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Deutscher Justin Bieber : Ich bin doch auch nur ein Junge

  • -Aktualisiert am

„O mein Gott, wir haben ihn gesehen!“ Bild: dpa

OMG, ilysm Babyyyyyy: Dem jungen Musiker Mike Singer begegnen viele Fans mit fast hysterischer Verehrung. Ihm selbst ist das manchmal unheimlich – doch als deutscher Justin Bieber schlägt er sich wacker.

          9 Min.

          Für dieses Treffen gäben Zehntausende Mädchen alles. Zwei von ihnen stehen vor einem Hotel in Mainz und verbreiten per Whatsapp-Sprachnachricht, elektrisiert zappelnd und mit sich überschlagenden Stimmen, etwas, was nach Sensation klingt: „O mein Gott, wir haben ihn gesehen!“ Ein das Unfassbare umschreibendes „O mein Gott“ oder „OMG“ ist das, was vielen Teenagern, überwiegend weiblich, zu Mike Singer einfällt. Der junge Mann ist 17 Jahre alt und macht Musik, sein erstes Album „Karma“ erreichte im Februar dieses Jahres Platz 1 der deutschen Charts. Allein auf Instagram folgen dem „deutschen Justin Bieber“, wie es gern über Singer heißt, 1,3 Millionen Menschen. Erleiden bei einer Autogrammstunde Mädchen Kreislaufzusammenbrüche, ist das der Deutschen Presse-Agentur inzwischen eine Meldung wert.

          Elena Geus

          Chefin vom Dienst.

          Zum Gespräch bittet die Pressefrau „in den Poolbereich“. Die Vorstellung, dass sich dort ein Star noch schläfrig von einer harten Nacht erholt und auf einer Liege lungernd in Badehose empfängt, könnte von der Wirklichkeit nicht weiter entfernt sein, von bösem Buben und Rock’n’Roll keine Spur: Mike Singer ist wach, angezogen, gesprächig und wirkt so nett, wie er auf dem Poster in Lebensgröße aussieht, das zu Hause im Zimmer der Zwölfjährigen hängt. Gälte es, ein Teenie-Idol zu inszenieren, er wäre die perfekte Besetzung: gutaussehend, blauäugig, freundlich, musikalisch, gut bei Stimme, und wer Mike Singer heißt, braucht nicht einmal einen Künstlernamen. Doch nicht nur der Name ist echt, der Junge wirkt auf sehr sympathische Art völlig unverstellt.

          Ein (fast) normaler Junge

          Normalität ist ihm wichtig. „Ich weiß, woher ich komme, ich bin immer noch derselbe Mike wie früher, nur dass ich sehr viel Musik mache“, sagt er ohne jede Koketterie. Er schläft gern lang, hat es mit der Ordnung nicht so, er zockt mit Vorliebe auf der Spielekonsole und hängt mit seinen Kumpels ab – eben wie Millionen Jugendliche, wäre da nicht noch das andere Leben. Längst verbringt Mike Singer mehr Zeit mit seinem Manager als mit seiner Familie, kaum eine Woche vergeht ohne Auftritt oder andere Termine. Sind die öffentlich, versammeln sich massenhaft Fans unter lautem Gekreische. Lädt Singer bei Instagram ein Bild hoch – und das tut er nahezu täglich –, hat das zwei Stunden später um die 40.000 „Gefällt mir“-Einträge und ist hundertfach kommentiert.

          Sonderlich einfallsreich sind die Beiträge der Fangemeinde – jeder Einzelne ein „Mikinator“, gemeinsam das „Team Singer“ – nicht. „Was ist nur mit den jungs aus meiner klasse schief gelaufen“ gehört zu den originelleren, der Großteil besteht aus Herzchen und Kussmündern, aus „Babyyyy“ (variierend in der Zahl der As und Ypsilons), aus „hottie“, „so cute“, aus „du killst so megahart“ (was ein Kompliment ist, auch wenn es sich nicht so anhört) und inflationär häufig aus „ily“ (I love you) und der Steigerungsform „ilysm“ (I love you so much). Dass sich viel um sein Äußeres dreht, ist Singer eher unangenehm. Für sein Aussehen hat er sich vor einiger Zeit in einem Interview auf einer Skala von eins bis zehn eine Fünf gegeben, und so, wie er sich bei der Antwort wand, schien ihm das fast unangemessen hoch angesetzt. Das ist, vermutlich, kein PR-verordnetes Understatement, sondern tatsächlich Bescheidenheit. Naiv ist der aufstrebende Künstler nicht; dass sich ein gutes Gesamtpaket besser macht als Talent allein, weiß er. Wenn er es sich aussuchen dürfte, sollte sich dennoch lieber alles um seine Musik drehen.

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