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Interne Hotel-Ermittlungen : Kein Beweis für Antisemitismus

  • -Aktualisiert am

Sachsen, Leipzig: Mitarbeiter des Hotel Westin, die mit einem Banner ein Zeichen gegen Antisemetismus setzen wollen. Bild: dpa

Eine interne Untersuchung des Leipziger Hotels ergibt kein Fehlverhalten des Mitarbeiters, den der Sänger Gil Ofarim des Antisemitismus beschuldigt hat. Gegen beide liegen Strafanzeigen vor.

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          Zwei Wochen nachdem der Sänger Gil Ofarim einen Rezeptions-Mitarbeiter des Leipziger Luxushotels Westin des Antisemitismus beschuldigt hat, hat die von der Hotelgesellschaft mit internen Ermittlungen beauftragte Anwaltskanzlei am Mittwoch ihre Arbeit beendet. „Die Rechtsanwälte haben das Geschehen in der Lobby des Hotels rekonstruiert und sind unter Berücksichtigung aller verfügbaren Beweismittel zum Ergebnis gekommen, dass keine objektivierbaren Anhaltspunkte vorliegen, die es rechtfertigen würden, strafrechtliche und/oder arbeitsrechtliche Maßnahmen gegen den beschuldigten Mitarbeiter zu ergreifen“, heißt es in einer Mitteilung des in Köln ansässigen Hotelbetreibers, die der F.A.Z. vorliegt.

          Stefan Locke
          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Arbeitsrechtliche Maßnahmen gegen den Mitarbeiter würden deshalb nicht eingeleitet. Mit Blick auf „die massiven Anfeindungen, denen der Mitarbeiter nach wie vor ausgesetzt“ sei, habe man entschieden, ihn aus Fürsorgegesichtspunkten zunächst „noch nicht wieder vollumfänglich“ einzusetzen.

          Zweifel an Ofarims Schilderung

          Ofarim hatte Anfang Oktober vor dem Hotel ein emotionales Handyvideo aufgenommen, in dem er einen Hotelmitarbeiter, den er „Herr W.“ nannte, beschuldigte, ihn nach langem Warten nicht eingecheckt, sondern vielmehr aufgefordert zu haben, erste seine Halskette mit dem Davidstern abzunehmen, bevor er ein Zimmer bekomme. Das Video wurde daraufhin millionenfach im Internet geteilt und kommentiert. Tausende Menschen, darunter auch viele Künstler und Politiker, bekundeten Solidarität mit Ofarim; vor dem Hotel gab es Spontandemonstrationen gegen Antisemitismus.

          Bereits kurz nach dem vermeintlichen Vorfall gab es jedoch erhebliche Zweifel an Ofarims Schilderung. So erklärte die Polizei, dass der betroffene Mitarbeiter des Hotels die Ereignisse „stark abweichend“ von Ofarims Version geschildert habe. Bei der Auswertung von Überwachungskameras aus der Hotellobby waren zudem Zweifel aufgekommen, ob Ofarim die Kette während des Wartens zum Einchecken überhaupt getragen hatte. Medienberichten zufolge soll die Kette auf den Überwachungsvideos nicht zu sehen sein. Das Hotel bestätigte das am Mittwoch indirekt und verwies auf ein Gutachten eines auf Bild- und Videoforensik spezialisierten Sachverständigen.

          Die Staatsanwaltschaft Leipzig hat inzwischen sowohl Ofarim als auch den Hotel-Mitarbeiter vernommen. Gegen beide liegen Strafanzeigen vor, zugleich sind beide auch Zeugen des Geschehens. Die Behörde teilte auf Anfrage mit, dass sie nach wie vor ermittle und sich deshalb derzeit weder zu den Aussagen der Hauptbeteiligten oder dem Inhalt der Videos äußern noch den Gesamtkontext bewerten werde.

          Die Arbeiten liefen jedoch auch mit Blick auf die große mediale Aufmerksamkeit unter Hochdruck, teilte ein Sprecher mit. Es gälten allerdings wie stets auch hier die Grundsätze der Unschuldsvermutung und des fairen Verfahrens. Ofarim selbst äußerte sich im Nachhinein widersprüchlich dazu, ob er die Kette getragen habe. Gegenüber der Bild-Zeitung hatte er erklärt, es gehe nicht darum, ob die Kette zu sehen gewesen sei. Anfang der Woche wiederum sagte er, dass er die Kette auf jeden Fall getragen habe.

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