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Komiker John Cleese : „Ich muss ja weiter Geld verdienen“

Die Erkenntnis, dass manche Leute einen ohnehin nie mögen werden, macht für Cleese vieles leichter. Bild: INTERTOPICS/MediaPunch

Die britische Komikerlegende John Cleese im Gespräch übers Tourleben mit 78, Unterhaltszahlungen in Höhe von 20 Millionen Dollar und die Grabrede, die er auf sich selbst halten wird.

          Das Dasein als lebende britische Komikerlegende könnte sehr beschaulich sein: gemütlich im Ohrensessel sitzen und Tee trinken, Tantiemen kassieren, ab und zu einen Preis fürs Lebenswerk entgegennehmen, wunderbar. John Cleese hat in seiner langen Karriere reichlich Lorbeer gesammelt, um sich bequem drauf ausruhen zu können: Er war Mitbegründer, markantester Kopf und auch Körper (1,96 Meter) der Comedy-Gruppe Monty Python, Schöpfer und Hauptdarsteller der genialen Hotel-Serie „Fawlty Towers“ und des Filmklassikers „Ein Fisch namens Wanda“, Nebendarsteller in den James-Bond- und Harry-Potter-Blockbustern. 78 Jahre alt ist Cleese jetzt, doch sein Alltag ist alles andere als beschaulich. Gerade hat er eine Europa-Tournee begonnen, bei der er in anderthalb Monaten 33 Auftritte in Norwegen, Finnland, Dänemark, Island, Belgien, den Niederlanden, Deutschland, Österreich und in der Schweiz absolvieren wird. In der Schweiz befindet sich John Cleese auch gerade, als wir ihn am Telefon erreichen.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mister Cleese, Sie haben ohne Zweifel die lustigsten Tournee-Titel in der Showbranche. Es gab die „Alimente-Tour“, es gab „John Cleese – sein Leben, seine Zeiten und seine gegenwärtigen gesundheitlichen Probleme“, und nun touren Sie durch Europa mit „Last Time to See Me Before I Die“ – die letzte Chance, Sie zu erleben, bevor Sie sterben. Da kann man natürlich nicht umhin, Sie zu fragen: Wie geht es Ihnen gerade?

          Anfang vergangener Woche habe ich mich ziemlich müde gefühlt. Ich habe in Nordamerika 17 Shows in 21 Tagen gemacht, von Ottawa über Winnipeg, Seattle, den ganzen Weg nach Kalifornien runter über Texas, dann New Orleans und wieder zurück nach Kanada und zwei weitere Shows in Virginia. Ich bin zehnmal geflogen. Aber jetzt bin ich gerade in einer Schweizer Klinik, wo ich jedes Jahr einen Gesundheitscheck bekomme, und die Werte sind recht gut. Möglicherweise mache ich eine weitere „Last Time to See Me Before I Die“-Tour.

          Schamhaft: Cleese in „Ein Fisch namens Wanda“.

          Dann gäbe es nach der letzten noch eine allerletzte Chance, Sie zu sehen. Würden dann die Leute, die die letzte Chance genutzt haben, ihr Geld zurückbekommen?

          Die Leute bekommen stets eine brandneue Show. Diejenige, die ich jetzt aufführe, ist ganz anders als die „Last Time to See Me Before I Die“-Shows, die ich schon früher mal gemacht habe.

          Es liegt ja womöglich auch noch ein sehr langer Weg vor Ihnen. Ihre Mutter ist 101 Jahre alt geworden.

          Und mein Vater wurde 78, aber er hat vierzig Zigaretten am Tag geraucht und ist an Bronchitis und einem Lungenemphysem gestorben. Andernfalls hätte er es auch in seine Neunziger geschafft. Ich habe also gute Gene, hoffe ich. Denn ich finde das Leben gerade viel interessanter und spaßiger als je zuvor.

          Älterwerden ist demnach eine gute Sache?

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