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Interview mit Antonio Banderas : „Ich fühlte mich Picasso verbunden“

Voll in seiner Rolle. Antonio Bandreas als Pablo Picasso. Bild: National Geographic/Dusan Martin

Der spanische Schauspieler Antonio Banderas im Interview über seine Rolle als berühmter Maler, die gemeinsame Geburtsstadt Málaga, schwierige Charaktere und die Frage, was ein Genie ausmacht.

          4 Min.

          Für die zweite Staffel der National-Geographic-Serie „Genius“, die in zehn Folgen das Leben eines Genies erzählt, kehrt Antonio Banderas in seine Heimatstadt Málaga zurück, um Pablo Picasso zu spielen. Die weniger wetterabhängigen Szenen dreht das Filmteam in Budapest, wo sich der Schauspieler an einem kalten Nachmittag mit schütterem, über die Stirn gekämmtem Haar in einem kargen Raum niederlässt. Kurz davor hat er mit Clémence Poésy eine Szene gedreht, in der Picasso mit seiner Partnerin Françoise Gilot über die Suche nach einem universellen Symbol spricht. Wenig später wird seine Friedenstaube entstehen. Den nachdenklichen Blick und den versonnenen Ton des Picasso-Interpreten legt Banderas während des Gesprächs nur ab, wenn er sich über etwas amüsiert – dazu ist für den Entertainer Banderas aber immer reichlich Gelegenheit.

          Elena Witzeck
          Redakteurin im Feuilleton.

          In der National-Geographic-Serie „Genius“ spielen Sie Pablo Picasso in seiner zweiten Lebenshälfte. Was verbinden Sie mit dem Künstler?

          Pablo Picasso stammte wie ich aus Málaga, wo er natürlich auch noch präsent blieb, als er längst in Frankreich lebte. Ich wuchs zu Zeiten der Diktatur Francos auf: Als ich auf die Welt kam, waren internationale Helden nicht geduldet. Obwohl Picasso ein spanischer Künstler war, bemühte sich das Regime, auch ihn unsichtbar zu machen. Er war Mitglied der Kommunistischen Partei, also sprach man besser nicht über ihn. Das änderte nichts daran, dass er in unserer Stadt ein Held war.

          Wie hat sich das damals in Málaga bemerkbar gemacht?

          Ich erinnere mich, wie ich mit meiner Mutter Hand in Hand zur Schule lief. Jeden Morgen kamen wir am Plaza de la Merced vorbei, einem Platz in der Altstadt, wo das Haus steht, in dem er geboren wurde. Es gab dort ein Schild, das auf Picasso verwies. Seine Arbeit, sein Werk lag wie ein großer Schatten über unserer Stadt. Später fühlte ich mich ihm verbunden: Er war jemand, der sich aus Málaga hinausgewagt hatte, um in der Welt nach Abenteuern zu suchen. Gewissermaßen habe ich das auch getan. Natürlich kann ich mich unmöglich mit dem wahrscheinlich wichtigsten Künstler des 20. Jahrhunderts vergleichen – das wäre lächerlich. Aber es gibt gewisse Übereinstimmungen.

          Heißt das, Sie haben darauf gewartet, einmal Picasso spielen zu dürfen?

          Mir wurde diese Rolle schon ein paarmal angeboten, aber bisher habe ich mich immer dagegen entschieden. Die Verantwortung, Picasso darzustellen, ist enorm. Egal, wie gut man es macht: Kritik gibt es zur Genüge. Aber Picasso wurde ja auch kritisiert, als er Velázquez’ Las Meninas neu und sehr eigenwillig interpretierte. Und trotzdem tat er es.

          Wie war es, zum ersten Mal einen Seriencharakter darzustellen?

          Vor vielen Jahren habe ich in einer Serie einmal den jungen Mussolini gespielt, aber das ist wirklich schon sehr lange her. Die Erfahrung ist ganz anders als bei einem Filmdreh. Vor allem, wenn die Serie das Leben einer Person erzählt. Es bleibt mehr Zeit, die Komplexität des Charakters zu ergründen und darzustellen, mehr Farben und Komplikationen sind möglich. Wenn ein Schauspieler ein ganzes Leben in einem Film darstellen soll, beklagt er meist, dass nicht genug Zeit ist, um einen komplexen Charakter abzubilden. In einer zehnstündigen Serie ist dahingehend viel mehr möglich...

          ...aber?

          Aber es ist auch viel anstrengender. Du musst wissen, wie du deine Maske einsetzt. Du musst den Wert deiner neuen Augenbrauen und deiner neuen Nase kennen und den Umgang mit ihnen verinnerlicht haben. Und du musst versuchen, eine Persönlichkeit wirklich auszufüllen.

          Was bei einem Charakter wie dem Picassos sicher nicht einfach ist.

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