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Im Gespräch: Pierce Brosnan : „Mit meinem Alter Ego muss ich leben“

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Sie spielen nun einen Moderator, der nach einem Skandal zur „Persona non grata“ wird. Haben Sie Angst davor, irgendwann nicht mehr prominent zu sein?

Ich gestehe ganz offen, als ich mit „Remington Steele“ bekannt wurde, habe ich die Aufmerksamkeit genossen. Wenn die Kinder sagten, mich habe gerade jemand erkannt, wollte ich wissen, wer das war, und habe mich ehrlich darüber gefreut. Am Ende hatten wir ein Code-Wort für solche Situationen, wenn ich irgendwo Aufmerksamkeit erregt habe. Fragen Sie mich bitte nicht, warum, aber wir sagten dann immer „H2O“. Irgendwann hieß es nur noch: „Dad, H2O.“ Und ich wusste Bescheid. Am Anfang war das so ein unschuldiger Spaß. Aber je länger es dauert, desto mehr verändert es sich.

„A Long Way Down“ läuft ab Donnerstag in den Kinos
„A Long Way Down“ läuft ab Donnerstag in den Kinos : Bild: dpa

Was verändert sich?

Irgendwann machst du dich selbst krank. Ich konnte meine Eitelkeit nicht mehr ertragen. Und dann wird die Show abgesetzt, und plötzlich interessiert sich auch niemand mehr für dich. Kurz: Ich kenne den Mann, den ich da spiele. Ich hatte keinen Skandal, aber ich kenne das Gefühl, plötzlich nicht mehr im Rampenlicht zu stehen. Da musst du lernen loszulassen. Diese Popularität ist etwas sehr Flüchtiges. Du bist „Bond“, das ist eine Riesensache, und dann macht ein anderer Mann deinen Job. Du wirst immer wieder auf dich selbst zurückgeworfen und musst damit leben.

Wie lebt man damit?

Genieße das Leben, sei glücklich und arbeite. Ich habe das Glück, einen Beruf auszuüben, den ich liebe. Und es hilft, eine Familie zu haben, die dich auffängt. Aber obwohl ich meinen Beruf liebe, sind da immer diese Tage, an denen ich mich nicht wohl in meiner Haut fühle, ein anderer sein will und keine Lust mehr auf mich habe. Trotzdem lastet das ganze Gewicht der Welt auf deinen Schultern, und du musst nett zu allen sein. Und da gibt es natürlich Kollegen, die das in solchen Momenten nicht können und gemein werden. Wenn ich in Gefahr war, den Bodenkontakt zu verlieren, haben mich meine Frau und die Kinder immer wieder runtergeholt. Und ich habe nie meine Erziehung vergessen: irisch-katholisch. Das hat mich geprägt.

Sie sind in sehr bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen.

Ja, wir hatten kaum Geld. Aber die Geschichte meiner Jugend muss ich mir für meine Memoiren aufheben. Ich komme mir gerade vor wie bei der Beichte. Ein paar Geschichten muss ich für mich behalten. Aber mein Leben hat sich seit meiner Kindheit in eine sehr positive Richtung entwickelt.

Wann schreiben Sie Ihre Memoiren?

Das ist eine gute Frage! Ich habe bereits einige Aspekte für eine Rohfassung formuliert und mache mir Gedanken, wie das Buch aussehen könnte. Ganz ehrlich? Biographien können so verdammt langweilig sein, weil du immer mit deiner Kindheit anfangen musst. Ich möchte lieber gleich mit dem spannenden Teil anfangen, wie in einem Film von Quentin Tarantino. Du beginnst mit knalliger Action und arbeitest später die frühe Vergangenheit ein. Wie du es drehst und wendest, irgendwie sitzt da in diesem Genre immer der alte Mann, der in Erinnerungen schwelgt. Wenn mir das bewusst wird, denke ich jedes Mal: Mein Gott, wie langweilig. Ich bin ein alter Sack geworden.

Sie sagen, es gab Augenblicke, in denen Sie sich selbst krank gemacht haben. Passiert das nicht zwangsläufig, wenn man ständig mit seinem eigenen Bild konfrontiert wird?

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