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Im Gespräch: Loveparade-Begründer Dr. Motte : „Wir haben dem Tiergarten nicht geschadet“

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Fünf Stunden lang Gänsehaut: Der DJ Dr. Motte auf der Loveparade im Jahr 2002 Bild:

Die Loveparade feiert ihren 20. Geburtstag und feiert doch nicht, denn das Kind ist tot. Ihr Begründer, der Berliner DJ Dr. Motte, im Gespräch mit der F.A.Z. über die Gründerjahre, seine Abkehr - und eine mögliche Neuauflage.

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          Die Loveparade feiert ihren 20. Geburtstag und feiert doch nicht, denn das Kind ist tot. Ihr Begründer, der Berliner DJ Dr. Motte im Gespräch mit der F.A.Z. über die Gründerjahre, seine Abkehr - und eine mögliche Neuauflage.

          Herr Dr. Motte, wie feiern Sie den 20. Geburtstag Ihrer Loveparade, die am 1. Juli 1989 erstmals als ein Berliner Friedenstanz von 150 Ravern stattfand?

          Ach, ich mache einfach nur Musik im Studio. Ich werde vielleicht auch mal drauf anstoßen. Aber eigentlich gibt es nichts zu feiern, denn das Kind ist tot.

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          In welchem Jahr und weshalb wurde Ihnen Ihr Kind fremd?

          Mir wurde es 1996 fremd, als die Loveparade Berlin GmbH gegründet wurde. Da wurde die Marke lizenziert, wurden aber eigentlich keine eigenen Inhalte mehr generiert. Im ersten Jahr kannte noch jeder jeden. Subkultur war die Loveparade aber nie, denn es gab nie den Gedanken, jemanden auszuschließen. Doch es wurden Fehler gemacht bezüglich der Sponsorenauswahl. Irgendwann hatte ein Sponsor kaugummikauende Kühe auf seinen Wagen gesetzt – das ging zu weit.

          Zum zehnten Jubiläum kamen 1999 mehr als eine Millionen Raver zur Loveparade. Das muss ein Gefühl gewesen sein, vor denen aufzulegen!

          Als der DJ Carl Cox neben mir in Richtung Ernst-Reuter-Platz guckte und nur Menschen auf der Straße des 17. Juni sah, sagte er mir: „I can’t get it in my head.“ Aber auch auf der ersten Loveparade hatte ich fünf Stunden lang eine Gänsehaut. Wir liefen mit 150 Leuten den Ku’damm hinauf, vor und hinter uns die Polizei. Auf dem Rückweg haben wir eine Kreuzung blockiert und auf der Straße getanzt.

          Irgendwann stand die Parade für Müll, Lärm und Urinseen.

          Das wurde eben medial verbreitet, doch hat dem Tiergarten nicht geschadet. Wir mussten dann ja auch alles selbst reinigen lassen und waren 2005 fast insolvent.

          War die Loveparade jemals politisch?

          Wenn wir uns innerhalb einer politischen Gesellschaft von Mensch zu Mensch im musikalischen Kontext verständigen, dann hat das doch eine soziale Komponente, weil man sich austauscht, kennenlernt, respektiert und toleriert. Das ist doch ein demokratischer Prozess. „Friede, Freude, Eierkuchen“ war schon seit dem ersten Jahr unser Motto.

          Friede, Freude, Eierkuchen – da haben Sie ja einen schönen Begriff von „politisch“. Und wer ist schon gegen Frieden?

          Meine Vision war, Ziele positiv zu formulieren. Als diese Anti-Irakkrieg-Demonstration in Berlin war, trugen die Leute Schilder: „Gegen Krieg“. Da bin ich nicht hingegangen, denn Krieg gegen den Krieg ist auch wieder Krieg.

          2008 waren angeblich 1,6 Millionen Besucher auf der reanimierten Loveparade in Dortmund. Sie auch?

          Nein.

          Wie haben Sie die Nachricht aufgenommen, dass die diesjährige Loveparade in Bochum abgesagt wurde?

          Ich habe mit der Loveparade abgeschlossen. Trotzdem war ich ein bisschen schadenfroh.

          Es ist zu lesen, dass Sie über eine Art Neuauflage in Berlin nachdenken.

          Ich habe erste Gespräche geführt. Wenn, dann wollen wir damit die gesamte neue deutsche ehrliche Kultur darstellen. Mit Künstlern, politisch Interessierten, Globalisierungsgegnern, Drogenprojekten, Subkulturmachern. Was wir brauchen, ist ein neues deutsches Bewusstsein für eine positiv bejahende, als Endziel glückliche Gesellschaft, die sich in Form einer Parade in Berlin zeigt. Wir wollen kein neues BKA-Gesetz, keine Klontiere.

          Sie werden ja viel konkreter als 1989! Um Liebe und Harmonie scheint es ja immer noch zu gehen. In einigen Monaten haben Sie zudem selbst einen runden Geburtstag – 50. Feiern Sie das?

          Daran komme ich wohl nicht vorbei.

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