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Im Gespräch: Pierce Brosnan : „Mit meinem Alter Ego muss ich leben“

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Also, ich male. Deswegen habe ich oft eine kleine Staffelei dabei, die ich aufbaue. Und dann reise ich immer mit meinen Flöten und der Ukulele. Ich versuche herauszufinden, wo man gut essen kann, wo die besten Restaurants sind. Ich erkundige mich nach Galerien und Museen, und dann versuche ich, möglichst schnell mit den Kollegen warm zu werden, um eine kleine Gemeinschaft zu gründen.

Wo haben Sie Ihre ersten Filme gesehen?

ADa wo ich aufgewachsen bin gab es nur zwei Lichtspielhäuser: das „Lyric“ und das „Palace“. Der erste Film, der mich wirklich beeindruckte, war „Flucht in Ketten“ mit Tony Curtis und Sidney Portier. Dieser schwarze und der weiße Mann aneinander gekettet, es hat mich richtig mitgenommen. Obwohl ich nicht alles verstanden habe, denn ich lebte ja auf dem Dorf und kannte nur das Landleben. Und als ich Irland dann 1964 verlassen habe, sah ich „Goldfinger“, meinen ersten James Bond-Film mit dieser schönen nackten Frau. Mensch, das war phantastisch.

Wollten Sie 007 sein?

Nein, ich wollte Oddjob sein, Goldfingers Gehilfe, und genau so einen Hut haben. Ich war damals noch wirklich unschuldig. Ich war ja erst 15, und alles, was ich dabeihatte, war eine Mappe mit Bildern und Zeichnungen. Das war mein Ticket raus in die Welt. Denn ich wollte nicht Tischler oder Elektriker werden, wie all meine Kumpel. Ich wollte etwas mit Kunst machen. Mein lieber Vater hielt mich für etwas seltsam, das weiß ich. Er war sich nicht ganz sicher, was ich meinte und was er davon halten sollte. Aber er war ein guter Mann. Und es gab sowieso nichts, was mich hätte aufhalten können. Als ich die Schauspielerei entdeckt hatte, war es um mich geschehen. Mit 17 ging ich zu einem Workshop im „Oval House Theatre“ in Süd-London, ohne zu wissen, was das überhaupt ist.

Was passierte da?

Ich hatte Angst, aber gleichzeitig war es auch unglaublich aufregend. Da war dieser große schwarze Raum, wir mussten uns auf den Boden legen, die Augen schließen und summen. Dann haben wir mit geschlossenen Augen die Gesichter der anderen ertastet. Ich dachte: Das ist großartig! Mensch, diese Frauen sind schön! Erst habe ich experimentelles Theater gemacht. Es war fremd, aber ich habe mich sofort wohl gefühlt.

Fühlten Sie sich da zum ersten Mal in ihrem Leben frei?

Ja, denn ich war katholisch erzogen worden. In der Kirche ging es immer um Scham. Wenn du dies oder jenes tust, bist du ein böser Mensch. Und auf einmal war alles für mich möglich. Und was immer da in mir brannte, durfte ich plötzlich herauslassen. Mein erster Auftritt war in „Der kleine Prinz“.

Sie haben im Leben einige Schicksalsschläge erlebt. Woher haben Sie immer wieder die Energie genommen, um sie zu verarbeiten?

Das ist schwer zu sagen, ich bin nun einmal aus diesem Holz geschnitzt. So seltsam es klingt, aber da ist immer noch dieser katholische Glaube in mir. Und der hat mir über die Jahre sehr geholfen. Ich bin gläubiger Katholik. Und auch, wenn meine ganze Welt auseinanderfiel, habe ich weitergemacht. Vielleicht ist das auch typisch irisch. Außerdem genieße ich immer das Leben und die Menschen, auch wenn die Zeiten hart sind. Wir wollen doch alle glücklich sein, oder? Und du musst einen Weg finden, wenn es gerade mal nicht gut läuft, wenn keiner etwas von dir wissen will und man deine Arbeit für großen Mist hält. Dann muss man stark sein.

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