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Hugh Bonneville im Gespräch : „Ich habe am Set gestohlen“

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Ja, das war noch so ein Steckenpferd von mir. Dabei bin ich gar nicht religiös. Aber ich hatte in der Schule einen Religionslehrer, der mich für das Thema begeistert hat. Ich dachte, ich mache drei Jahre Theologie und kann dann immer noch Jura oder irgendetwas anderes Ordentliches studieren. Ich war ein mieser Student, konnte aber in dieser Zeit schon Erfahrung auf der Bühne sammeln. Irgendwann habe ich meinen Eltern erzählt, ich würde es gerne als Schauspieler versuchen. Wenn es nicht funktioniert, könnte ich ja in ein paar Jahren immer noch etwas Vernünftiges lernen. Und sie haben gesagt: Wir unterstützen dich. Wir haben dich oft genug auf der Bühne gesehen und wissen, wie sehr du es liebst – probiere es einfach aus. Ich frage mich heute oft, ob ich den Mut gehabt hätte, auf eigene Faust mit dem Zirkus durchzubrennen, wenn sie nicht einverstanden gewesen wären.

Die Rolle machte ihn berühmt: Bonneville als Robert, Earl von Grantham, mit Frau Cora in der Serie „Downton Abbey“

Warum war Ihnen der Segen Ihrer Eltern so wichtig?

Der Einfluss meiner Eltern auf mein Leben war sehr groß. Und es war mir wichtig, dass sie mit dem, was ich mache, einverstanden sind. Sie waren sehr großzügig, und ich hätte mich dafür gehasst, sie vor den Kopf zu stoßen.

Wie haben Sie sich in der Unsicherheit dieses Berufes eingerichtet?

Ich weiß nicht, ob ich das jemals erfolgreich getan habe. Eigentlich bin ich der glücklichste Schauspieler der Welt, denn ich bin jetzt seit über dreißig Jahren beschäftigt. Trotzdem denke ich immer noch, mein aktueller Job war der letzte und ich werde nie wieder engagiert. Das ist eine Art Berufskrankheit, fürchte ich. Ich habe ja ein paar Jahre mit der „Royal Shakespeare Company“ gearbeitet und war fest überzeugt, ich würde dort bleiben, das ist mein Zuhause. Dann wurde mein Vertrag nicht verlängert. Ich war fürchterlich deprimiert. Und dann bot man mir eine kleine Rolle beim Fernsehen an.

Und Fernsehen war wahrscheinlich zunächst kein adäquater Ersatz für die Royal Shakespeare Company?

Das war ja noch eine ganz andere Zeit. Man kam nicht von der Schauspielschule und wurde für eine Fernsehserie verpflichtet, wie es heute üblich ist. Meine erste Liebe war immer das Theater. Fernsehen war eine Sprache, die ich nicht verstand. Ich verstand Theaterstücke. Wir Briten können Theater, dachte ich. Film und Fernsehen war in meiner Vorstellung etwas für amerikanische Schauspieler.

Und dann hatten Sie mit Ihrer Rolle in Downton Abbey Ihren größten Erfolg. Ironie des Schicksals?

Irgendwie schon. Aber das ist ja das Schöne an diesem Beruf. Er lässt sich nicht planen.

Bonneville als Lord Mountbatten, der 1947 mit seiner Frau Edwina (Gillian Anderson) nach Delhi kam, um die  britische Kronkolonie in die Unabhängigkeit zu entlassen

Wie hat diese Rolle Ihr Leben verändert?

Mich hat sie nicht verändert, ich bin immer noch derselbe Schauspieler. Aber diese Rolle hatte für mich einen ähnlichen Effekt wie damals „Notting Hill“. Plötzlich öffneten sich Türen, die mir vorher verschlossen waren. Mir ist völlig klar, dass ich ohne Downton Abbey nie im Leben einen Film wie „Monuments Men“ mit George Clooney gemacht hätte, für „Der Stern von Indien“ oder für „Paddington“ besetzt worden wäre. Deswegen blicke ich auf Robert Crawley mit großer Liebe, Zuneigung und Stolz zurück. Und es ist für mich immer noch ein Mysterium, wie viele Menschen diese Serie weltweit berührt hat. Damit hatten wir alle nicht gerechnet. Ich bekomme immer noch Briefe aus China oder Südamerika. Es ist faszinierend.

Wie haben Sie das Ende der Serie erlebt?

Ich glaube, wir haben zur richtigen Zeit aufgehört. Wir waren ein gutes Team und sind Freunde geblieben. Vor ein paar Wochen haben wir uns alle zum Reunion-Dinner getroffen, und das war sehr schön.

Was haben Sie als Erinnerung vom Set mitgenommen?

Ich habe einige Menükarten geklaut, die waren ja Teil jedes Dinners und immer wundervoll in Französisch geschrieben. Und darüber hinaus habe ich einen Brief gestohlen, den Rose an Robert Crawley geschrieben hatte, in dem es um ihr neues Leben in Amerika geht. Und dann hat mir der Produktionsdesigner das Telegramm geschenkt, in dem man mir mitteilt, dass wir uns im Krieg mit Deutschland befinden.

Wo heben Sie diese Dinge auf?

Ich habe sie gerahmt und in mein Klo gehängt (lacht).

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