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„Horror-Clowns“ in Amerika : Heimsuchung mit roter Nase

  • -Aktualisiert am

Clown-Kostüme sind in Amerika derzeit extrem beliebt. „Horror-Clowns“ sorgen im ganzen Land für Aufregung. Bild: AFP

„Horror-Clowns“ sorgen in den Vereinigten Staaten für Aufregung. Jetzt ist der kuriose Trend auch in Europa angekommen. Doch was steckt hinter der ganzen Hysterie?

          Die Clowns belieben zu scherzen. Seit Wochen versetzen Unbekannte in Clownskostümen Amerikaner in Angst und Schrecken. Meldungen über Clown-Sichtungen in den Vereinigten Staaten machen unter dem Hashtag Clownapocalypse die Runde. Kurzfilme und Handyfotos zeigen unheimliche Clowns, die auf Straßen oder vor Hauseingängen auftauchen, manchmal sogar bewaffnet, und Passanten verfolgen oder zumindest erschrecken. Glaubt man den entsprechenden Accounts tauchen die sogenannten „Killer-Clowns“ mittlerweile von Alaska bis Florida auf.

          Nun scheinen die aber auch in Europa angekommen zu sein. Wie die Deutsche Presseagentur am Dienstag berichtete, verzeichnet die Polizei in der Region Thames Valley westlich von London vierzehn gemeldete Vorfälle am vergangenen Wochenende, bei denen Menschen von Maskierten erschreckt oder eingeschüchtert worden seien. Weitere Vorfälle wurden in der Grafschaft Essex gemeldet.

          McDonalds zieht Konsequenzen

          Angefangen hatte alles im US-Bundesstaat South Carolina, wie mehrere amerikanische Medien berichten. Dort sollen zwei Clowns in einem Wald bei Greenville aufgetaucht sein. In den vergangenen Wochen haben sich die Meldungen über viele Bundesstaaten ausgebreitet. Immer wieder entpuppen sich viele davon auch als Übertreibungen oder simple Falschmeldungen. Doch die kollektive Erregung ist da. Und das hat Konsequenzen: Wie der Nachrichtensender NBC am Dienstag berichtete, wolle McDonalds sein Testimonial Ronald McDonald nun erst einmal zurückhaltender einsetzen.

          Neu ist das Auftauchen gruseliger Clowns nicht: Vor zwei Jahren wurden rund um Halloween ähnliche Fälle aus Frankreich gemeldet. Im selben Jahr tauchten derartige Gestalten auch in Indiana und Kalifornien auf.

          Über die Gründe für die Clown-Sichtungen gewesen ist, darüber lässt sich nur mutmaßen. Manch einer spekulierte über einen mögliche Marketing-Aktion für die Neuverfilmung des Stephen King Klassikers „Es“, was jedoch dementiert wurde. Auch King selbst hat sich mittlerweile zu Wort gemeldet und rief auf Twitter zur Beruhigung auf. Dabei sind natürlich solche Filme mit die Ursache dafür, dass sich das Bild des verkleideten Spaßmachers ins Gruselige gewandelt hat.

          „Clowns vereinen Vielzahl an verrückten Dingen“

          Doch die Angst hat nicht nur mit Horrorvorstellungen zu tun. Frank McAndrew ist Professor für Psychologie am Knox College in Galesburg (Illinois) und hat sich wissenschaftlich mit der Angst vor Clowns auseinandergesetzt. Zusammen mit anderen Psychologen erforschte McAndrew bei mehr als 1.300 Probanden, was an ihnen so furchteinflößend ist: „Clowns vereinen auf verschiedene Weise eine Vielzahl an verrückten Dingen“, sagt McAndrew. Sie seien schelmisch und unvorhersehbar, man könne nicht erkennen, wer sie seien und was sie wirklich fühlten: „Und es gibt die Assoziationen zu Serienkillern im realem Leben und Filmen.“ Zudem sei der Gedanke: „Wenn sich eine Person willentlich über gesellschaftliche Vorgaben an Kleidung hinwegsetzt und sich clownstypisch verhalten - wer weiß welche Regeln sie sonst noch brechen will?“

          Solche Unsicherheiten steigern sich natürlich, wenn der Clown mit Theaterblut geschminkt ist und ein Messer in der Hand hält. Auch wenn die vermeintlichen „Killer-Clowns“ meist nur angetrunkene junge Männer seien, die ihre Freunde beeindrucken wollten, sagt McAndrew. Die derzeitige Aufmerksamkeit für das Phänomen habe viel mit den sozialen Netzwerken zu tun: „Sie gießen Öl ins Feuer, weil sie uns ein falsches Gefühl davon geben, wie verbreitet etwas ist und wie bedroht wir uns fühlen sollten.“ Die Hysterie ist ein Perpetuum mobile: Je mehr darüber berichtet und gepostet wird, desto mehr Nachahmer wollen an dem vermeintlichen Spaß teilhaben. Und obwohl wahrscheinlich keine ernsthafte Gefahr ausgeht, nimmt die Polizei die Vorfälle ernst. Dann kann der Spaß für die Clowns ziemlich ernst enden: Täter müssten mit Festnahmen und einem Eintrag im Vorstrafenregister rechnen, gab ein Vertreter der britischen Polizei bekannt.

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