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Hugh Bonneville im Gespräch : „Ich habe am Set gestohlen“

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Sie werden lachen, aber einen Nebenberuf hatte sie offensichtlich tatsächlich, und wir haben es erst später herausgefunden. Als ich zehn Jahre alt war, hatte meine Mutter plötzlich wieder einen Teilzeitjob beim Auswärtigen Amt, wo sie als junge Frau schon einmal gearbeitet hatte, als sie mit meinem Vater in Singapur lebte und eine Art Wehrdienst leistete. Bis zu ihrer Pensionierung ging sie dort zwei bis drei Tage pro Woche hin. Eines Tages schlug ich also die Zeitung auf und sehe da dieses Foto, auf dem das Gebäude zu sehen ist, wo sie immer hinging. Und darunter steht: Ehemaliges Quartier des Auslandsgeheimdienstes MI6 soll in Apartmentkomplex umgebaut werden. Ich habe das meiner Mutter gezeigt und meinte: Aber Mum, hier hast du gearbeitet!

Hugh Bonneville  und seine Frau Lulu Evans im Februar 2017 bei der Berlinale

Und was hat sie geantwortet?

Yes, dear. Ich sagte dann völlig entgeistert: Aber Mum, das ist MI6! Und sie sagte wieder: Yes, dear. Und ich: Warst du eine Spionin?! Und sie: Ich darf dir nicht verraten, was genau ich gemacht habe, aber ich habe für den MI6 gearbeitet. Sie hat nie wieder darüber gesprochen. Nach ihrem Tod vor zwei Jahren habe ich dann meinen Vater gefragt, ob sie ihm jemals erzählt hat, was ihr Job war. Aber er wusste auch nichts Genaues. Durch Zufall lernte ich dann jemanden kennen, der mit ihr gearbeitet hatte. Und der erzählte mir, sie habe immer gesagt, sie würde nur Akten bearbeiten. In Wirklichkeit gingen aber strengstens geheime Informationen durch ihre Hände.

Offenbar war Ihre Mutter eine gute Schauspielerin.

Ich war vor allen anderen Dingen sehr stolz auf sie, wie sie ihren Dienst mit so viel Diskretion geleistet und nie darüber gesprochen hat, weil es ihr wichtig war. Der Schuljunge in mir wollte natürlich noch viel mehr wissen, alle Details. Aber ich bewundere sie deswegen noch mehr. Wo waren wir stehengeblieben?

Ihrer genetischen Disposition für den Beruf des Schauspielers.

(Lacht) Meine Eltern gingen gerne ins Theater, liebten die Oper und Kunst. Sie liebten aber auch Ausflüge aufs Land, die uns Kindern immer endlos zu dauern schienen. Worauf ich eigentlich hinaus will: Kunst war immer präsent in meiner Kindheit. Und ich war begeistert, wenn meine Eltern mich mit ins Theater genommen haben. Das war ein großes Glück. Und irgendwie habe ich schon früh begriffen, dass ich davon profitiere. Ich konnte so eine ganz andere Vorstellungskraft und Phantasie entwickeln. Im Theater zu sitzen, Angst zu haben, über etwas zu lachen, auf so viele Weisen berührt zu sein, das hat mich in meinen Grundfesten erschüttert.

In seiner Filmrolle: Mountbatten soll Indien in die Unabhängigkeit führen.

Und da haben Sie beschlossen, Teil dieser Welt zu werden und andere Menschen zu erschüttern?

Nein. Ich konnte mir trotzdem nie vorstellen, dass daraus einmal ein Beruf wird, weil es einfach nicht meine Welt war. Ich erinnere mich noch genau daran, als ich meine erste Gage als Schauspieler bekommen habe. Ich konnte es einfach nicht fassen, dass man mich dafür bezahlt, auf der Bühne zu stehen. Und ehrlich gesagt, geht es mir bis heute so. Es ist ein großes Glück, seinen Lebensunterhalt mit etwas bestreiten zu können, das man so sehr liebt. Ich konnte mein Hobby zur Karriere machen. Und obwohl die Wahrscheinlichkeit, damit Erfolg zu haben, sehr gering ist, haben meine Eltern mir den Mut vermittelt, diesen Weg zu gehen.

Obwohl sie wussten, sie könnten später eventuell einen arbeitslosen Schauspieler durchfüttern?

Ich erinnere mich noch an mein zweites Jahr auf der Universität, in dem ich in erster Linie Theater gespielt und kaum studiert habe.

Ihr Hauptfach war Theologie.

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