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Homosexuelle in Uganda : Der Feind im eigenen Land

„Hängt sie“: Die Zeitung „Rolling Stone“ rief 2010 dazu auf, „100 Homos“ zu töten. Die Kampagne wurde selbst nach der Ermordung eines Geouteten fortgesetzt. Bild: AFP

Homosexualität ist im ostafrikanischen Staat Uganda genauso illegal wie in fast allen afrikanischen Ländern. Die Homosexuellen im Land leben ständig mit der Gefahr – und kämpfen trotzdem mutig für ihre Rechte.

          Die Bierwerbung an der Wand könnte passender kaum sein: „Tastefully different“ steht dort geschrieben – in silberfarbenen Buchstaben auf blauem Grund. Das trifft hier nicht nur auf das Pilsener mit dem Namen Club zu („There’s a Club for every occasion“), sondern auch an jedem Sonntagabend für die Gäste der Bar mitten in Ugandas Hauptstadt Kampala. Für diese Nacht haben die meist jungen Studenten mutig ihre engen Tops und kurzen Hosen aus dem Schrank geholt, sie haben ihre Haare gefärbt und gegelt, sich mit ihren Freunden verabredet und sind dann in kleinen Gruppen in der Dunkelheit zu dem geheimen Treffpunkt gekommen, an dem sie bereits die Musik ihrer Lieblingsband Goodlyfe Crew erwartet.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Hier sind sie unter sich, hier wummern die Bässe, hier lassen sie ihre Hüften lasziv kreisen, in der Hoffnung, dass sie vielleicht einen Partner finden, und sei es nur für diese Nacht. Hier, in der Bar mit dem prägnant kurzen Namen, der vorsichtshalber unerwähnt bleiben soll, können sie sich so geben, wie sie den Rest der Woche nicht sein dürfen. Denn wer im ugandischen Alltag an der Kleidung oder an der Art, sich zu bewegen, als mutmaßlich homosexuell erkannt wird, muss im schlimmsten Fall damit rechnen, auf der Straße totgeschlagen zu werden.

          Homosexualität wie in fast allen afrikanischen Ländern illegal

          Es gibt sie tatsächlich: Ugandas einzige Bar für Homosexuelle. Und das in einem Land, das für die Schlagzeilen sorgt, es erwäge, die Todesstrafe für Schwule und Lesben einzuführen. Das entsprechende Gesetz, benannt nach dem evangelikalen Abgeordneten David Bahati, der es 2009 ins Parlament einbrachte, forderte unter anderem den Tod für einen erwachsenen Homosexuellen, der Sex mit einem gleichgeschlechtlichen Minderjährigen hat. Gleiches gilt auch für einen HIV-positiven Homosexuellen, der gleichgeschlechtlichen Sex hat – und für einen homosexuellen „Triebtäter“. Die Todesstrafe für jeden Kuchu, wie in Uganda ein Schwuler genannt wird, sieht es hingegen nicht vor. Bahati entschärfte sein Gesetz zudem 2012. Homosexualität ist aber schon jetzt in dem ostafrikanischen Staat genauso illegal wie in fast allen afrikanischen Ländern. Umso erstaunlicher, dass ein Restaurantbesitzer allwöchentlich seine Bar für Schwule und Lesben öffnet, obwohl er selbst nicht homosexuell ist. Und geradezu widersinnig erscheint es, dass vor der Tür die Polizei über den Ort wacht, an dem sich die nicht nur vermeintlichen Kriminellen treffen.

          Maron ist einer von ihnen, auch wenn er sich eher selten am Sonntag in die Bar traut. Die Gefahr, von Kommilitonen erkannt und womöglich am nächsten Tag aus Versehen geoutet zu werden, ist ihm zu groß. Maron, der seinen richtigen Namen lieber verheimlicht, ist 22 Jahre alt und studiert Modedesign. Er engagiert sich bei „if – i freedom Uganda“, einem Zusammenschluss von 20 Organisationen, die sich für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen und Intersexuellen (LGBTI) sowie auch Prostituierten einsetzen. Maron wurde erst vor ein paar Tagen wieder auf offener Straße angepöbelt, weil er sich nicht an den „Dress Code“ hielt, wie er sagt. Enge Jeans und Muskel-Shirt, dazu die seit Mai leicht rötlich gefärbten Haare reichen aus, um als Kuchu beschimpft zu werden. Marons Mutter, die 80Kilometer von Kampala entfernt in der Stadt Jinja wohnt, schämt sich für seine Frisur. „Zieh dir gefälligst eine Mütze auf, wenn du mich besuchst“, sagt sie zu ihrem einzigen Sohn. Sie weiß nicht, dass ihr Sohn schwul ist. Wenn sie es wüsste, würde sie ihn gewiss verstoßen und, schlimmer noch, bei der Polizei anzeigen. Die Konsequenz wäre Gefängnis, denn wer als Homosexueller öffentlich angezeigt wird, landet als Krimineller vor Gericht.

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