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Interview mit Tom Hanks : „Keine Sorge, der Zirkus zieht auch wieder weiter“

In einem Interview haben Sie mal gesagt, wenn Sie eine Zeitmaschine hätten, würden Sie ins Jahr 1973 reisen, nach West- und Ost-Berlin.

In den frühen Siebzigern war es ja offenbar so weit, dass die Wirtschaft in der DDR ruiniert und das Land voller Spitzel und eine einzige Lüge war. Ich hatte bei den Dreharbeiten so eine Phase, da habe ich die Deutschen in der Crew gefragt: „Bist du Ostdeutscher oder Westdeutscher?“ Und sie alle hatten Geschichten, in denen selbst die alltäglichsten Details des Lebens faszinierend waren, weil man sich fragte: Wieso haben die Leute das so lange mit sich machen lassen? Im Osten gab es die Braunkohle, die nicht sehr effizient war, die Straßenlampen waren weniger hell - ich stelle mir vor, an einem bewölkten Abend müssen die Leute in Ost-Berlin doch all die Neonlichter dieses Widerstandsnests im Westen ganz in ihrer Nähe gesehen haben. Wollten sie da nicht hin? Hatten sie sich einfach daran gewöhnt, dass es bei ihnen ganz anders war?

Tom Hanks mit Schauspielkollegin Halle Berry bei Wetten, dass..?

Na ja, damals redete man tatsächlich vom „leuchtenden Westen“ – oft sogar, um ihn zu denunzieren –, und Leute starben bei dem Versuch, ihn zu erreichen. Erzählt nicht gerade Ihr Gewerbe uns, dass Menschen wenigstens bisweilen heldenhaft sind?

Ich glaube ja, dass das menschliche Verhalten insgesamt sich als eine Glockenkurve darstellen lässt. Am einen Ende des Spektrums gibt es ein paar Leute, jenen Teil der Bevölkerung, der wirklich glaubt, der überzeugt ist und sich engagiert; am anderen Ende finden sich jene, die unzufrieden sind, die es hassen, die nur raus wollen. Und wissen Sie, was die Masse der Menschen in der Mitte will? Dass ihre Kinder zur Schule gehen können, dass sie sich neue Schuhe leisten können, dass sie am Wochenende irgendwo hingehen können, wo es schön ist. So empfindet die Mehrheit der Leute meistens, ob in Ost oder West; die meisten sind weder Eiferer noch Renegaten. Aber wenn diese gigantische Glockenkurve im Lauf der Geschichte in Bewegung gerät, in die eine Richtung oder in die andere – und dazu muss vieles zusammenkommen, und das passiert nur für eine kurze Zeit –, Mannomann, dann ändern die Dinge sich ganz grundlegend. Das ist meine Vorstellung davon, was in Ihrem Land passiert ist: diese Veränderung, dieser Gezeitenwechsel, innerhalb kurzer Frist, in großem Maßstab – und das mehr als nur einmal.

Sie haben ja auch viele Serien und Dokumentationen mit historischen Sujets produziert – woher kommt diese Neigung?

Ich habe als Kind, als ich anfing, zum Vergnügen zu lesen, bemerkt, dass mich diese Themen anzogen. Selbst wenn es um Romane ging, haben mich Bücher interessiert, die historisch akkurat waren. Ich war kein großer Science-Fiction-Leser; ich las lieber die Romane von Arthur Hailey, „Hotel“ oder „Airport“, weil ich wissen wollte, wie ein Flughafen funktioniert. Der Rest der Geschichte war mir egal. Was wirklich passiert ist, ist immer interessanter als jede Geschichte, die man erfinden könnte – und ich sage das, obwohl das Erfinden solcher Geschichten mein Job ist.

Wie waren Sie überhaupt so als Kind?

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