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Hugh Jackman im Interview : „Ich kann mir aussuchen, in wen ich mich verliebe“

  • -Aktualisiert am

„The Greatest Showman“: Hugh Jackman und Michelle Williams Bild: Allstar/20th Century Fox

Hugh Jackman tanzt und singt im neuen Film „The Greatest Showman“. Im Interview erzählt er, warum singen Sinn macht und wann ihm das letzte Mal die Tränen liefen.

          8 Min.

          Herr Jackman, in einem früheren Gespräch erzählten Sie, dass Sie vor dem Interview meditiert hatten. Haben Sie heute Zeit dazu gehabt?

          Ja. Ich meditiere jeden Morgen und dann noch einmal am Abend oder in der Mittagspause. Heute war es allerdings eine kurze Meditation. Ich habe leichten Jetlag und war vergangene Nacht auf der Piste beim Feiern.

          Wonach suchen Sie in der Meditation?

          Das ist der eine Moment des Tages, in dem ich das Gefühl habe, ganz nah bei mir und meinem wahren Kern zu sein. Mein Bewusstsein lenkt mich den ganzen Tag ab, hält mich auf Trab, ich muss noch dieses erledigen und jenes. Zweimal am Tag komme ich für 20 Minuten zur Ruhe. Es ist erstaunlich, wie Meditation mein Leben verändert hat. Ich meditiere, seit ich 25 Jahre alt bin.

          „The Greatest Showman" scheint für Sie mehr zu sein als ein weiterer Film. Warum ist das Projekt eine Herzensangelegenheit?

          Jedes Musical ist für mich heute eine Herzensangelegenheit, jeder Film auch. Ich habe das große Glück, dass ich mir meine Projekte inzwischen aussuchen kann. Zu Beginn meiner Karriere war das anders. Da musst du nehmen, was du bekommst, und das fühlt sich dann an wie eine arrangierte Heirat: Du musst versuchen, dich trotzdem irgendwie zu verlieben. Jetzt kann ich mir aussuchen, in wen ich mich verliebe und wen ich heirate.

          Was können Sie mit Tanz und Gesang ausdrücken, das mit Worten nicht möglich ist?

          Bei diesem Musical haben wir eine Regel aufgestellt: Gesang und Tanz beginnen immer dann, wann man sich mit Worten nicht mehr ausdrücken kann, weil die Gefühle übermächtig werden. In anderen Filmen erfüllt der Soundtrack diese Funktion. Die Musik drückt dann diese unbeschreiblichen Gefühle aus. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn in einem Musical plötzlich vollkommen unmotiviert gesungen wird. Es sollte nur gesungen werden, wenn eine tiefe emotionale Bedeutungsebene existiert. In unserem Film geht es um Vorstellungskraft, Träume und Toleranz den Menschen gegenüber, die anders sind als die Masse. Das Gefühl, ausgegrenzt und missverstanden zu sein, kann man zum Beispiel wunderbar in einem Song verarbeiten.

          Wann haben Sie sich in Ihrem Leben missverstanden gefühlt?

          Sehr oft. Als junger Mensch habe ich mich dauernd missverstanden gefühlt. Das lag auch daran, dass ich mich selbst nicht verstanden habe. Heute kenne ich mich viel besser. Früher hatte ich immer mehr Fragen als Antworten. Als ich zum Beispiel mit der Schauspielerei anfing, fühlte ich mich ausgegrenzt. Ich hatte keine richtige Verbindung in die Branche, keine Vorstellung, wie ich darin Fuß fassen könnte. Ich gehörte nicht dazu. Ich hatte Angst zu versagen oder die Befürchtung, gefeuert zu werden. Deswegen fühlte ich mich einsam. Die Folge war, dass ich wahrscheinlich alles zu angestrengt angegangen bin. Ich wollte es übers Knie brechen.

          Wie können Sie mit Tanz Liebe darstellen?

          Die Bewegungen müssen aus dem Innersten kommen. Natürlich gibt es einen technischen Aspekt, ich muss die Tanzschritte beherrschen, das lerne ich aber eher mechanisch. Je weiter die Proben voranschreiten, desto mehr lasse ich mich in die Musik fallen. Wenn ich Liebe tanze, geht es darum, wieder loszulassen. Der Zuschauer muss die Freude und die Aufregung erkennen können.

          Und wie tanzen Sie Traurigkeit?

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