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Idris Elba im Interview : „Ich bin 46 und lebe den Traum eines Teenagers“

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(Überlegt) Coachella hat mich nervöser gemacht. Die Hochzeit war ein schöner Termin, den ich für Freunde gemacht habe. Wir hatten eine gute Zeit. Coachella war mein erster Gig in den Vereinigten Staaten und dann auch noch auf diesem riesigen Festival. In England kennt man mich als DJ. Die Amerikaner hatten noch nie davon gehört. Dabei lege ich schon mein Leben lang auf.

Wie wird man DJ auf einer königlichen Hochzeit?

Ich bin mit Harry befreundet. Ich war an einer wohltätigen Aktion der „Invictus Games Foundation“ beteiligt.

Die veranstaltet die „Invictus Games“, eine paralympische Sportveranstaltung für kriegsversehrte Soldaten, die auf eine Initiative von Prinz Harry zurückgeht.

Ja, da haben wir uns getroffen, ich habe dort eine Rede gehalten. Und dann hat er mich irgendwann gefragt, ob ich auf seiner Hochzeit auflegen will. Das lief ganz locker. Und ich glaube, alle haben sich gut amüsiert.

Sie haben gerade einen richtigen Hit. „Boasty“ wurde allein auf Youtube mehr als 62 Millionen Mal aufgerufen. Macht Sie das glücklich?

So oft? Wahnsinn. Damit ist für mich ein lebenslanger Traum in Erfüllung gegangen. Wir werden jetzt sogar in Glastonbury auf dem Festival auftreten. Ich kann es immer noch nicht glauben. Als ich den Song das erste Mal im Radio gehört habe, bin ich fast durchgedreht. Ich wollte allen sagen: Das bin ich! Es ist ein bisschen so, als ob ich mit 46 Jahren den Traum eines Teenagers lebe.

Sie sind immer wieder als neuer Bond im Gespräch. Wäre das auch so ein Traum?

Ich werde immer wieder darauf angesprochen. Und es ist mir vor allen anderen Dingen etwas peinlich. Denn es gab ja noch nicht einmal ein Angebot. Es ist nur eines dieser verrückten Gerüchte. Also haltet den Ball mal flach. Aber sicherlich ist dieses Gerücht auch ein Kompliment.

Sie engagieren sich auch in Afrika. Wann haben Sie angefangen, sich für ihre Wurzeln zu interessieren?

Meine Eltern stammen aus Westafrika, und ich bin in einem westafrikanischen Haushalt aufgewachsen. Deswegen ist die Verbindung zu meinen Wurzeln und meinem Erbe nie abgerissen, auch nicht als Teenager, wenn man sich neu erfinden will. Es liegt bestimmt auch daran, dass meine Eltern ihre Traditionen gepflegt haben. Und später habe ich dann begriffen, dass meine Prominenz auch ein Licht auf den Teil der Welt werfen kann, aus dem ich stamme. Deswegen will ich ein Repräsentant dieses Kontinents sein.

Migration ist das große Thema des 21. Jahrhunderts. Und einige Theoretiker glauben, der Kontinent blutet aus, weil junge engagierte Menschen und die Bildungselite ihre Länder verlassen. Was halten Sie davon?

Da bin ich ganz anderer Meinung. Ich glaube, die jüngeren Generationen, wie meine, die immer noch Verbindungen nach Hause hat, sehen gerade neue Möglichkeiten in Afrika. Viele wollen zurückgehen, um dort zu leben. Afrika hat Metropolen, die so modern sind wie jede andere moderne Metropole der Welt. Viele nehmen jetzt ihr Wissen und ihr Erspartes mit, um in Afrika etwas aufzubauen, Firmen zu gründen. Denn sie haben dort Chancen, die ihnen hier verschlossen bleiben. Ich sehe das sogar als einen Trend.

Zur Person

Geboren als Idrissa Akuna „Idris“ Elba 1972 als Sohn afrikanischer Einwanderer aus Sierra Leone und Ghana im Londoner Stadtteil Hackney.

Assistiert seinem DJ-Onkel auf Hochzeiten, arbeitet seit Mitte der Achtziger selbst als Discjockey.

Erste Rollen in verschiedenen Serien, darunter „The Wire“ (HBO) und (dem Krimi) „Luther“ (BBC).

Seit 2006 immer öfter im britischen Kino, dann auch in Hollywood: „Prometheus“, „Mandela“, „Bastille Day“, „Star Trek Beyond“, „Molly’s Game“, „Zwischen zwei Leben“.

Aktueller Film: „Fast & Furious: Hobbs & Shaw“, läuft Donnerstag an.

Von der Queen 2016 zum Ritter geschlagen.

Lebt in dritter Ehe in New York; aus früheren Beziehungen eine Tochter und einen Sohn.

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