „Das ist blanker Unsinn“, sagt die neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung zum Beispiel, um die zugegebenermaßen bizarre Idee einer Berliner Grünen-Abgeordneten vom Tisch zu wischen, die vor einigen Wochen eine Eigenbedarfsregelung für kleine Mengen Heroin und Kokain ins Gespräch gebracht hatte: Allein der Vorschlag, so die CSU-Politikerin, suggeriere eine Harmlosigkeit, für die sie wenig Verständnis habe. Der einmalige Konsum dieser illegalen Drogen könne tödlich sein; Kokain- und Heroin-Abhängige seien „schwer kranke Menschen“, denen verstärkt mit Hilfe von Substitutionsprogrammen aus der Sucht geholfen werden müsse.

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auch mit Blick auf das in der Diskussion befindliche Werbeverbot für Tabakprodukte vertritt Ludwig einen eindeutigen Standpunkt. „Die E-Zigarette ist kein Wellnessprodukt“, sagte die Vierundvierzigjährige am Dienstag in Berlin. Als „In-Produkt“ kämen E-Zigaretten gerade bei jungen Menschen „extrem gut“ an, ohne dass die Schädlichkeit auf lange Sicht erforscht sei. Ginge es nach ihrem Willen, würde Werbung künftig nicht nur für klassische Zigaretten, sondern auch für Erhitzer und E-Zigaretten untersagt. Ob Ludwig mit dieser Position in den aktuellen Regierungsverhandlungen Gehör findet, ist allerdings unklar. Sie kündigte an, dass sich die Koalition hoffentlich noch in diesem Jahr auf ein Verbot einigen werde.

          „Frischen Wind“ hatte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) versprochen, als er Mitte September die Juristin aus München, die zwei Kinder hat und seit 2002 im Deutschen Bundestag sitzt, als neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung vorstellte. Nicht einmal sieben Wochen später hat Daniela Ludwig nun mit dem mehr als 200 Seiten starken Drogen- und Suchtbericht 2019 weniger eine Bilanz ihrer Arbeit als vielmehr eine Mischung aus Bestandsaufnahme und Absichtserklärung vorgelegt.

          Sie will mit beiden Seiten reden

          Die CSU-Politikerin sprach von einer Reihe „guter Entwicklungen“: Laut Bericht ist die Raucherquote bei Erwachsenen seit 2003 kontinuierlich auf jetzt 28 Prozent gesunken. Der Anteil rauchender Jugendlicher hat sich in den vergangenen 10 bis 15 Jahren um zwei Drittel verringert. Nichtsdestotrotz sterben Ludwig zufolge nach wie vor jedes Jahr 120.000 Menschen am Tabakkonsum oder den Folgen des Rauchens, weshalb die Prävention – Stichwort Werbeverbot – wichtig bleibe. Die Gefahren des Shisha-Rauchens, das genauso gesundheitsschädlich sei und ähnlich schnell abhängig mache wie herkömmliche Zigaretten, werden der Drogenbeauftragten zufolge „massiv unterschätzt“.

          Wie aus dem Bericht hervorgeht, ist auch die Zahl der Jugendlichen, die regelmäßig – also mindestens einmal die Woche – Alkohol trinken, stark zurückgegangen: von mehr als 20 Prozent im Jahr 2004 auf aktuell knapp neun, wobei die Quote bei den Jungen höher liegt als bei den Mädchen. Generell zählt Deutschland im internationalen Vergleich weiterhin zu den Ländern mit hohem Alkoholkonsum. Cannabis bleibt derweil die prominenteste illegale Droge: Während der Konsum bei Erwachsenen schwankt, steigt er bei Jugendlichen seit 2011 leicht an. Hier legt sich die neue Drogenbeauftragte ganz bewusst noch nicht auf eine klare Linie fest.

          „Bei dem Thema stelle ich fest, das treibt viele Menschen um, Cannabis beschäftigt sie“, sagte Ludwig. Sie wolle „ohne Scheuklappen“ sowohl mit den Anhängern einer harten Verbotspolitik als auch mit den Befürwortern einer Legalisierung ins Gespräch kommen, um die entstandene „gesellschaftliche Spaltung“ zu überwinden. „Ein offener Dialog ist mein Ziel“, sagte Ludwig. Gerade für junge Menschen müsse allerdings klar sein: „Cannabis ist nicht einfach ein Kraut, Cannabis kann gefährlich sein.“

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