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Interview mit Tom Hanks : „Keine Sorge, der Zirkus zieht auch wieder weiter“

Gab es einen Moment, wo Sie dachten, ich kann das?

Nach einer ganzen Weile im Beruf fiel mir auf, dass ich fünfmal hintereinander den gleichen Film gemacht hatte. Und da sagte ich: Jetzt begreife ich es. Ich dachte, man wird ein Künstler, indem man „ja“ sagt. Stimmt nicht: Man wird Künstler, indem man „nein“ sagt. „Ja“ sagen ist einfach: „Wir möchten, dass Sie diesen Film machen. Schauen Sie mal, wie viel Geld Sie dafür kriegen, wer sonst noch mitspielt, und gedreht wird in Paris.“ Aber so wachsen Sie nicht in Ihrem Handwerk. Andererseits, wenn Sie „nein“ sagen, klingelt monatelang das Telefon nicht. Ich habe lange gebraucht, das zu verstehen, bis ins Alter von 35, 36.

Da hatten Sie „Eine Klasse für sich“ noch vor sich, und „Philadelphia“, und „Apollo 13“. Und heute sind Sie dieser Kerl. Tom Hanks. Der mit 45 schon eine Auszeichnung für sein Lebenswerk bekommen hat.

Ja, das ergab auch für mich keinen Sinn. Ich fragte: „Leute, seid ihr sicher?“

Und Sie gelten als „der anständige Kerl“.

Na ja, wenn es ein durchgehendes Motiv in meinen Rollen gibt, dann ist es: „der Kerl, der versucht, anständig zu sein“. Was mich anzieht, sind Männer, die eine Krise erleben. Die Leute sagen zu mir: „Sie haben einen Kriegshelden gespielt in ,Der Soldat James Ryan‘.“ Nein, ich habe einen Mann gespielt, der panische Angst hat, einen Fehler zu machen, und deshalb stirbt einer seiner Leute. Das ist etwas anderes. Denn, schauen Sie (deutet mit beiden Händen seinen Körper entlang). So sehe ich aus. (lacht) Ich habe kein markiges Kinn. Ich kann kein Superhelden-Cape tragen. Ich könnte James Bond nicht spielen, selbst wenn es um mein Leben ginge.

„Schauspieler werden zu wollen hat mich etwas übers Leben gelehrt.“

Dafür den amerikanischen Jedermann umso besser; auch in „Ein Hologramm für den König“ ja wieder. In dieser Ihrer Eigenschaft als Everyman meine letzte Frage an Sie: Was geht vor in Ihrem Land?

(Er lacht.)

Selbst Leute, die Amerika wohlgesinnt sind, sind verstört und besorgt angesichts des Wahlkampfs. Sie selbst haben erkennen lassen, dass Sie für Obama waren und jetzt für Hillary, aber Sie äußern sich nur vorsichtig.

Lassen Sie es mich so ausdrücken: Alle vier Jahre durchleben wir Amerikaner den gleichen Prozess. Der Zirkus kommt in die Stadt. Manchmal dauert das nur von Juni bis November, und es ist auch kein besonders spektakulärer Zirkus, die Trapezkünstler zeigen immer dieselben Tricks und so fort. Auch dieses Jahr ist der Zirkus wieder gekommen - aber viel früher als sonst. Und er ist viel wilder als sonst. Das Sicherheitsnetz ist gerissen, und ein paar Artisten sind ums Leben gekommen, die Bären sind los . . .

Die Clowns haben den Zirkus übernommen, und einige sind bösartig.

Ja, es gibt mehr Clowns als jemals zuvor. Aber im November wird das vorbei sein, die schrille Musik der Angst, die grellen Farben der Empörung werden weichen, der Zirkus wird weiterziehen, und wie es das noch jedes Mal in seiner Existenz getan hat, so wird Amerika sich auch dieses Mal seiner Zukunft zuwenden. Die andere Seite behauptet schlauerweise: „Wir müssen Amerika wieder groß und großartig machen.“ Die Wahrheit aber ist: Amerika ist schon groß und großartig!

Was soll das denn also?

Jeder liebt den Zirkus, mein Freund, jeder liebt den Zirkus. Das wird schon wieder, keine Sorge.

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