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Im Gespräch: Judith Rakers : „Ich bin auch ein Partytiger“

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„Viele Menschen sagen, dass ich zwei Pole habe“, sagt „Tagesschau“-Frau Rakers. Wir haben sie in Hamburg getroffen und im Hotel „The George“ fotografiert. Bild: Lucas Wahl

15 Minuten dauert ihre bekannteste Sendung, für die F.A.S. nahm sie sich ein bisschen mehr Zeit: „Tagesschau“-Sprecherin Judith Rakers über Ausstrahlung und Stimme, eine Kindheit als Vorleserin, und die Panne mit ihrer Handynummer.

          5 Min.

          Frau Rakers, wieso sehen alle „Tagesschau“-Sprecherinnen wie Models aus?

          Sie finden, bei der „Tagesschau“ sehen alle Sprecherinnen aus wie Models, die männlichen Sprecher aber nicht?

          Genau.

          Sie beleidigen jetzt meine männlichen Kollegen. (lacht) Ich finde nicht, dass alle Sprecherinnen wie Models aussehen, aber ich sag’s mal so: Fernsehen ist ein visuelles Medium. Wenn ein Sprecher stark schielen würde, dann wäre das wahrscheinlich schwierig, weil es ablenken würde.

          Ein Extrembeispiel.

          Ja. Aber in fast allen anderen Fällen kann die Maske helfen. Die Kollegen vollbringen kleine Wunder. Wenn Sie mich vor der Maske sehen, denken Sie jedenfalls nicht an ein Model.

          Wie lange sind Sie in der Maske?

          Vierzig Minuten. Die meiste Zeit wird darauf verwendet, meine Augenringe abzudecken.

          Stimmt es, dass „Tagesschau“-Chefsprecher Jan Hofer unerwartet auf Sie zukam und sagte: „Ich will, dass Sie bei der ,Tagesschau‘ arbeiten?“

          Ja, und ich habe ihn dann gefragt: „Als was?“ Das kam für mich aus dem Nichts, weil ich durch meine Arbeit beim Radio wusste, dass ich eine problematische Stimme habe. Sie ist damals sehr hell gewesen, was die Stimme jung wirken lässt. Ich habe daran gearbeitet, trotzdem wurde meine Stimme immer wieder kritisiert. Außerdem hatte ich diesen ostwestfälischen Dialekt. Trotz meiner langjährigen Radioerfahrung musste ich ein Jahr Sprechtraining machen, bis ich bei der „Tagesschau“ durchstarten durfte. Ich musste komplett neu sprechen lernen. Das war hart.

          Es gibt keinen sterileren Ort im Fernsehen als die „Tagesschau“. Man kann nur ahnen, welche Charaktereigenschaften die Sprecher haben. Meinen Sie, die Leute fragen sich: Was ist das für eine, diese Judith Rakers?

          Ich glaube schon. Die Zuschauer lassen mich ja jeden Abend in ihr Wohnzimmer. Wenn mich Leute ansprechen, merke ich, dass sie sehr kumpelig sind, weil sie das Gefühl haben, sie kennen mich schon seit vielen Jahren. Da wird dann die Hand nicht losgelassen und in den Arm genommen. Frauen machen das; Männer trauen sich bei mir nicht so. Ich wurde noch nie unsittlich angesprochen. Aber zurück zur Frage: Ich glaube, wenn ich nicht in dieser Fernsehbox wäre, sondern wirklich bei den Leuten im Wohnzimmer sitzen würde, dann hätten sie einen angenehmen Abend.

          Wann ist Ihnen zum ersten Mal aufgefallen, dass Sie eine gute Ausstrahlung haben?

          Ich sag’s mal so: Wenn ich das Gefühl gehabt hätte, fürs Fernsehen geboren zu sein, hätte ich mich dort schon mit neunzehn Jahren beworben. Ich habe aber nach dem Abi für Zeitungen und fürs Radio gearbeitet. Beim Fernsehen war ich als Autorin beschäftigt, bis ein Redaktionsleiter fragte, ob ich es nicht mal vor der Kamera probieren möchte.

          Und im Privaten? Gab es da einen Schlüsselmoment, in dem Sie begriffen haben, dass Sie etwas Positives verströmen?

          Nein. Ich glaube aber, dieser Satz „Wie man in den Wald hereinruft, so schallt es auch heraus“, der ist total wahr.

          Und total Floskel.

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