https://www.faz.net/-gum-8gjp9

Interview mit Tom Hanks : „Keine Sorge, der Zirkus zieht auch wieder weiter“

Ich hatte große Freiheiten. Meine Eltern kümmerten sich wenig um mich, weil sie mit sich selbst, mit ihren eigenen Realitäten und Enttäuschungen beschäftigt waren. Das war nicht so eine grausame Vernachlässigung; sie vertrauten einfach darauf, dass ich selbst klarkommen würde. Sehen Sie, ich war kein Rebell, ich konnte es gar nicht erwarten, jeden Tag in die Schule zu gehen, weil ich die action dort mochte. Mein Bruder und meine Schwester machten mehr Probleme, die schwänzten und rauchten Dope; ich nicht.

Sie haben eine ungewöhnliche Familie. Ihre Eltern ließen sich scheiden, als Sie vier waren; Sie und die Schwester sowie ein Bruder zogen zum Vater, ein anderer Bruder zur Mutter.

Mein Vater heiratete seine dritte Frau, die sich als die Liebe seines Lebens erwies, da war ich zehn. Meine Mutter für ihren Teil fand die Liebe ihres Lebens erst mit Ehemann Nummer vier; da war ich selbst schon verheiratet und hatte ein Kind.

Sie erlebten eine regelrechte Prozession von Stiefeltern, -schwestern und -brüdern.

Es war verwirrend. Ich lernte, mit leichtem Gepäck zu reisen, weil wir nie lange am selben Ort blieben. Aber ich war nicht verunsichert.

Legendäre Rolle: Tom Hanks als liebenswerter Forrest Gump

Wird man in so einer Konstellation nicht emotional vorsichtig?

Ich nicht. Die Menschen, die mir am nächsten standen, waren immer da und brachten mich, den Jüngsten, viel zum Lachen; mein Vater, meine Schwester, mein Bruder und ich waren eine ausreichend enge Familieneinheit. Und mein Sozialverhalten war so, dass ich nie Angst hatte, in eine neue Schule und eine neue Klasse zu kommen. Ich hatte stets das Gefühl: Ich krieg’ das hin.

Sie selbst sind mit 21 Vater geworden - und mit 54 Großvater. Wie fühlen sich diese beiden Rollen im Vergleich so an?

Großvater zu sein, das ist das Einfachste auf der Welt. Aber wenn mein Sohn Colin, mein erster, nicht geboren worden wäre, als ich 21 war, wäre ich ein Mann ohne Verantwortungsgefühl geworden. Damals dachte ich: Zeit, die Pferde zu satteln, das Richtige zu tun. Ich war gerade aus dem College raus, auf der Suche nach Jobs, wenig Geld. Ich hatte damals Freunde im selben Alter, die rauchten den ganzen Tag Dope – das konnte ich nicht. Die blieben auf, so lange sie wollten, und jagten allen möglichen sexuellen Eskapaden hinterher – das konnte ich nicht. Ich hatte ein Kind, eine Frau, um die ich mich kümmern musste, und mir gefiel dieses Leben auch.

Haben Sie als Schauspieler eine Lektion gelernt, die im Leben allgemein gilt?

Nein. Aber Schauspieler werden zu wollen hat mich etwas übers Leben gelehrt. Als ich anfing, im Theater, und meine Kollegen betrachtete, von denen viele zwanzig, dreißig Jahre älter waren, dachte ich: Dieser Typ zum Beispiel; er hat ein gebrauchtes Auto, ein kleines Haus – vor allem aber: ein Leben im Theater, im Showbusiness. Das ist eine legitime Erfolgsgeschichte; dazu muss man gar nicht reich sein oder ständig im Fernsehen. Wenn ich Glück habe, schaffe ich das auch. Aber man muss dranbleiben, dranbleiben, dranbleiben. Und das habe ich getan – weil ich mir kein anderes Leben vorstellen konnte. Am Anfang war ich kein guter Schauspieler, oh Mann, ich hatte keine Disziplin, aber dann sehen Sie einem wirklich guten Kollegen zu und denken: Grundgütiger, ich mache da was völlig falsch!

Weitere Themen

Topmeldungen

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.