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Interview mit Tom Hanks : „Keine Sorge, der Zirkus zieht auch wieder weiter“

Er gilt als einer der erfolgreichsten Darsteller aller Zeiten: Schauspiellegende Tom Hanks Bild: Getty

Schauspieler Tom Hanks gehört zu den wichtigsten Charakterdarstellern Hollywoods. Hier spricht er über den Wahlkampf in Amerika, das Leben als Scheidungskind und Männer in der Krise.

          Tom Hanks, so könnte man sagen, ist ein Sprudler. Trifft man ihn zum Interview, sprudeln die Gedanken und Geschichten regelrecht aus ihm heraus, und ein Scherz ist auch selten weit, oft mit der unbewegten Miene des erfahrenen Komödianten vorgetragen. Auch heute, in einem Berliner Nobelhotel, ist das so; Hanks, 59, bei dem zwei Oscars im Schrank stehen und dessen Filme – darunter Titel wie „Splash“, „Schlaflos in Seattle“, „Philadelphia“, „Apollo 13“ und „Der Soldat James Ryan“ – mehr als acht Milliarden Dollar eingespielt haben, ist hier, um über seinen neuesten Film zu reden, „Ein Hologramm für den König“, bei dem der Deutsche Tom Tykwer Regie geführt hat. Der amerikanische Superstar wirkt zwar ein wenig müde, aber aufgeräumt.

          Bertram  Eisenhauer

          Verantwortlich für das Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mr. Hanks, als wir das letzte Mal sprachen, 2012, waren Sie zusammen mit Halle Berry hier, um ihren gemeinsamen Film „Cloud Atlas“ zu bewerben, und es kam zu dieser eigenartigen Episode in einer deutschen Fernsehshow . . .

          Ja, „Wetten, dass. . . ?“. (lacht) Ich muss mich dafür noch mal entschuldigen. Ich weiß immer noch nicht, warum ich volle dreieinhalb Stunden dort verbringen musste.

          Und man Ihnen diese Tiermütze aufsetzte.

          Ja, als einer der Bremer Stadtmusikanten.

          Das setzte Sie und Halle Berry schon ein bisschen der Lächerlichkeit aus. 

          Danach kamen Kollegen von mir hin und wieder aus Deutschland zurück, wo sie Pressearbeit gemacht hatten, und ich fragte sie: Warst du auch bei „Wetten, dass . . .?“? Ich begreife nicht, worum es geht bei der Show, aber es ist die ganz große Nummer.

          Aber Sie haben sich inzwischen von der Sache erholt?

          Ja, mir geht’s gut, danke; ich hoffe, Deutschland auch. (lacht)

          Sie sind seither auch immer wieder gekommen, nicht nur zum Drehen. Deutschland, gerade auch Berlin, scheint es Ihnen angetan zu haben. Ist es die Autobahn?

          (lacht) Na ja, wenn Sie Amerikanern erzählen, da gibt es dieses Land, in dem du so schnell Auto fahren kannst, wie du willst, werden die Leute aufgeregt. Aber ernsthaft: Was man früher als Amerikaner über Deutschland erfuhr, das waren gerade mal zwei Sachen – Nazi und Stasi. In der Schule zum Beispiel sah man Deutschland entweder durch das Prisma des Zweiten Weltkrieges oder des Kalten Krieges. Für mich als Amateurhistoriker bietet Berlin unheimlich viel. Die Stadt ist gerade mal sechs Stockwerke hoch, weit offen, und hat eine große Ausdehnung, nicht wie London, das so gedrängt wirkt, oder Paris mit seiner Anmutung des 18. Jahrhunderts. Ich liebe die Energie hier – und ich habe immer wieder freie Tage, an denen ich herumstreunern und die Stadt erkunden kann, dabei aber auch hinreichend anonym bleibe. Ich finde zum Beispiel faszinierend, dass man in der Stadt noch Wandgemälde und -reliefs aus der Zeit des Sozialismus sieht – die jetzt aber Teil eines neuen riesigen Shoppingzentrums sind oder so. Hier das ganz gewöhnliche Volk in einem Mosaik, dort der reine Kapitalismus. Ich finde auch, Deutschland hat sich auf bewunderungswürdige Weise seiner Vergangenheit gestellt.

          Einfach ist das nicht. Da kommt auch viel Hässliches hoch.

          Oh, sicher, das kann ich mir vorstellen. Mir haben manche Berliner gesagt: (imitiert eine Stimme unklarer Prägung) „Tom, du bist so ahnungslos. Was soll an Berlin denn so toll sein?“ – „Na, diese Energie.“ – „Das kommt daher, dass wir pleite sind, Mann.“ Sie sehen also, meine Weiterbildung ist noch nicht zu Ende.

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